Die Schulten in "Esleve":


# Bauern, Gastwirte und Posthalter

# Die Posthalterei in Eslohe: Werdegang und Abgesang

# Statt Postillion nun Kraftpost-Fahrer


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(C) Wilhelm Feldmann

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Bauern, Gastwirte und Posthalter
Ein Stück Postgeschichte
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Historische Urkunden zum Beginn der Postgeschichte in Eslohe
Übersetzung der Urkunden
Urkunden Posthalter Schulte zu Eslohe.pd
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Ein Blick in die Jahrhunderte

 

Die Schulten-Höfe nahmen historisch gesehen eine Schlüsselrolle in den Dörfern ein. Oft waren sie die Sammelstelle für Natural- und Geldabgaben im Auftrag des jeweiligen Grundherrn. Der Schulte sorgte als Mittler zwischen den Lehnsherrn und den Bauern für Recht und Frieden und übte dabei eine niedere Gerichtsbarkeit aus. Ein Schulten-Hof war meist der flächenmäßig größte und auch stattlichste Hof im Dorf, auch erkennbar an der Höhe der Bede, später Schatzung genannt. Sie war eine direkte Steuer, die ein Landesherr von seinen Untertanen – vor allem Bauern und Bürgern – erhob um besondere Ausgaben, oft für kriegerische Auseinandersetzungen (z.B. Türkensteuer) einzusetzen. Dazu kamen die regulären Abgaben, wie der Zehnte, meistens Dienstleistungen und Naturalabgaben an Kirche und Grundherrn. 


1471:  Der älteste urkundliche Nachweis

Der Schultenhof in Eslohe nahe der Pfarrkirche St. Peter und Paul (SW-Foto um 1900, koloriert)
Der Schultenhof in Eslohe nahe der Pfarrkirche St. Peter und Paul (SW-Foto um 1900, koloriert)

Auch im mittelalterlichen Esleve, dem heutigen Eslohe, gab es den Schulten-Hof, auf den die zuvor erwähnte Stellung in der dörflichen Gemeinschaft zutraf:  Er war stets zentral gelegen, nahe der Pfarrkirche St. Peter und Paul und ist vermutlich wesentlich älter, als es ein urkundlicher Eintrag am 13. März des Jahres 1471 aussagt: 

Hans Schulte to Esleve war Zeuge als Henneke van Hanxlede und seine Ehefrau Karte das Lehen „Unser lieben Frau“ in der Kirche zu Esleve und dem jeweiligen Vikar eine jährliche Rente von je einem halben Malter Roggen und Gerste, zwei Malter Hafer und sechs Hühner aus ihrem „Wreithoffsgut zu Odingen“ verkaufen (01). Dieses Gut, auch „Wreithoff“ genannt, war ein historischer Hof in Oedingen der eng mit der Geschichte des dortigen, im 10. Jhd. gegründeten Damenstift verknüpft war. Der Hof gehörte zum Komplex der „stiftischen Güter“. 

 

Mutmaßlich war er ein Sohn von Hans Schulte:  Peter Schulte to Esleve, wird im Jahre 1483 genannt. 

 

1536:  Ermert Schoulth 

 

Bei der Schatzung von 1536 muss Ermert Schoulth 2 ½ Goldgulden an Schatzung leisten. Er ist der größte Steuerzahler im Dorf, auch als Vollerbe bezeichnet. Er hatte mehr als eine einfache Bauernstelle, eine Hufe, die eine Familie mit nur einem Gespann bewirtschaften konnte. Für Schulte war es nur bedingt eine Bürde, diese Lasten zu tragen, denn sein Hof war groß genug, um eine Familie samt Gesinde ernähren zu können. 

Am 25. März 1556 ist Ermert Schulte gemeinsam mit Johan Smet (= Schmitt) zu Eslohe Zeuge eines Verkaufs von näher bezeichneter Erbländereien um Eslohe herum durch den Everdt Blichter zu Esleve und seiner Ehefrau Elisabeth (02). 

 

Johann Schulte, vermutlich ein Sohn des Ermert, zahlte bei der im Jahre 1565 durchgeführten Schatzung nur noch 2 Goldgulden.


1600: Herman Schulte auf dem Pachtgut des Churfürsten

 

Im Jahre 1600 wird das Gut von Herman Schulte genannt (03). Es erschließt sich, dass der Schulten-Hof in Eslohe ein Pachtgut des Churfürsten war, dem er Geld- und Naturalzinsen für die Nutzung des „landesherrlichen Bodens“ schuldig war. 

 

Pachtgüter des Erzbischofs von Köln im Herzogtum Westfalen wurden von ihren Pächtern meist gut geführt und waren wirtschaftlich. Das und die getreue Leistung der Frondienste war Grund genug, ihre Pachtverträge regelmäßig zu verlängern. 

Um 1600 war Ernst von Bayern aus dem Haus Wittelsbach Erzbischof von Köln. Er regierte als Kurfürst und Erzbischof von 1583 bis 1612. Nach dem Truchsessischen Krieg (1582 – 1589) wurde er als neuer Erzbischof eingesetzt und leitete eine lange Phase katholischer Kurfürsten aus Bayern in Köln ein. 

 

Herman Schulte hatte im Jahr 1600 an den Erzbischof zu leisten: „Er sitzt auf M.G.H., in Latein = Mensae Gradualis Hereditarium (04), thut an Pacht 1 Malter Roggen, 1 Malter Gerste, 6 Malter Hafer, 1 Schwien, 3 hoiner, 1 Pfd. Hanf, 1 Reichsthaler Hundegeld, 4 Mudde Kaufhafer, 36 Stüber Bede, Dienst 1 Wagen, 1 Scheffel Rauchhafer“. Zu diesen Abgaben hatte er 2 Goldgulden an Schatzung zu zahlen. 

1603 wird Herman Schulte und andere in einer Tauschurkunde als Vertragspartner für das Kirchspiel Eslohe genannt (05).

Wiederum ist am 11. Mai 1606 Herman Schulte zu Eslohe erwähnt. Er ist Zeuge beim Verkauf eines freien Ländchens (lendeken) durch den Müller (moller) Herman Herhagen zu Bremschedt und seiner Ehefrau Elsa an die Eheleute Johann und Lise Smitt zu Esleve (06). 

