Ein großes ding:


Die "Warsteiner" Dampfmaschine wird zu neuem Leben erweckt

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24. Mai 2025: Die Warsteiner läuft zum ersten Mal (1)
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Hier geht's zur "Frankenberger" DM ... mit einem Klick!!
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Eine überraschende Neuigkeit 

 

 

Hätte man im Vorfeld der letzten Hauptversammlung des Museumsvereins nähere Details erfahren können, es wären mehr als nur vierzig Mitglieder am Abend des 29. September 2023 im Eberhard-König-Saal erschienen. Nach der üblichen Begrüßung, der Totenehrung, dem Verlesen des letzten Protokolls und des Rechenschaftsberichtes des Vorstandes, dem Bericht der Kassenprüfer – also den üblichen Regularien einer solchen Zusammenkunft -, öffnete sich mit dem Tagesordnungspunkt 8 „Übernahme einer Dampfmaschine“ für die Vereinstreuen ein einmaliges Überraschungspaket.  

 

Der erstaunten Mitgliederschar wurde vom Vorstand eröffnet, dass sich eine „glückliche Fügung“ ergeben habe: Zur bestehenden Ausstellung historischer Dampfmaschinen und Motoren, die in bescheidener Weise und ohne Übertreibung schon jetzt als einmalig und sehenswert in unserem Museum bezeichnet werden kann, habe sich die einmalige Möglichkeit ergeben, die Sammlung mit einem weiteren Zugang aufzuwerten. Ein kaum abschlagbares Angebot der Brauerei in Warstein sei eingegangen. Diese möchte dem DampfLandLeute-Museum in Eslohe ihre Dampfmaschine schenken, die sie eigentlich selbst als Teil eines neuen Brauereimuseums vorgesehen hatte. Nun aber zerschlug sich das Vorhaben, aus Gründen die uns nicht bekannt sind, sich aber jetzt zum Vorteil unseres Museums in Eslohe herausstellen wird. 

 

Eine große Sache

Restauriert und gut gelagert: So fand man die Dampfmaschine in Warstein vor.
Restauriert und gut gelagert: So fand man die Dampfmaschine in Warstein vor.

Nun wurden Fotos vorgeführt, die eine völlig überholte und restaurierte Maschine zeigen, sorgfältig gelagert und für ein neues Leben vorbereitet. Eslohes Bürgermeister Stephan Kersting, „geborenes“ Mitglied des Museumsvorstandes, ergriff das Wort und bekannte, dass sich bereits im Gremium ein klares "Ja" zur Übernahme dieses verlockenden Angebotes gezeigt habe. Die Mitglieder müssten nur noch mehrheitlich zustimmen. Es sei eine seltene Gelegenheit, die hier "beim Schopf gepackt" werden müsse, betonte er. Es handele sich zweifelsohne um eine weitere Attraktion, die viele Gäste in unser Museum locken wird. Vorstandsmitglied Klaus Gottfried hatte die Dampfmaschine in Warstein bereits in Augenschein genommen und schwärmte von der Dimension dieser Maschine und seinem hervorragenden Erhaltungszustand.  Sie würde eine passende Ergänzung der zurzeit noch im Aufbau befindlichen "Frankenberger"- Dampfmaschine sein, deren schlussendlicher Aufbau hier schon sehnsüchtig erwartet wird.  

 

Allen Vorteilen zum Trotz stellte sich die Frage zum Platzbedarf der „neuen“ Maschine. Mehr als 30 qm muss für sie in der Maschinenhalle freigestellt werden. Zum Leidwesen derjenigen, die hier bisher nur zu gerne Kulturveranstaltungen, wie Konzerte und Lesungen im besonderen Ambiente organisierten, wird sich zukünftig dieser Zweig des Museumsangebotes auf kleinere Veranstaltungen beschränken müssen. Eine Kröte, die leider geschluckt werden muss, setzt man den Schwerpunkt in Richtung einer zukünftig noch attraktiveren Ausstellung von Dampfmaschinen und Motoren. 

