Gelebte Tradition:

Feldmanns Hof- und Wegekreuz im Rehenberg


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Informationen

für Spaziergänger und Wanderer



 

Doch vorab eine Bitte an die Wanderer und Spaziergänger, die hier Rast einlegen und verweilen:

  • Achtet diesen Ort.
  • Hinterlasst keinen Unrat und beschädigt nicht Kreuz oder Ruhebank.
  • Lasst alles so, wie ihr es vorgefunden habt.  
  • Bei Trockenheit zündet kein Licht an: Denkt an die Waldbrandgefahr! 

Dein Standort:

 

Du befindest Dich gerade im Rehenberg, der im übrigen früher „Remberg“ genannt wurde. Das bedeutet schmaler oder langer Berg. Dieses Stück Erde ist für uns nicht nur ein Stück Hofeigentum. Er ist auch ein besonderer Ort, an dem sich gut verweilen lässt und wo man mit Blick hinunter auf das Dorf Sallinghausen und den gegenüber liegenden Bergen die Ruhe genießen kann. Links erkennst Du den „Henneberg“ als Teil des Homert-Gebirges, angrenzend schaust Du auf den „Windknochen“ als Verbindung zum weiter rechts liegenden „Estenberg“.

 

Zu jeder Jahreszeit - im Frühling,  Sommer, Herbst und Winter - am Hofkreuz im Rehenberg.


Warum steht hier das Kreuz?

 

Im Jahre 2014 haben wir  - meine Familie und ich -   hier unser Hofkreuz mit einer Ruhebank aufgestellt. Dieses musste von unserem Hof im Dorf auf den jetzigen Standort umgesetzt werden. Nach Abriss unseres alten, aus dem Jahr 1779 bestehenden und baufälligen Fachwerkhauses folgte an gleicher Stelle der Neubau einer neuzeitlichen Wohnstätte. Der bisherige Standort des Kreuzes war danach nicht glücklich und wurde ihm nicht mehr gerecht. So kam der „Familienrat“ zum Entschluss, das Kreuz gut sichtbar in den Rehenberg zu versetzen.   

 

Es steht nun an der Wegeböschung, umgrenzt von dem mit Laubholz, Eichen und Buchen bestandenen Waldgrundstück, das zu unserem Hofeigentum zählt. Das Ganze wäre auch im Sinne meines Vaters gewesen, hätte er die Veränderungen auf unserer Hofstelle noch miterleben können. 

 

Mein Vater Otto Feldmann (1921-2007) hatte nicht grundlos in den neunziger Jahren dieses, damals neue Kreuz auf unserem Hof aufgestellt und daneben eine Rotbuche gepflanzt. Zuvor hatte er dem Schreinermeister Josef Quinkert aus Niedereslohe den Auftrag erteilt, dieses Kreuz aus eigenem Eichenholz von unserem Hof zu fertigen. Schüler der Esloher Dachdeckerschule erstellten dafür das kupferne Dach zum Schutz und dauerhaften Erhalt. 

 


Das Kreuz mit dem Kreuz 

 

Es muss in früherer Zeit auf unserer Hofstelle in Sallinghausen bereits ein Hofkreuz gestanden haben. Dessen Existenz ist schon der Tatsache geschuldet, weil meine Großeltern sehr gläubig und gottesfürchtig gewesen sind. Tatsächlich kann ich mich nur auf die Aufzeichnungen meines Großvaters Wilhelm Feldmann (1876-1960) berufen, der im Rückblick auf das Jahr 1945 schrieb: „In den Schreckenstagen des April steckte ich ins Kreuz eine Palme, links der Pforte an der Straße. Ich tat es im Vertrauen auf Gottes Schutz in schwerer Zeit …“.

Es gab also ein Vorgängerkreuz, dass nun kurz nach Ende des Krieges, vermutlich alt und erneuerungsbedürftig war.  

Fast fünfzig Jahre (1947/48) bis in die neunziger Jahre stand das vom Großvater aufgestellte Holzkreuz am Estenberg
Fast fünfzig Jahre (1947/48) bis in die neunziger Jahre stand das vom Großvater aufgestellte Holzkreuz am Estenberg

Jedoch ein anderer, schwerwiegender Grund veranlasste meinen Großvater dazu, an einem neuen Standort ein größeres und massives Holzkreuz aufzustellen. Dieses stand viele Jahrzehnte im „Estenberg“. Mit diesem erfüllte sich Großvater nach den für die Familie Feldmann erlittenen Kriegsereignissen einen Herzenswunsch. So ließ er oberhalb des Weges ein kleines Stück Waldboden einebnen um dort sein Kreuz aufrichten zu lassen. An dessen Fuße stellte er eine hölzerne Gedenktafel in der Form des deutschen Kreuzes, dem Eisernen Kreuz als Symbol für Tapferkeit, Freiheitsliebe und Gleichheit, auf. Darin waren die Namen und Lebensdaten seiner im Zweiten Weltkrieg gefallenen ältesten Söhne Josef und Wilhelm Feldmann eingeschnitzt. Er pflanzte eine Rotbuche und stellte dazu eine Ruhebank auf. 