 

 

Am 22. April 1637 heiratete Eva Schulte aus Eslohe auf den Schulten-Hof in Sallinghausen ein. Ihr Ehemann war der Hoferbe Jodokus Schulte (geb. vor 1616, gest. 13.04.1668), Sohn der Eheleute Hermann und Johanna Schulte, geb. Volmars aus Bremscheid (07).  


1663:  Jobst Schmidt heiratet ein

Foto um 1910 mit KI optimiert: Der Schulten-Hof in Eslohe mit Blick von der Pape-Straße aus auf den Innenhof, rechts das Wohnhaus mit Garten im Vordergrund, dahinter die Ökonomiegebäude (Stallungen, Remise und Scheune)
Foto um 1910 mit KI optimiert: Der Schulten-Hof in Eslohe mit Blick von der Pape-Straße aus auf den Innenhof, rechts das Wohnhaus mit Garten im Vordergrund, dahinter die Ökonomiegebäude (Stallungen, Remise und Scheune)

Am 23. Oktober 1663 heiratete Jodokus Schmidt die Anna Schulte aus Eslohe. Die Geburt eines Sohnes ist bekannt: Am 21.10.1676 wurde Johannes „Hans“ Heinrich Schulte geboren. Das Kind starb jedoch am 09.07.1680. Ansonsten sind keine Nachkommen der Eheleute in den Kirchenbüchern überliefert, was mit ihrer lückenhaften Führung zu jener Zeit begründet werden kann. 

 

Doch die Schatzungsliste aus dem Jahre 1685 klärt auf: Jobst Schulte „natus“ (= geboren) Schmidt, dessen frau, 1 sohn, 1 tochter, der schwiegervatter betlagerich, dessen frau, haben 1 jungen und 1 mädgen von der straßen zu sich genohmen, so ihme vor die kost kühe und pferde weiden“ (08). Die Vornamen Jodokus und Jobst sind historisch und etymologisch identisch (Jobst ist eine Kurzform von Jodokus), deshalb handelt es sich um dieselbe Person.

 

Jobst Schulte ist durch Einheirat auf den Schulten-Hof gekommen. Anna Schulte, seine Ehefrau, war die Hoferbin. Zum Zeitpunkt der Steuererhebung lebten ein Sohn und eine Tochter (09) der Eheleute auf dem Hof. Zum Haushalt gehörten noch die Schwiegereltern (Eltern der Ehefrau), jedoch war der Schwiegervater krank und bettlägerig. Die Schulten hatten einen Jungen und ein Mädchen „von der Straße“ zu sich genommen. Die hüteten für Kost und Unterkunft die Kühe und Arbeitspferde. 


Lange Zeit schweigen sich die Annalen aus

 

Erst Mitte des 18. Jahrhunderts wird im Copulationsbuch der Pfarrgemeinde Eslohe wieder von einer Vermählung auf dem Schultenhof berichtet: 

Es heirateten am 27.11.1753 der Johann Gottfried Schulte aus Eslohe (geb. um 1719) und Anna Maria Borgmann aus Varste (Gemeinde Kirchhundem) in der Pfarrei Kohlhagen (geb. um 1722): Es erschienen Max Hallman und andere („et alii“) als Trauzeugen. 

 

Bekannt ist die Geburt von sieben Kindern: 

 

1.

Johann Joseph Schulte

*24.11.1754

+ vor 1787

Paten: Hubert Joseph Halman und Elisabeth Koch

2.

Johann Quirinus Schulte – Hoferbe und Posthalter -

*06.02.1757

+12.01.1826

Paten: Quirinus Böhmer und Maria Elisabeth, vidua (= Witwe) Höynck

3.

Johann Peter Schulte

*03.01.1759

+06.05.1798

Paten: Johann Peter Borgman und Gertrud Emerling ex (= aus) Schliprüthen

Heiratete am 05.06.1788 die Anna Eva Christine Sümmern (Wwe des Caspar Theodor Hochstein) Niedersalwey

4.

Johann Friedrich Bernhard Schulte

*05.03.1761

+ vor 1787

Paten: Peter Niggehüser ex Kückelheim und Anna Maria Schulte ex Berghoff

5.

Maria Catharina Schulte

*30.05.1762

+12.08.1826

Paten: Johannes Möller und Maria Catharina Custodi, uxor (=Gattin) Bernhard Halman

6.

Maria Franziska Schulte

*02.05.1765

Paten: Johannes Starreberg ex Freienohl und Anna Maria Heercke ex Wallen

7.

Rochus Schulte

*05.02.1770

+ vor 1787

Paten: Johann Hermann Wiethoff und Elisabeth Kellerman sive (=oder) Stöffer

Foto um 1930 sw-koloriert: Dörfliches Leben auf der Pape-Straße. Im Hintergrund der Schulten-Hof.
Foto um 1930 sw-koloriert: Dörfliches Leben auf der Pape-Straße. Im Hintergrund der Schulten-Hof.

Im Schatzungsregister von 1764/65 ist zu lesen: „Schulte ein vollspan, gibt über 1 rt (= Reichstaler) schatzung, 0/24, dessen frau 0/12, ein knecht von vollen lohn 0/24, ein magd =/12, ein bruder, so ein schreiner schlechter condition 0/16“.

Johann Gottfried Schulte verstarb am 23.04.1775 an der Auszehrung („lenta tabe“). Seine Ehefrau, die verwitwete Anna Maria Schulte, geb. Borgmann, schloss am 11.06.1787 im Alter von 65 Jahren für immer ihre Augen. Sie litt an Brustfieber („pectoralis febri“). 

Nach dem Tod der Mutter verglichen sich die überlebenden Kinder. Ausgefertigt wurde ein Vertrag durch Philipp Wilhelm Enst, von 1756 bis 1788 Pastor in Eslohe und „notarius apostolicus“(10). 

Am 11. Oktober 1787 wurde der Vergleich unter den großjährigen Kindern Johannes (=2), Petrus (=3), Maria Catharina (=5) und Maria Francisca (=6) der verstorbenen Eheleute Gottfried Schulte und Anna Maria, geb. Borgman beurkundet, dessen Inhalt besagt:  

 

- Besitzer „bleibt“ der jetzt älteste Sohn Johann Quirinus Schulte. Dieser war bereits zum Zeitpunkt des Todes seines Vaters 18 Jahre alt und vermutlich bereits seitdem Besitzer des Hofes.     