 

Eindeutige Zustimmung

 

Mehrfach wurde die bald zu erwartete Wertsteigerung des Museums beschworen. Deshalb werden auch die Kosten der Aufstellung, die in fünfstelliger Höhe zu erwarten sind, auch bedingt durch Beauftragung einer Fachfirma, als sinnvoll erachtet. Die Vorbereitung, der Abbau und Transport soll jedoch durch das museumseigene Werkstatt-Team erfolgen. Nachdem alle Argumente ausgetauscht waren, kam es zur Überraschung einiger Teilnehmer, zu einer einstimmigen Willensbekundung:  "Die Warsteiner- Dampfmaschine soll nach Eslohe kommen!

 


Ursprung und Historie 

 

Ich will mehr wissen von diesem Dinosaurier aus der frühen Industriegeschichte. Alte Fotos und Zeitungsausschnitte, die man mir zur Verfügung stellte und das Internet, in dem ich fündig wurde, helfen mir dabei, den Weg, den die Maschine durch die Zeit genommen hat, zu begreifen. 

 

Üblicherweise erzählen historische, oft kunstvoll gestaltete Typenschilder die Geschichte der Maschine, an der sie angebracht wurden. Sie sind faszinierende Zeitzeugen vergangener Technologien, wie diese Dampfmaschinen, die im 19ten und frühen 20ten Jahrhundert in Fabriken, Bergwerken und anderen industriellen Bereichen eingesetzt waren. Auch die „Warsteiner“ besitzt ein Typenschild. Es ist wie ein Fenster in die Vergangenheit dieser Technik und deren Industrie. „MASCHINENBAU-ACTIEN GESELLSCHAFT NÜRNBERG No 1278, vorm.: Klett & Comp. 1898“, so lautet die Aufschrift und gibt einen konkreten Hinweis auf die Herstellerfirma und deren Historie:

Qualität aus Bayern

 

Zu den größten Fahrzeug- und Maschinenbauunternehmen in Europa zählt heute die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG (MAN). Zwei Wurzeln hat dieser Konzern. Ein Zweig davon liegt unmittelbar in den süddeutschen Städten Augsburg und Nürnberg und entstand in den Anfängen der Industrialisierung in Bayern. Im Jahre 1837 eröffnete der Kaufmann Johann Friedrich Klett (1778-1847) in Nürnberg eine Maschinenwerkstätte, die ab 1841 unter dem Namen „Eisengießerei und Maschinenfabrik Klett & Company“ firmierte. In ihren Anfängen stellte diese Firma vor allem Dampfmaschinen her. Später kam der Waggonbau für die Eisenbahn hinzu, wodurch das Unternehmen einen erheblichen Aufschwung nahm. Im Jahre 1873 wurde die Maschinenfabrik in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und nannte sich danach: „Maschinenbau-Actiengesellschaft-Nürnberg“. Diese Firmenhistorie findet sich im Typenschild der Warsteiner- Dampfmaschine wieder. Die registrierte Maschinennummer des Herstellers lautet „1278“; das Baujahr der Maschine ist gut lesbar mit dem Jahr 1898 genannt. 

 

Ein Auftrag aus dem Bergischen Land

 

Man kann davon ausgehen, dass die „Warsteiner“ am Firmenstandort Nürnberg gefertigt wurde. Dort ging am 27.09.1898 auch der Auftrag zur Fertigung und Lieferung der Dampfmaschine ein.  Der Auftraggeber kam aus dem Bergischen Land und war die Bierbrauerei C.W. Kipper mit Sitz in Remscheid. Die schweren und teilweise sperrigen Maschinenteile der Dampfmaschine wurden damals ausnahmslos auf der Schiene transportiert. Von Nürnberg besteht Gleisverbindung über Frankfurt/ Main zum nordrhein-westfälischen Remscheid. 

 

Die Brauerei wurde 1837 von Carl Wilhelm Kipper (1808 – 1880) gegründet. Er war gelernter Hammerschmied, entdeckte aber seine Liebe zur Braukunst, absolvierte eine Brauerlehre und ging nach bestandener Gesellenprüfung auf Wanderschaft. In Remscheid fand er den idealen Standort, um sich dort – vorerst pachtweise - als Brauer niederzulassen und selbstständig zu machen. Im felsigen Gelände ließ sich ein Kühllagerkeller anlegen um das frisch vergorene Bier in großen Fässern zu lagern. Weiches und kalkarmes Quellwasser war eine gute Grundlage, leckeres Bier zu brauen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten entwickelte sich der Umsatz, bedingt durch eine wachsende Einwohnerzahl in der wirtschaftlich aufstrebenden Region. 1845 kaufte C.W. Kipper ein Grundstück und errichtete eine eigene, größere Brauerei mit Wohnhaus. Die Ansprüche an die Qualität seines Bieres stiegen, sodass weitere Investitionen getätigt wurden. 1869 wurde die erste Dampfmaschine angeschafft, die in die neue Mälzerei eingebaut wurde und die mechanischen Malzwender antrieb. 