Dieser Standort im Estenberg war von ihm bewusst gewählt, denn er war der Lieblingsort von Wilhelm, dem Zweitältesten. Hier hatte der junge Mann zu seinen Lebzeiten in einer dicken Eiche einen Hochsitz errichtet.  Viele Stunden hatte er darauf verbracht, las ein Buch oder schaute einfach nur hinunter ins Tal auf den elterlichen Hof. 

 

 

Eine Pilgerstätte für die Familie

 

Für Großvater war es ein hehres Ansinnen, dass dieser Ort des Gedenkens auch nach seinem Ableben erhalten blieb. In seinem Testament verfügte er, dass es für den Hoferben, also meinen Vater und für die nachfolgenden Generationen auf Feldmanns Hof, eine „heilige Verpflichtung“ sein müsse, das Gedächtnis an die gefallenen Brüder durch die Pflege des Kreuzes am Estenberg wachzuhalten. 

In meiner Jugendzeit war dieses Kreuz oftmals Ziel des sonntäglichen Spaziergangs. Dort verweilte ich mit meinen Eltern und den jüngeren Brüdern und wir schauten hinunter in das für uns so vertraute Tal der Salwey. Und das war Tradition: Jeden Vorabend zu Allerheiligen, dem christlichen Feiertag am 1. November (es war 2007 auch der Todestag meines Vaters Otto), wurde oben am Kreuz eine Sturmlaterne anbracht und ein Licht angezündet. Es leuchtete immer einige Tage und schickte so das Zeichen in die Welt: „Das Licht ist Ausdruck des Lebens“. 

 


Nach Alt kommt Neu und alles hat einen Anfang und ein Ende

 

Die Jahre vergingen und auch am Holzkreuz im Estenberg hatte der Zahn der Zeit ordentlich genagt. Es war dort oben am Waldrand nahezu fünfzig Jahre „Wind und Wetter“ ausgeliefert und verwittert. In der Zeit wurde es von einem Fichtenwald eingeschlossen, der nun den freien Blick ins Tal versperrte.

Indem mein Vater Neues schaffen ließ, weil Altes verfallen war, kam er seiner, auch moralischen Verpflichtung nach. Er hatte damit nach unserem Verständnis auch dem Vermächtnis des Großvaters Genüge geleistet. 

 

Heute zünden wir, die Nachkommen, am Hof- und Wegekreuz im Rehenberg an manchen Tagen und zu besonderen Anlässen ein Licht an. Das ist für unsere Familie gelebte Tradition; wie eine Überlieferung, die sich von Generation zu Generation weitergibt, sich mit der Zeit aber verändern kann und muss. 

Wir gedenken damit unseren Vorfahren, allen Verstorbenen unserer Familie und nicht nur der gefallenen Brüder meines Vaters. Und wir erbeten Gutes für alle Lebenden der Familie, auch für die Menschen, die in unserer Nachbarschaft leben und mit uns eine Dorfgemeinschaft bilden. 

Der schwache Lichtschein der Kerze, den wir mit dem Blick aus unserem Fenster hinauf in den Rehenberg wahrnehmen, erwärmt oft unsere Herzen und verbindet sich mit vielen Gedanken und Erinnerungen.

 

Deshalb pflegen wir diesen, für uns besonderen Ort! 


Mein Literatur-Hinweis:

 

Über Kreuze und Bildstücke in der Gemeinde Eslohe wurde 1999 von der SGV-Abteilung Eslohe ein viel beachtetes Büchlein herausgegeben.  Ich konnte damals am Entstehen mit ein paar Beiträgen mitwirken. 

 

Ich möchte aktuell darauf hinweisen, dass noch einige Exemplare davon im DampfLandLeute-Museum ausliegen. Diese können für ein "kleines Geld" erworben werden. 

 

Über Inhalt und Entstehung dieses Buches besteht auf meiner Homepage schon seit geraumer Zeit ein von mir verfasster Bericht. 

 

Zum Lesen klicke bitte auf nebenstehendes Bild!