- Die unverheiratete Schwester Maria Francisca erhält bei der Hochzeit eine vollständige Ausstattung („ausreydung“), eine Kuh und ein Rind, drei Schafe mit Lämmern und Hausgeschirr. 

- Der Bruder Peter erhält zur Hochzeit eine Kuh, ein Rind, drei Schafe mit Lämmern, 30 Reichstaler, sowie genügend Hausgerät. 

- Die Schwester Maria Catharina, Ehefrau Bockheim, ist ausgestattet; sie erhält jedoch wie die unverheirateten Geschwister 40 Reichstaler. Diese hatte am 14.02.1786 den Franz Anton Bockheim (*07.04.1754 +13.11.1820) aus Bockheim (Sohn des Franz Bockheim und Christina Vogt) geheiratet. Trauzeugen waren damals: Jacob Stiesberg und Jodokus Schulte ex Sterte (11). 

 

Unterzeichnet wurde die Urkunde von Johann Schulte, seinem jüngeren Bruder Peter Schulte und dem Schwager Franz Anton Bockheim, der für seine Ehefrau, die Maria Catharina, geb. Schulte, zeichnete. Außerdem soll Quirinus Böhmer, Taufpate des Hoferben Johannes, seine Unterschrift geleistet haben (12).  Schreibunkundig waren die Schwester Maria Franciska Schulte und ein Ferdinand Schulte gnt. Emmeske (NN) als Zeuge (13). 

Da von weiteren Kindern in diesem Vertrag nicht die Rede ist, muss davon ausgegangen werden, dass diese gestorben waren. 


Der Hoferbe Johann Quirinus Schulte

 

Im Alter von 24 Jahren ist Johann Quirinus Schulte am 29.05.1781 die Ehe mit der gleichaltrigen Anna Maria Elisabeth Göbbel gnt. Dömmecke eingegangen. Die Braut war in Bremke am 16.11.1756 geboren. Die Ehe der beiden dauerte kaum ein Jahr: Am 22.05.1782 starb die junge Frau an „lentatabe“, einem langsamen körperlichen Verfall. Vermutlich litt sie an Lungentuberkulose (Auszehrung). Die kurze Ehe blieb kinderlos. 

 

Später, am 28.11.1786, ein Jahr vor dem Tod seiner Mutter und vier Jahre nach dem Tod seiner geliebten Ehefrau, ging Johann Quirinus Schulte die Ehe mit Anna Maria Gertrud Bockheim ein. Gertrud war am 27.04.1760 in Bockheim geboren. Sie war die jüngere Schwester seines Schwagers Franz Anton Bockheim, der als ältester Sohn Erbe von Bockheims Hof war und Maria Catharina Schulte geheiratet hatte.

Der Schultenhof in Eslohe war somit durch beide Eheschließungen nicht nur verwandtschaftlich, mutmaßlich auch wirtschaftlich miteinander eng verbunden.  „Schulter an Schulter zu stehen“ war nach Ende des „Siebenjährigen Krieges“ (1756-1763) eine gute Voraussetzung, die Krisenzeit gemeinsam zu überwinden. 

 

Aus der Ehe von Johann Schulte und Gertrud Bockheim gingen sieben Kinder hervor: 

 

1.

Maria Catharina Schulte

1814 „dismissa“ nach Elspe entlassen: Sie heiratete 18.10.1814 den Bernhard Hanses, Ackersm. in Hespecke, Pfr. Elspe.

*29.11.1787

Paten: Ferdinand Emerling ex Schliprüthen und Maria Catharina Schulte „sive“ verh. Bockheim

 

Trauzeugen: Johannes Schulte, Bruder der Frau, und der Küster Franz Stöwer, Eslohe

2.

Jakob Franz Anton Schulte – Hoferbe -

*02.03.1789

+18.01.1844

Paten: Jakob Wilhelm Bette und Eva Christina Hochstein

3.

Henrietta Schulte

*03.04.1791

Paten: Johann Röttger Kracht und Anna Gertrud Stertschulte

4.

Caspar Philipp Schulte – Posthalter

*21.04.1793

+02.11.1846

Paten: Philipp Limberg ex Sieperting und Maria Elisabeth Böhmer „condicta“ Hoffmann

5.

Johann Franz Wilhelm Schulte

*08.04.1795

Paten: Franz Kracht „condictus“ Bockheim und Anna Maria Selman „condicta“ Stöwer

6.

Maria Brigitta Schulte

Heirat am 20.07.1823 mit Johann Hermann Steinhoff, Ackersm. in Theten, Pfr. Elspe

*01.06.1797

Paten: Christof Gabriel und Maria Catharina Schulte ex Wenholthausen

Trauzeugen waren ihr Vater Johann, Gastwirt und Bruder Franz Anton Schulte aus Eslohe

7.

Maria Theresia Schulte

*27.10.1799

Paten: Jakob Schulte und Maria Christina Schulte


Bessere Zeiten 1790:  Ein neues Haus mit Gasthof 

 

 

Der Siebenjährige Krieg hatte auch im Sauerland Zerstörung und wirtschaftliche Not hinterlassen. Zahlreiche Truppenbewegungen und Belagerungen, wie 1762 in Arnsberg, die Schlacht bei Bredelar 1761 oder das Gefecht bei Warstein, führten zu geplünderten Höfen, Vernichtung der Ernten und Rückgang der Viehbestände. Auch in Eslohe fanden am „14ten 7bris anno 1762“ (14.09.1762) Plünderungen statt. Im Pastorat wurden „Gelder, die im Kapellenbeutel vorrätig waren“ nebst anderen Geldern und Effekten von einfallenden Soldaten geraubt (14).

Aufkommende Krankheiten hatten zur Dezimierung der Bevölkerung geführt. Es fehlte an Arbeitskräften auf den Höfen, die den Aufbau der mühsamen Feldarbeit im bergischen Sauerland erschwerte. 

Nach Beendigung dieses Krieges, nach Abschluss des Friedensvertrags von Hubertusburg, verbesserten sich nur allmählich die Lebensbedingungen der Menschen. Mit Verstärkung des Handels kam bescheidener Wohlstand auf (15). 