 

Störungsfrei musste sie laufen

 

In den achtziger Jahren zeichnete sich eine weitere Ausweitung der Produktion ab. Der Firmengründer war gestorben und die Geschäftsführung auf seinen gleichnamigen Sohn übergegangen. Dieser entschloss sich 1889 zum Neubau eines Brauereigebäudes, in dem der Herstellungsprozess erheblich modernisiert wurde. Dazu gehörte die Installierung elektrischer Anlagen und die Aufstellung neuer Dampfmaschinen, die bei der Maschinenbau AG in Nürnberg in Auftrag gegeben wurden. Um 1894 wurde  eine kleinere Dampfmaschine mit 50 (70) PS bei der Maschinenbau AG in Nürnberg bestellt und in der Brauerei aufgestellt.

1898 folgte "unsere Warsteiner", die vermutlich zum Betreiben einer Eismaschine eingesetzt wurde. Auch diese "Eismaschine" wurde in Nürnberg hergestellt und geliefert. Mit der künstlich erzeugten Kühlung des Bieres wurde die Brauerei unabhängig von jeder Jahreszeit. Ein störungsfreier und sicherer Betrieb dieser mit bis zu 140 PS sehr leistungsfähigen Dampfmaschine war im besten Sinne existenzsichernd für das Unternehmen. 

 

Die Firmengeschichte der Kipper-Brauerei erzählt von einer ständigen Anpassung des Braubetriebes, den Schwierigkeiten bei den Rohstoffen zur Zeit des ersten und den tragischen Ereignissen während des zweiten Weltkrieges. Bei einem Bombenangriff auf Remscheid im Juli 1943 wurde auch die Brauerei getroffen und nach dem Wiederaufbau stellten sich neue Herausforderungen. Bis Ende der fünfziger Jahre wurde die „Warsteiner“, da sie nicht durch Kriegseinwirkung beschädigt, noch im Brauereibetrieb genutzt. Dann stand sie still und gehörte zum „alten Eisen“. 1987 wurde in der Kipperstraße in Remscheid noch das 150te Firmenjubiläum begangen, doch 1993 wurde der Brauereibetrieb endgültig eingestellt. 

 

Die Stilllegung wird abgewickelt

Dieser Auszug aus einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1993 zeigt die Demontage der „Warsteiner“ Dampfmaschine in Remscheid.
Dieser Auszug aus einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1993 zeigt die Demontage der „Warsteiner“ Dampfmaschine in Remscheid.

Es war Zufall, dass es 1993 zu einem Treffen zwischen Kipper-Chef Gert Busch und seinem ehemaligen Konkurrenten Albert Cramer, Chef der westfälischen Privatbrauerei in Warstein kam. Dieser zeigte sich begeistert für das museumsreife Inventar, nachdem sich in Remscheid keiner für die historischen Stücke ihrer städtischen Industriegeschichte interessierte.

 

Albert Cramer erwarb die Dampfmaschine und gut achtzig Jahre alte kupferne Sudpfannen mit der Absicht, die „alten Schätzchen“ als Demonstrationsobjekte alter Braukunst in Warstein auszustellen. In Remscheid wurden Schwungrad und Gehäuse der Dampfmaschine von einem Arbeitstrupp zerlegt, durch ein geöffnetes Dach gehievt und ins Sauerland verbracht. Dort wurde sie fachlich restauriert und gelagert.

 

In Remscheid zerfiel über die Jahre das ehemalige Brauereigebäude bis es im Jahre 2006 gesprengt wurde. Die „Warsteiner“ wird damit zum letzten Erinnerungsstück dieser bewegenden Brauereigeschichte. 

 


Informationen für die Fachleute:

 

Nachfolgende Daten beschreiben die „Warsteiner“ Dampfmaschine

(Copyright: Albert Gieseler, Mannheim 2009: www.albert-gieseler.de)

 

Sie kennzeichnet sich durch folgende allgemeine Daten

 

Hersteller:

Maschinenbau-Aktiengesellschaft Nürnberg

Herstellungsort:

Nürnberg

Baujahr:

1898

Fabrik-Nummer:

1278

Beschreibung:

Liegende Einzylindermaschine mit freitragendem Bajonettrahmen, Ausklink-Ventilsteuerung und stehendem Gewichtsregler. Das Schwungrad hat acht runde Speichen und Innenzahnung am Kranz. Tropföler-Schmierung an den Kurbelwellenlager und Kurbellager (hier mit Ölkurbel). Senkrechte Spritzschutzverkleidung an der Kurbel und hohes Geländer, Hersteller-Aufguss auf der Innenseite des Bajonettbalkens.

Anmerkungen:

Bestellt am 27.09.1898 mit der Werk-Nr. 4870. Vermutlich Einsatz der DM zum direkten Antrieb einer Kältemaschine.

Quellen:

[Maschinenbau-AG Nürnberg: Lieferbuch Dampfmasch.] 

[Gesamtverzeichnis Augsburg/Nürnberg]

 

 

Die technischen Daten:

 

Normalleistung [PS]:

100

Maximalleistung [PS]:

140

Steuerungsbauart:

Auskling-Ventilsteuerung

Regelungsbauart:

Kugelregler mit Muffengewicht

Zylinderzahl:

1

Expansionsstufen:      

1

HD-Zylinderdurchmesser [mm]:

500

Kolbenhub [mm]:

1000

Abtrieb:

Riemen über Schwungrad

Drehzahl [U/min]:

100

 

 


 

 

Wir verfolgen den Aufbau der Warsteiner Dampfmaschine im Museum

von Anfang Dezember 2023 bis Ende Mai 2025  


Wie geht es voran?  

(Die Chronologie der Ereignisse Teil I)

 

Anfang Dezember 2023:

Die Kollegen vom Werkstatt-Team fahren mehrmals nach Warstein und vermessen dort alle Einzelteile der Dampfmaschine. Ein Fundamentplan muss erstellt werden, denn auf der vorgesehenen Stellfläche in der Maschinenhalle muss der Betonboden geschnitten und vorbereitet werden. 

 

In der Ausstellung werden die vorhandenen, unbeweglichen Dampfmaschinen und Motoren mit Folie abgehängt. Sie sollen von Staub und Schmutz geschützt sein. Transportable Ausstellungsstücke sind vorerst ausgelagert. Das Ganze hat einen guten Grund, was sich bald herausstellen wird.  

Ohrenbetäubender Lärm und feiner Staubnebel macht sich beim Betonschneiden in der Maschinenhalle breit. Dann kommt ein Kleinbagger zum Einsatz, der vorsichtig die sich lösenden Betonplatten heraushebt und den freiwerdenden Untergrund herauslöffelt.

 

Es wird ein Schacht geschaffen, in dem später das riesige Schwungrad der Dampfmaschine laufen wird. Fünf Meter im Durchmesser soll es sein. Also wird fast zwei Meter in die Tiefe gegraben. Überraschungen sind vorprogrammiert: Grundwasser sprudelt ins neu geschaffene Erdloch und muss fortlaufend abgepumpt werden. 

 


Anfang Januar 2024

 

Zwischenzeitlich wird der Laufschacht mit wasserdichtem Beton ausgekleidet. Die Schalarbeiten erweisen sich als nicht einfach. Nachdem der Beton gehärtet hat, ist der Sumpf trockengelegt, - wenigstens darin!  Zwei weitere notwendige Öffnungen des Hallenbodens sind noch unbefestigt. Hier zeigt sich am Boden weiterhin braunes Wasser, was aus dem Untergrund ständig nachläuft und mit einer Saugpumpe entfernt werden muss. 

 


Anfang Februar 2024

 

In der Zwischenzeit hat sich das Team erneut auf den Weg nach Warstein gemacht. Dort ist die Dampfmaschine demontiert und zerlegt. Die Teile liegen in einer Halle und warten nach und nach auf einen sicheren Transport nach Eslohe. 