Eine Inschrift am Wohnhaus der Familie Schulte, das zum historischen Ensemble des Ortsmittelpunktes von Eslohe zählt, bezeugt: 

 

 IM JAHR CHRISTI 1790 DEN 13 TEN JUNI HABEN WIR EHELEUTE JOANNES QUIRINUS SCHULTE UND ANNA MARIA

GEB. BOCKHEIM DIESES HAUS AUFBAUEN LASSEN – 

ALLES ZUR HÖCHSTEN EHR UND GLORIE GOTTES. AMEN

 

 

 

Die Eheleute hatten die für sie günstigen Verhältnisse dazu genutzt, ein neues Wohnhaus auf ihrer Hofstelle errichten zu lassen. Das Haus war ausreichend bemessen und nicht nur Wohnplatz für die Familie. Seine Lage gegenüber der Pfarrkirche war günstig und dazu geeignet, im Haus auch Fremde zu bewirten. Nach den sonntäglichen Messfeiern fanden sich die Kirchgänger aus dem Kirchspiel hier zum Austausch von Neuigkeiten ein.

 

Die Eheleute Schulte nannten es das „Gasthaus zum goldenen Pflug“. Es deutet die Verbindung zur bäuerlichen Bodenständigkeit, aber auch Wohlstand an. Ein goldener Pflug ist Symbol für Erfolg durch harte landwirtschaftliche Arbeit. 

 

So oder ähnlich könnte der Aussteller gewesen sein, der mit seiner Symbolik auch die des Lesens Unkundigen ins Wirtshaus locken sollte. 

 


Die Posthalterei in Eslohe: Werdegang und Abgesang

Johann Schulte findet eine Marktnische 

 

Das Postwesen war im kurkölnischen Herzogtum Westfalen wenig ausgebildet. Bis zum Ende der kurkölnischen Zeit gibt es kaum einen Fortschritt im Postwesen in unserer Gegend. Arnsberg besaß allein als alte Landeshauptstadt eine Verbindung nach Werl. Dort verlief die Kaiserliche Postlinie der Fürsten von Thurn und Taxis zwischen Unna und Paderborn. Einige Städte im Sauerland ließen ihre Postsachen durch ständige Boten von und nach Arnsberg besorgen. Doch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war das Amt Eslohe regelrecht von allen Verkehrswegen abgeschnitten. Das änderte sich erst nach Fertigstellung der Minden-Koblenzer Heeresstraße: 

Postreiter von Thurn und Taxis (Themabezogen KI generiert)
Postreiter von Thurn und Taxis (Themabezogen KI generiert)

Im Zuge der Säkularisation gelangte das Herzogtum Westfalen, das zuvor über Jahrhunderte den Kurfürsten von Köln unterstand, 1802 an den Landgrafen Ludwig X. von Hessen-Darmstadt. Während dessen Herrschaft wurde mit dem Ausbau der Heeresstraße begonnen. Erst nach 1816, als durch Beschluss des Wiener Kongress die Herrschaftsgewalt an Preußen abgetreten war, wurde die Strecke zwischen den beiden Garnisonsstädten endgültig fertiggestellt. Die Eröffnung der „Minden-Koblenzer Chaussee“ erfolgte zu Beginn des Jahres 1828.  

 

Eine regelmäßige Beförderung der Briefpost von Arnsberg nach Eslohe und umgekehrt war erschwert und mehr dem Zufall überlassen. Damals war es noch eine geringe Menge an Post, da ein großer Teil der Bevölkerung des Lesens und Schreibens nicht mächtig war. Dennoch wurde es als ein Mangel empfunden und veranlasste den Johann Schulte zum Handeln:

Treuhänderisch nahm er die örtliche Briefpost in Empfang und ließ sie mittels Boten über bekannte uralte Pfade und Steige zu Fuß oder beritten nach und von Arnsberg befördern. 

 

 

Erst später erreichte Eslohe täglich ein Postreiter beim Kurierritt auf der Strecke von Arnsberg nach Bilstein und Olpe. Dessen Wegstrecke soll über den Gebirgszug der Homert, dem sog. „Grevensteiner Apothekerpfad“ gegangen sein. An der St. Isidor- Kapelle in Niedereslohe vorbei, gelangte der Kurier über die Kupferstraße zum Gasthaus des Johann Schulte. Dort stärkte sich dieser mit einem Pinneken Kornbrand, bevor er ein Bündel Briefe an sich nahm, den Sattel seines Pferdes bestieg und seinen Kurierdienst fortsetzte. Noch aber war der Schultenhof keine amtliche Poststelle, was sich jedoch ändern sollte.   

Ein Brief von höchster Stelle 

 

Eine Depesche, die Johann Schulte eines guten Tages in seinen Händen hielt, war für ihn sehr bedeutend und hatte einen hoheitlichen Absender: Es war Ludwig der Erste, der als erster Großherzog von Hessen von 1806 bis zu seinem Tode 1830 regierte. Zuvor als Landgraf Ludwig X von Hessen-Darmstadt genannt, wurde dieser 1806 durch Napoleon zum Großherzog erhoben. Er gilt als Begründer des Großherzogtums Hessen. Unter ihm verschwanden viele ständische Sonderrechte und er leitete den Übergang zum modernen Fürstenstaat ein. Dazu gehörte eine Großherzogliche Armee (Hess.-Darmstädter Armee), die militärisch als Teil des staatlichen Militärsystems organisiert war. Auch die Verstaatlichung des Post- und Nachrichtenwesens hatte strategische Bedeutung, gerade in Kriegszeiten. Die Postmeister wurden Beamte und waren nicht mehr wie zuvor Erbamtsträger. Alle privaten oder erblichen Postrechte, wie die der von Thun und Taxis, wurden aufgehoben oder in die staatliche Besoldung geführt. 

Am 20. Juli 1809 wurde in Darmstadt „von höchster Stelle“ eine Urkunde unterzeichnet, in der Johann Schulte die für ihn erfreuliche Mitteilung erhielt, dass sich der Großherzog „bewogen gefunden“ habe, ihn für die neu errichtete Postverwalter-Stelle zu Eslohe als Postverwalter zu verpflichten. Das Ganze hatte der Erblandpostmeister Fürst von Thurn und Taxis in Vorschlag gebracht. Das Dekret wurde daselbst von „Ludewig von Gottes Gnaden“ und Friedrich August von Lichtenberg (1755-1819), dessen Familie in den erblichen Freiherrenstand erhoben war, mit Siegelung unterzeichnet. Letzterer hatte in dieser Zeit eine Schlüsselrolle bei der Regierungsführung und Modernisierung des Großherzogtums Hessen, in der alte Ämter durch staatliche Institutionen ersetzt wurden (Urk.01)

 

Der Erblandpostmeister Karl Alexander Fürst von Thurn und Taxis bestätigte am 18.10.1809 seinerseits die Ernennung des Johann Schulte als Postverwalter in Eslohe (Urk.02). Sie verpflichtet ihn, die Obliegenheiten des ihm anvertrauten Postdienstes getreu zu verwalten und es wird ihm angekündigt, dass ihm weitere Instruktionen zugehen werden. Solange er seinen Dienst versehe, so wurde ihm versichert, werde er eine angemessene Besoldung erhalten. 