 

Immer mal wieder schau ich hinein ins Museum und heute, Anfang Februar, stelle ich fest, dass ein schweres Maschinenteil bereits in Eslohe angekommen ist. Das lagert auf einem Tandem-Anhänger, gesichert mit Spannbändern, und steht jetzt in der Maschinenhalle. Nun kann auch ich mich persönlich von der Qualität dieses alten Schätzchens überzeugen.

Mir wird klar: Eine faszinierende Technik wird sich in der nächsten Zeit hier ausbreiten. Ich mache Fotos und bin gespannt auf den weiteren Verlauf dieser einmaligen Aktion in unserem Museum.  



Anfang März 2024

Der Kolben wird in den Zylinder eingeführt, nachdem dieser ordentlich eingefettet wurde.
Der Kolben wird in den Zylinder eingeführt, nachdem dieser ordentlich eingefettet wurde.

Auch in den letzten Wochen hat sich etwas getan: 

 

Eine beauftragte Firma hat in der Maschinenhalle Druckleitungen mit einer äußeren Isolierung verlegt. Diese werden einen separaten Anschluss an den Heizkessel bekommen. Der vorhandene Heizkessel wird nicht ausreichend Dampf erzeugen, um wie bisher alle Maschinen gleichzeitig in Betrieb zu halten. Die „Warsteiner“ und die „Frankenberger“ Dampfmaschine sind schon ein anderes Kaliber und benötigen mehr Dampf und Druck. Deshalb werden im Kesselraum Schieber vor die Druckleitungen eingebaut um mehrere "Schaltkreise" zu ermöglichen. Auch ist ein größerer Durchschnitt der Leitungen erforderlich. Die Anschlüsse können aber erst hergestellt werden, nachdem die Maschinen endgültig aufgestellt sind. Die Fachfirma wird dann nochmals anrücken müssen. Doch das kann dauern! 

 

Das Werkstatt-Team hat erste Vorarbeiten an der „Warsteiner“ vorgenommen. Der Deckel des Druckzylinders wurde entfernt und der ausgebaute und separat gelagerte Dampfkessel-Kolben mit Kolbenstange nun wieder in den Zylinder eingeführt und mit der Pleuelstange verbunden. Einige Ventile und Teile am Druckzylinder wurden demontiert, da diese bei der Umsetzung auf den zukünftigen Standort hinderlich sind, aber auch beschädigt werden könnten. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, so heißt ein altes Sprichwort.   


Anfang April 2024

 

 

 

Es hat sich einiges bewegt in den vergangenen Wochen!

Dort wo das Kopfteil des Dampfzylinders einmal stehen wird, wurde bereits im November ein Sumpf ausgehoben. Hier wurde nun ein Metallkasten eingelassen und mit Beton umgossen. Nach Aushärtung konnten anschließend die Seitenwände mit Blechen ausgekleidet und ein Rahmen als sauberer Abschluss zum Hallenboden montiert werden.

In diesem Sumpf ragen später technische Armaturen am unteren Teil des Druckzylinders hinein. Zusätzlich stellt er sicher, dass kein Öl in den Untergrund und damit nicht ins Grundwasser gelangen kann. 

Die Vorarbeiten für den Aufbau der Warsteiner Dampfmaschine waren damit abgeschlossen. 

 

 

 

Schweres Gerät und die gesamte Mannschaft des Werkstatt-Teams kamen am Samstag, 23. März, dank eines ausgeklügelten Plans zum erfolgreichen Einsatz. Dieser wurde von Klaus Gottfried in einer schlaflosen Nacht geschmiedet. Auf dem Museumshof gelagerte Schmalspurschienen wurden in der Maschinenhalle verlegt. Auf zwei Loren sollte darauf die Dampfmaschine an ihren zukünftigen Standort geschoben werden, was dann auch planmäßig gelang: Mit einem Schwerlaststapler wurde die "Warsteiner" mit großer Vorsicht vom Anhänger gehoben, dort wo sie die letzten 30 Jahre verbracht hatte. 

 

Nun wurde sie auf die Loren gesetzt und mit ordentlich „Manpower“ an ihren vorbestimmten Platz geschoben. Wieder kam der Stapler zum Einsatz, der die Maschine anhob, während das Team Loren und Schienen beseitigten. Nun konnte sich die gute Planung erweisen, indem die Warsteiner „auf den Millimeter genau“ an den zukünftigen Standort herabgelassen werden konnte. Erleichterung bei den Akteuren nachdem dies gelang und ein breites Grinsen bei Klaus Gottfried: Seine Messungen und Planzeichnungen waren ohne Tadel! 

Dennoch war die Zeit noch nicht gekommen, um mit einem kühlen Pils Erfolg zu feiern. Ein Teil des in zwei Teile zerlegte schwere Schwungrad sollte noch in den dafür vorgesehenen Schacht hinabgelassen werden. Dabei kam der Stapler wiederholt zum Einsatz.

 

Die Radhälfte musste vorerst noch gewendet werden: Der daran vorhandene Zahnkranz sollte schon an der richtigen Seite liegen. Mit Vorsicht gelang auch dieses Vorhaben. Mit Holzkeilen konnte abschließend die Schwungradhälfte gesichert werden.

 

 

 

 

 

 

Noch wartet das große Schwungrad und weitere Apparaturen auf den Abtransport von Warstein nach Eslohe. Ein erster Versuch, das in zwei Hälften zerlegte Schwungrad auf einen Transporter zu heben, musste scheitern. Der dafür vorgesehene Stapler erwies sich zu schwach.

 

Eine größere Maschine stand beim zweiten Versuch zur Verfügung, sodass die letzten Teile der „Warsteiner“ sicher ihren Zielort erreichten. 



Anfang Mai 2024

Eigentlich könnte man meinen: Jetzt steht sie endlich und nun basteln wir auch noch mal so eben den Rest der Teile dran. Weit gefehlt ist diese Annahme. Wohl dem, der sich gründlich vorbereitet, mehr als einmal nachmisst und jeden Schritt vorwärts mit Bedacht geht. 

 

Die Messungen ergaben jedoch, dass für das äußere Stehllagergehäuse noch ein Betonsockel gegossen werden musste. Nur wenige Zentimeter fehlten, damit die Welle in der Waagerechten liegen kann. Mittlerweile ist der Beton gehärtet und das Stehlagergehäuse auf den Sockel gesetzt. Die Gewindestangen sind bereits besorgt, mit denen das Gehäuse fest mit dem Grund verbunden werden kann. 

 

Als nächster Schritt steht die Montage der Hauptwelle an. Diese nimmt mit dem sog. „Drehzapfen“ den Schub der Pleuelstange auf und wandelt diesen in Drehbewegung der Welle um. Im Verbrennungsmotor nennt man sie „Kurbelwelle“. Sie läuft bei der „Warsteiner“ in zwei Lagerschalen, die sich in massiven Stehlagergehäusen befinden. 

 

Auf die Welle wird danach das schwere, zweiteilige Schwungrad montiert. Dieses hat ähnlich der Schwungscheibe im Verbrenner-Motor die Aufgabe, Rotationsenergie zu speichern und sie gleichzeitig abzugeben, um die Drehbewegung der Welle aufrechtzuerhalten.   

 


Anfang Juni 2024

Der weitere Aufbau der "Warsteiner" ging nur schleppend voran. Die ehrenamtliche Arbeit des Teams auf die Vorbereitung der Dampftage fokussiert. 

Das „Museumsstück des Jahres 2020“ war unsere Schmalspur-Dampflok der Firma Krauss & Company aus dem Jahre 1898. Damit hat sie dasselbe Alter wie unsere „Warsteiner“, die neue Dampfmaschine im Museum. Zu den Dampftagen wird der Kessel der Dampflok ordentlich angeheizt, damit sie Runde um Runde drehen kann. (Ausführliche Beschreibung der Lok in den Esloher Museumsnachrichten 2020, Seite 68 von Wolfgang Dudek) 

So zeigte sich die "Baustelle" beim Besuch des Redakteurs von WP/WR. Foto: (c) Frank Selter
So zeigte sich die "Baustelle" beim Besuch des Redakteurs von WP/WR. Foto: (c) Frank Selter

 

 

 

 

 

 

 

Auch wenn sich die beiden Dampfmaschinen noch im Aufbau befinden: Sie wurden von den Besuchern bestaunt und weckten sicher bei dem einen oder anderen die Neugierde: „Wenn die laufen, kommen wir wieder!“ Ein ausführlicher Pressebericht (mit Hinweis auf meine Homepage) in der Heimatseite von WR und WP, den der Redakteur Frank Selter nach seinem Besuch in der Maschinenhalle des Museums herausgab, konnte mit Sicherheit einige der zahlreichen Gäste nach Eslohe locken. 