Nach wenigen Tagen, am 26. Oktober, wurde dem neu ernannten Postverwalter das Hochfürstliche Dekret ausgehändigt, wofür er 15 Florin, damals kein geringer Betrag, bar zahlen musste (Urk.03) 

 

Damit war es aber nicht getan: Von Darmstadt ging am 15. November 1809 ein Schreiben an den Geheimen Rath Arendts und der Postverwalter Niedermeier zu Arnsberg erhielt ein Schreiben, dass die Generaldirektion der Groß-Hessischen Posten vom Postverwalter Schulte zu Eslohe eine Kaution von 500 Florin „in liegenden Gütern“ zu fordern sei. Ein Drittel seiner Porto-Einnahmen wurde ihm dagegen bewilligt (Urk.04). Am 30.11.1809 erhielt Johann Schulte die schriftliche Einladung (Urk.05) zur Ablegung seines Amtseids am 7. Dezember 1809 in Arnsberg (Eidesformel Urk.06). Die Poststelle in Eslohe war dem Kaiserlichen Reichs-Postamt in Arnsberg unterstellt. 


Die Söhne treten in des Vaters Fußstapfen und auch die Regierung wechselt (1812-1816)

 

Schon drei Jahre später, am 24.11.1812, wurde aufgrund Ersuchen von Johann Schulte, „welcher sich in Ruhe setzen wünscht“ zugesichert, dass sein 19jähriger Sohn Caspar als Postverwalter in Eslohe und damit zu seinem Nachfolger wird (Urk.07). Vermutlich hatte eine schwache Gesundheit des Vaters mit dieser Entscheidung zu tun. Doch erst am 22.06.1813 wurde der erst 20jährige Caspar Schulte in sein Amt eingesetzt. Es waren wieder einmal unruhige und kriegerische Zeiten. Obwohl Napoleon im September 1812 mit seinem Heer Moskau erreicht hatte, zwangen ihn der Brand der Stadt und der ausbleibende Friedensschluss des Zaren zu einem verlustreichen Rückzug im russischen Winter. Letzte Reste der französischen Armee verließen Mitte Dezember 1812 russischen Boden. Ihr Weg führte auch durch das Sauerland bis hinter den Rhein.  

Der Schultenhof in Eslohe (Foto um 1960).
Der Schultenhof in Eslohe (Foto um 1960).

Am 24. April 1813 durchquerten das Dorf Eslohe 130 Pferde des Königs von Westfalen (Jerome Bonaparte, der jüngste Bruder Napoleons) nebst zwei achtspännigen Wagen in westlicher Richtung, verfolgt von Preußen und Russen (16). Am 28. Oktober 1813 kam der „Noch-König“ über Brilon nach Meschede, wo er mit 1000 Reitern und 2000 Infanteristen die Nacht verbrachte. Tage danach, am 7. November, rückten russische Soldanten in Schmallenberg ein und zogen endlich nach ein paar Tagen in Richtung Frankreich weiter. Sie hatten hier keine militärische Disziplin gezeigt. Am 6. und 7. Februar 1914 wurden alle Männer im Alter von 17 bis 60 Jahre aus dem Amt Fredeburg nach Fredeburg beordert. Sie mussten sich „unter das Maß stellen“. Am 21.2.1814 zogen weitere 3000 russische Soldaten durch das Amt Fredeburg, während ein Drittel hier und in Schmallenberg verblieben, die anderen weiter ins Amt Bilstein weiterzogen. Das Jahr 1814 war geprägt von kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Franzosen, sodass am 10.10.1814 das Landwehr-Bataillon Eslohe im Auftrag von General von Schäffers (17) für den Einsatz gemustert wurde. In diesen Jahren wurden von der Bevölkerung hohe Steuern erhoben um die Kriegskasse zu füllen. Die Zeit der französischen und die damit verbundene hessisch-darmstädtische Herrschaft endete mit der preußischen Gebietsübernahme. 

 

Es bestanden in Hessen-Darmstadt und auch in seiner neuen Provinz Westfalen Posteinrichtungen von Thurn und Taxis neben denen der Landesbriefpost und das schaffte Konfusion, das Fehlen einer klaren Struktur. Das änderte sich jedoch nach dem 1. Juli 1816, der preußischen Übernahme der Regierungsgeschäfte im Herzogtum Westfalen. Jetzt wurde Caspar Schulte dem Königlich-Preußischen-General-Postamt in Arnsberg als Postverwalter unterstellt. Anders wie zur Hessischer Zeit, in der er als Postverwalter an den Portoeinnahmen beteiligt war, erhielt er nun eine Besoldung. Seit dem 1. Juli 1816 bezog Caspar Schulte ein festes Gehalt von 30 Thalern jährlich und eine Zulage von 42 Thaler jährlich. Im Schreiben vom 28.09.1816 wird Caspar Schulte von seinen Pflichten als Staatsdiener des Großherzogs Ludewig von Hessen „unbeschadet jedoch der noch gegen das Hochfürstliche Postaerar aus seinen bis zur Übergabe an die Krone Preußen gewährenden Dienst-Functionen bestehende Rechnungs- und Kaßen-Verbindlichkeiten“ entbunden. 

 

 

Noch bis 1817 brachte ein Fußbote oder Postreiter die Briefpost zwischen Arnsberg und Bilstein. Aus einem preußischen Etat-Entwurf von 1817: „Die Post-Expeditionen zu Eslohe, Stadtberge und Winterberg haben nur einen Fußboten Post zu expedieren (loszuschicken), die Oerter (Orte) selbst sind durchaus von keiner Bedeutung.“ Eine Anweisung erging, dass vom 1. Mai 1817 an die Post jeweils Mittwoch und Sonntag zur Briloner reitenden Post über Meschede besorgt werden musste. (18).  