 

 


Anfang Juli 2024

Einige Arbeit macht das Einpassen der Hauptwelle in die beiden Lagerschalen. Die Welle muss dafür händisch nachgearbeitet werden, um einen konischen Wellenlauf in den Lagern zu vermeiden. Eine ungleichmäßige Ölverteilung zwischen Lagerschalen und Welle, die Reibungshitze und somit Abrieb zur Folge hätte, muss vermieden werden. Einige Male wird man nacharbeiten und wieder neu anpassen müssen. Eine stundenlange und nervige Arbeit ist in Sicht. Erst wenn ein gleichmäßiger Lauf der Welle gewährleistet ist, kann das mächtige Schwungrad befestigt werden.  

Es wird danach wieder „Schwung“ in den Fortgang der Arbeiten kommen.  

 


Anfang August 2024

Leider musste festgestellt werden, dass der eingesetzte Kleber in den Bohrlöchern zur Befestigung der Maschine und des Stehlagergehäuses nicht gehafteten. Die Schrauben mussten wieder herausgezogen werden, die Bohrlöcher gesäubert und die Schrauben neu mit einem speziellen Zweikomponentenkleber befestigt werden. Das wirft den Einbau der großen Welle zeitlich gesehen erheblich zurück.

Es wird also noch ein Weilchen dauern, bis die "Warsteiner" endgültig  "steht und geht". Es ist eben ein "ganz großes Ding". 


Wie geht es voran?  

(Die Chronologie der Ereignisse Teil II)


Es war im Dezember 2023, als die Kollegen vom Werkstatt-Team des DampfLandLeute-Museums in Eslohe mit ihrer Arbeit begannen. Sie transportierten eine stattliche, einige Tonnen schwere Dampfmaschine von der Warsteiner-Brauerei nach Eslohe und begannen, diese in der Maschinenhalle des Museums aufzubauen. Ihr Ziel war, diesen Dinosaurier aus Stahl wieder zum Leben zu erwecken und in Betrieb zu setzen. 

 

Über viele Monate hinweg wurde der Verlauf der Arbeiten vom Autor begleitet und darüber in den Esloher Museumsnachrichten 2024 ab Seite 28 ausführlich erzählt.  Die Berichterstattung findet nun eine Fortsetzung:  

 

Gute Vorsätze zum Jahresbeginn 2025

Ende Januar 2025

 

Der Einbau der großen (Kurbel)-Welle hatte sich ordentlich verzögert. Mit moderner Lasertechnik hatte man nachgemessen und einen sehr geringen, kaum messbaren Höhenunterschied zwischen den Stehlagern festgestellt. Das entfachte rege Diskussion unter Fachleuten, ob diese Differenz überhaupt entscheidend sei für einen ordnungsgemäßen Lauf der Welle. Man entschloss sich schließlich dafür, das äußere Stehlager nochmals zu entfernen und den Sockel durch eine dünne Blechunterlage zu erhöhen. Damit wollte man die Höhendifferenz ausgleichen. Nach erneutem Einbau des Stehlagers gab man sich zufrieden. Die Welle wurde in ihre Position gehoben und die oberen Lagerschalen konnten endlich verbaut werden.

 

 

Eigentlich konnte nun das zweiteilige tonnenschwere Schwungrad an die Welle angeflanscht werden. Dazu wurde die untere Radhälfte, die bereits seit Monaten im tiefliegenden Schacht ruhte, bis zur Welle angehoben. Die zweite, obenliegende Radhälfte sollte alsbald mit Hilfe eines Schwerlast-Staplers aufgesetzt und beide Radhälften mit vier gewaltigen Schrauben vereint werden. Doch leider hatten Eis und Schnee die im Außenbereich gelagerte Radhälfte bedeckt, sodass man auf Tauwetter hoffte um mit einem weiteren Kraftakt die „Hochzeit“ der beiden Radhälften folgen zu lassen. 

 

Anfang März 2025 wurde ein großer Schritt getan


Am 1. März 2025, einem Samstag, war es soweit: Mit Hilfe eines Schwerlast-Staplers der Firma Blüggel, durch ihren Chef persönlich gesteuert, wurde die zweite, obenliegende Radhälfte auf die Welle gehoben. Behutsames Vorgehen war angesagt, da der Raum für dieses Fahrzeug begrenzt war. Auch in der Höhe waren Grenzen gesetzt. Die Ketten, mit denen die schwere Radhälfte am Träger des Staplers befestigt waren, mussten zwischenzeitlich kürzer angehängt werden. Letztlich aber war die Aktion von Erfolg gekrönt. Mit vier schweren Befestigungsschrauben konnten die beiden Radhälften miteinander verbunden werden. Ein überdimensionaler Schraubenschlüssel war das Werkzeug an dem sich das Team abarbeitete. Es hatte sich herumgesprochen, sodass einige Zuschauer gekommen waren, um diese „Vereinigung“ mit Interesse und mehr oder weniger hilfreichen Kommentaren zu begleiten. Erst jetzt konnte man die Dimension des Schwungrades begreifen. Nun konnten auch die Holzkeile im Schacht entfernt werden, die das untere Teil des Rades bisher an der Welle gehalten hatten. 

 

In den folgenden Tagen und Wochen konnten weitere, teils zeitraubende Arbeiten verrichtet, so wie die Befestigung der schweren Pleuelstange an die Welle. Auch das Kegelrad der Steuerwelle wurde an den Zahnkranz der Welle angepasst. Eine Fachfirma verlegte weitere Druckleitungen. 

Am 24. Mai 2025: Die "Warsteiner" Dampfmaschine läuft


Auf jeden Fall war das jetzt ein großer Fortschritt hin zur endgültigen Inbetriebnahme der Warsteiner Dampfmaschine, was die anstehenden weiteren Arbeiten beflügelte. 

Wer immer mal wieder zwischen den Zeilen las, konnte unschwer erkennen, dass nicht immer alles rund lief und dass es zwischendurch auch einige Schwierigkeiten gab, und das nicht nur technischer Art. Es war eine Herausforderung für das ganze Team und oft lagen die Nerven blank, auch wenn man es nicht zugeben wollte. Nun aber sollten bald alle Querelen vergessen sein!

 

Zum Abschluss des ersten Dampftages konnte die Warsteiner Dampfmaschine wieder zum Leben erweckt werden. Ja, sie läuft tatsächlich, woran mancher Pessimist nicht mehr zu glauben wagte. Unter dem Applaus der anwesenden Mitarbeiter und einem kleinen Kreis von "Dampfmaschinen- Euphorisierter" setzte sich das große Schwungrad in Bewegung. Nach nunmehr 60 Jahren Stillstand wurde diesem alten, im Jahre 1898 gebauten und 1993 grundlegend restaurierten Schätzchen deutscher Wertarbeit, wieder Leben eingehaucht. Und auch der Autor, der nun seit Monaten das Werden beobachtet und darüber berichtet hat, wurde in diesen spannendenden Minuten etwas sentimental und bemüht in seinen Schilderungen eine Metapher:  

 

Wieder zum Leben erweckt ist die greise Patientin, wie in einem Jungbrunnen neu erwacht. Der Gleichklang der sich schließenden und öffnenden Ventile erinnert an einen regelmäßigen Herzschlag: Kein Stolpern, kein Aussetzen. Sie scheint putzmunter zu sein, was auch ihre Erwecker mit fachkundigem Blick resümierten. Das Werkstatt-Team unter der Leitung des technischen Vorsitzenden Klaus Gottfried kann zurecht stolz auf das Geleistete sein. 

 


Für die Sommerausgabe 2024 des WOLL-Magazins durfte ich einen Beitrag leisten in Form eines Aufsatzes über den Aufbau der Dampfmaschinen im Museum. Unter dem Titel: "Neues vom DampfLandLeute- Museum in Eslohe" stand dieser Aufsatz im  gern gelesenen und im Sauerland  beliebten Magazin für deren Leser zur Verfügung. Ich danke Herrn Hoffe, Herausgeber und Redakteur des WOLL-Magazins, für die Möglichkeit, unsere Museumsarbeit wiederholt einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen zu dürfen.

Für die Besucher meiner Homepage stelle ich diesen Beitrag in PDF zur Verfügung. 

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WOLL Bericht So 2024 Warst.DM.pdf
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