Johann Schulte springt für seinen Sohn „in die Bresche“

 

Im Februar 1818 war dem Königlichen Postamt in Arnsberg aufgefallen, dass Caspar Schulte noch keine Kaution gestellt hatte. So erschien am 24.11.1818 der Vater Johann Schulte im Esloher Gericht, um zur Sicherheit der Postkasse 300 Thaler als Kaution von Amtswegen eintragen zu lassen. Das wurde im Hypothekenbuch aufgenommen und ein „Dokumentum“ ausgefertigt (Urk.08). Auch attestierte der Amtsschreiber Schmitz, dass von einer weiteren Hypothek auf besagten Grundstücken nichts bekannt sei und Johann Schulte auf jeden Fall hinlänglich angesehen sei. Er ließ eintragen: „ 1. eine Erbwiese in der Marpe zu sechs Karen Heuwachs groß, stoßt an Schultheiß Papen und Willecken Wiese in der Salvei,  2. noch eine Wiese daselbst zu sieben Karen Heuwachs groß an Voß Wiese zu Kükelheim und Hallmanns Wiese, dahier stoßend, welche beide Wiesen über dreihundert Thaler Berliner Courant werth wären.“ 

Es zeigt, dass die genannten Wiesen zu diesem Zeitpunkt noch Eigentum des Vaters Johann Schulte waren. Sie sollten erst nach seinem Ableben auf Caspar Schulte, seinem Sohn, übergehen. 

 

Johann Schulte schloss am 12. Januar 1826 im Alter von 54 Jahren für immer seine Augen.  Die Eintragung im Sterbebuch besagt, dass er am „Gallfieber“ verstarb. „Er wurde zur Erde bestattet in Gegenwart des Sohnes Franz Anton Schulte, Bauersmann dahier und des Küsters Clemens Tillmann dahier…“, schrieb Pfarrer Joseph Cramer ins Protokoll. Er ließ seine Ehefrau Anna Gertrud Schulte, geb. Bockheim, für lange Zeit als Witwe zurück, denn ihr war ein hohes Alter beschieden: Am 8.11.1845 starb sie 85jährig an Altersschwäche. 

 

Der ältere Sohn Franz Anton Schulte übernahm nach des Vaters Tod den elterlichen Hof und den „Gasthof zum goldenen Pflug“. 1833 wird er als Posthalter und Gastwirt genannt (19). Noch hielt er auf seinem Hof gesunde, kräftige Pferde und intakte Kutschen für den Postdienst bereit. Doch bald ging die Posthalterei auf seinen jüngeren Bruder, dem Postverwalter Caspar Schulte über, der eigene Wege ging und Neues wagte. 

 


Der Standort ließ Gutes verheißen

 

Im Bestallungsbrief vom 24.11.1824 zum Posthalter wurde Caspar Schulte auferlegt, dass ihm zusätzlich die Stelle als Postverwalter nur genehmigt werde, wenn er einen Poststall einrichten würde. Das zwang ihn zu einer Entscheidung, die er bald in die Tat umsetzten würde. 

 

Im Jahre 1827 ließ Caspar Schulte an der bereits im Ortsbereich Eslohe fertiggestellten Koblenz-Mindener-Chaussee ein für dörfliche Verhältnisse großes Haus errichten. Es sollte seine Wohnstätte werden und er beabsichtigte darin die Eröffnung des „Gasthof zur Post“ mit Diensträumen für das Postgeschäft. Gleichzeitig errichtete Caspar Schulte den geforderten Poststall. Haus- und Hofraum waren durch Erbpacht von der Kirche erworben. Die Lage war vorteilhaft für seine Pläne, die von Zuversicht getragen und in die Zukunft gerichtet waren.

Am 1. Juli 1833 wurde Caspar Schulte zum Post-Expediteur in Eslohe befördert und erhielt eine jährliche Besoldung von 77 Thalern (Bestallung Urk.09). Er wird auch als „Steuerempfänger“ genannt, nahm als staatlicher Beamter direkt Steuern ein und verwaltete diese. Zu ihren Glanzzeiten unterhielt die Posthalterei in Eslohe sechs Postillione, einen Reservepostillion und 20 Dienstpferde.

 

Bildausschnitt mit KI optimiert: Eslohe im Jahre 1905, rechts die Pfarrkirche St. Peter und Paul mit Pfarrhaus und Vikarie. Links im Bild: der Gasthof zur Post, dahinter Ökonomiegebäude für die Posthalterei (Pferdeställe, Wagenschuppen und Scheune)
Bildausschnitt mit KI optimiert: Eslohe im Jahre 1905, rechts die Pfarrkirche St. Peter und Paul mit Pfarrhaus und Vikarie. Links im Bild: der Gasthof zur Post, dahinter Ökonomiegebäude für die Posthalterei (Pferdeställe, Wagenschuppen und Scheune)

Von der Karriol-Post zur rüttelfreien Postkutsche

Foto um 1950: Der Gasthof zur Post wurde 1827 von Caspar Schulte erbaut. Im Erdgeschoss befanden sich bis 1889 die Diensträume der Post, dabei eine „Passagierstube“ für den Aufenthalt der Fahrgäste
Foto um 1950: Der Gasthof zur Post wurde 1827 von Caspar Schulte erbaut. Im Erdgeschoss befanden sich bis 1889 die Diensträume der Post, dabei eine „Passagierstube“ für den Aufenthalt der Fahrgäste

Nachdem die Minden-Koblenzer-Chaussee eröffnet war, beförderte eine zweispännige Fahrpost (Karriol) zwischen Arnsberg nach Olpe über Meschede und Eslohe (20) neben Briefe auch Pakete, Gelder und Fahrgäste. Für diese erwies sich die Fahrt beschwerlich, da sie auf einem offenen Wagen, der Witterung ausgesetzt, Platz nehmen mussten.

 

Anfang Dezember 1831 wurde ein bequemer, auf Druckfedern ruhender Wagen zu vier Personen eingeführt und eine „Passagierstube“ im Gasthof eingerichtet, wofür Caspar Schulte erst nach zähem Ringen ab 1.9.1840 eine jährliche Vergütung von 24 Thalern bewilligt wurde. Nach einer Revision seiner Post-Expedition hatte ein prüfender Postsekretär Mängel an der Beleuchtung des Hauses festgestellt. Diesen Übelstand hatte Caspar durch Anbringung einer Laterne am Oberlicht der Hausflurtür beseitigt, bat aber, da diese Laterne viel Öl verbrauchte, um eine gewisse Ölvergütung. Diese wurde ihm ab 1.1.1843 in Höhe von jährlich 12 Thaler vom vorgesetzten Postamt in Arnsberg bewilligt, das vom 1. Januar 1850 an zu einer Oberpostdirektion aufstieg. 


Das Familienglück stand unter keinem guten Stern 

 

Spät fand Caspar Schulte sein „häusliches Glück“ (latein: Felicitas domestica), denn erst im Alter von fast 47 Jahren ging er am 25.02.1840 eine Ehe ein. Die Braut Maria Franziska Peitz war 26 Jahre jünger wie Caspar; am 16.02.1819 in Eslohe geboren. Der Bräutigam zeigte sich pragmatisch und heiratete standesgemäß: Die Braut war die Tochter der Nachbarn Anton Peitz gnt. Wulf, Gastwirt und Ackersmann, und dessen Ehefrau Christina, geb. Stöwer. Seine junge Frau war also vom Fach. Pfarrer Joseph Cramer, der die Trauung vornahm, schrieb in das Copulationsbuch hinein: „Die noch lebende Mutter (gemeint ist die Witwe Gertrud Schulte, geb. Bockheim) hat bei mir mündlich eingewilligt.“ Sie hatte zur Ehe ihres Sohnes ihren Segen gegeben, so wie auch die Brauteltern ihrer Tochter. 

 

Vier Kinder wurden geboren, doch nur drei hatten ihren Vater erleben können:  

 

1.

Joseph Schulte

*31.12.1840

+21.01.1928

 

Anerbe nach Testament des verst. Vaters, Gastwirt und Posthalter

2.

Maria Mathilde Schulte

*25.09.1842

Sie heiratete am 12.09.1872 den Lorenz Bürger (geb. 1836, Eltern: Ackersmann Joseph Bürger und Gertrud, geb. Kotthoff aus Olsberg) Trauzeugen: Anton Hochstein aus Bremscheid und Maria Anna Peitz aus Eslohe)

3.

Ferdinand Friedrich Schulte

*13.12.1844

+17.08.1870

 

4.

Caspar Schulte jun.

*06.01.1847

+ Juli 1870

 

Für die Familie verliefen die kommenden Jahre schicksalshaft: Caspars älterer Bruder und Hofbesitzer Franz Anton Schulte war am 18.01.1844 auf dem Schultenhof unerwartet im Alter von 54 Jahren an „Schleimfieber“ (vermutlich Typhus oder Lungentuberkulose) verstorben und hatte seine Ehefrau Elisabeth, geb. Reintke aus Niedereslohe, mit sechs „minorennen“ (unmündigen) Kindern zurückgelassen. Ein großes Unglück für die ganze Familie und auch eine Belastung für Caspar Schulte als Bruder und Schwager. Hand in Hand hatten sich die Brüder unterstützt und ein guter Ratschlag war untereinander gefragt und Gelegenheiten wurden genutzt, gute Geschäfte zu machen. So konnten sie ein Angebot nicht abschlagen und kauften gemeinsam Land vom „Wrede’schen Gute zu Bremscheid“ (21). 

 

Dann kam der Tag, der 2. November 1846, an dem das Schicksal gnadenlos zuschlug:

Caspar Schulte erlitt einen Schlaganfall („Schlagfluß“). Noch am Abend, acht Uhr, eilte Oberlandesgerichts-Assessor Humperdinck herbei. Dieser fand den Todgeweihten in der „hinteren Stube seiner Behausung“ vor. Die zuvor vorbereitete und verfasste letztwillige Verfügung „wurde vom Testator Wort für Wort langsam vorgelesen“. Caspar Schulte unterzeichnete das vorgelegte Schriftstück, sein Testament (Urk.10)

Um 10 Uhr, so stehts im Sterbebuch, fand sein Leben ein Ende.  Drei Tage danach wurde sein Leichnam zu Grabe getragen. Wie sein Vater und zuvor sein Bruder wurde Caspar Schulte nur 53 Jahre alt. Er hinterließ seine hochschwangere Ehefrau mit drei minderjährigen Kindern. Das jüngste Kind kam am 6.01.1847 auf die Welt. Den kleinen Jungen ließ die Familie auf den Namen des Verstorbenen taufen: Caspar (der Junior). 

 


Die Zeit blieb nicht stehen

 

Caspar Schultes wohl überlegtes Testament setzte seine verwitwete Ehefrau Franziska in die Lage, über das von ihm hinterlassene, nicht unbeträchtliche Vermögen im Sinne der Hinterbliebenen durch umfassenden Nießbrauch frei zu entscheiden. Auch hatte er alle Eventualitäten bedacht. Dabei war ihm wohl bewusst, dass sie, im jungen Alter von 27 Jahren, in eine neue Ehe schreiten könnte. Sollte sie jedoch im Witwenstande bleiben, hatte der mögliche Anerbe - es wurde sein ältester Sohn Joseph - im vollen Umfang zu Lebzeiten für die Mutter Sorge zu tragen. 

 

Nach Caspars Tode wurde das vakante Amt des Post-Expediteurs in Eslohe mit dem Postgehilfen Rath aus Niedersalwey neu besetzt. Es folgten im Laufe der Zeit mehrere Postverwalter, die ihren Dienstsitz im Erdgeschoss des Gasthofs zur Post einnahmen. Die Posthalterei war jetzt nicht mehr wie zuvor in „Personalunion“ mit dem Amt des Post-Expetiteurs bzw. Postverwalters verbunden. Sie verblieb aber forthin „bei Posthalters“, so nannte man damals in Eslohe die Familie Schulte. 

 

Die Witwe Franziska Schulte verheiratete sich neu

 

Am 10. Februar 1852, wenige Tage vor ihrem 33ten Geburtstag, ging die Witwe Franziska Schulte, geb. Peitz, eine zweite Ehe ein. Sie heiratete den Ferdinand Hengesbach (geb. Eslohe 30.04.1813, gest. 05.02.1889, Sohn des Ackersmann Christoph Hengesbach und Maria Agnes Schulte aus Eslohe). Aus dieser Ehe gingen noch weitere Kinder hervor:

 

 

1.

Maria Theresia Hengesbach

*06.12.1852

2.

Anna Theresia Hengesbach

*04.02.1855

+11.08.1875

3.

Emma Franziska Hengesbach

*25.11.1857

+21.10.1858

4.

Franz Carl Otto Hengesbach

*31.05.1860

Hotel zur Post in Eslohe um 1950: Die Minden-Koblenzer-Landstraße, heutige B55, war noch mit Kopfstein gepflastert.
Hotel zur Post in Eslohe um 1950: Die Minden-Koblenzer-Landstraße, heutige B55, war noch mit Kopfstein gepflastert.

Im Jahre 1859 wurde berichtet, dass die Posthalterei Eslohe von der Witwe Schulte geleitet wird. Sie erhielt 2960 Reichstaler für sonstige Ausgaben des Postfuhrwesens. Davon mussten 13 Pferde, ein Reservepferd und vier Postillione unterhalten werden. Das beweist, dass Franziska ihre Aufgabe darin sah, das Familiengut für ihre Kinder zu erhalten, indem sie die Geschäfte ihres verstorbenen ersten Ehemannes weiterführte. Sie sah sich als „Platzhalter“ bis ihr ältester Sohn Joseph Schulte als genannter Anerbe im Testament des Vaters übernehmen und verfügen konnte. Noch war es nicht soweit und die heranwachsenden Söhne mussten vorerst ihrer Militärpflicht genügen. 

 

Es waren 1859 wieder einmal unruhige Zeiten, die zu einer großflächigen Mobilmachung des Deutschen Bundes führte. Man befürchtete ein Übergreifen der Kämpfe zwischen Österreich und Sardinien im italienischen Unabhängigkeitskrieg. 

 

 

 

Franziska Hengesbach, verwitwete Schulte, geborene Peitz, verstarb am 04.07.1891 im Alter von 72 Jahren an einem Lungenleiden. Ihr Ehemann Ferdinand Hengesbach war ihr im Tode vorausgegangen: Er war am 05.02.1889 gestorben. 

 


Der Preußisch-Dänische Krieg 

 

 

Da in Preußen die Wehrpflicht für junge Männer regulär mit dem vollendeten 20. Lebensjahr begann, hat Joseph Schulte, geb. am 31.12.1840, ab 1861 als Rekrut (nach den Heeresreformen von 1860) drei Jahre aktiv im stehenden Heer gedient.

Angehörige des Regiments der Gardes du Corps im Koller mit Paradehelm. Gut zu sehen ist auch besondere Ringkragen dieser elitären Einheit. Zeitgenössische Fotokarte. Undatiert. Fotograf: Fr. Schüler/ Potsdam
Angehörige des Regiments der Gardes du Corps im Koller mit Paradehelm. Gut zu sehen ist auch besondere Ringkragen dieser elitären Einheit. Zeitgenössische Fotokarte. Undatiert. Fotograf: Fr. Schüler/ Potsdam

Am 1. Februar 1864 begann der Preußisch-Dänische Krieg. Da gehörte er bereits zur Reserve. Joseph gehörte dem Gardes du Corps von der 2. Kompanie des Königlichen Regiments an, die in Potsdam stationiert war. Es war ein Eliteregiment der Kürassiere in der preußischen Armee, zur Repräsentation und persönlichen Schutz des Monarchen. Im Kriegsfall jedoch diente das Regiment als operative Einheit der schweren Kavallerie (Eskadron). 

 

Anders als sein Vetter Caspar Schulte vom Schulten-Hof in Eslohe, der am 04.06.1835 geboren und somit fünf Jahre älter war, kam Joseph als Reservist nicht zum Einsatz. Für sein Regiment erfolgte 1864 keine Mobilmachung. Die dänischen Truppen waren den preußischen militärisch unterlegen, sodass im Sommer 1864 bereits der Sieg besiegelt war. Am 24.09.1864 erhielt Joseph Schulte sein Führungs-Attest und einen Urlaubspass auf unbestimmte Zeit. Er hatte sich „moralisch wie dienstlich gut geführt(Urk.11). Er konnte die Heimreise antreten und die ganz Aufmerksamkeit seinen Geschäften widmen. Im Jahre 1867 übernahm Joseph Schulte offiziell die Aufgaben des Posthalters in Eslohe. 

 

Die Brüder als „Einjährige“ beim Militär

Der jüngere Bruder Ferdinand Schulte (geb. 13.12.1844) hatte das Königliche Gymnasium Laurentianum in Arnsberg besucht und am 29.08.1865 dort das „Zeugnis der Reife“ erhalten. Am 11. November des Jahres immatrikulierte er an der Kgl. Preußischen theologischen und philosophischen Akademie zu Münster als Studierender der Philosophie für das erste Wintersemester 1865/66. Am 5. August 1867 erhielt Ferdinand nach vier Semester Studium sein Abgangszeugnis (Urk.12).    

 

Ferdinands schulischer Werdegang war ein besonderes Privileg, um als Freiwilliger ein Jahr beim preußischen Militär zu dienen. Es war der klassische Weg für eine Offizierslaufbahn und statt regulär drei Jahre aktiven Dienst verkürzte sich die Zeit auf nur ein Jahr. Ferdinand Schulte musste für seine Kosten, wie Uniform, Ausrüstung, Verpflegung und Unterkunft selbst aufkommen. Bildung, eine gute finanzielle Ausstattung und weitere Übungen nach dem Freiwilligenjahr waren eine gute Voraussetzung zum Leutnant der Reserve befördert zu werden. Diese genossen damals ein hohes soziales Prestige.

 

Auch der Jüngste, Caspar Schulte jr., hatte einen höheren Schulabschluss und das gleiche Ansinnen wie sein Bruder. 

Unbek. Gemälde: Kampfszene 1870 (C) Städt. Museum Halberstadt
Unbek. Gemälde: Kampfszene 1870 (C) Städt. Museum Halberstadt

Zusammen dienten sie als „Einjährige“ beim Niedersächsischen Fußartillerie-Regiment Nr. 10. Das war ein bedeutender Verband der preußischen Armee, u.a. mit Standort in Hannover und für Spezialausbildungen regelmäßig mit Präsenz in Berlin.

 

Dort befand sich im Juli 1870 Caspar Schulte jr. und wurde bei einer militärischen Übung in den Tod gerissen. Zur selben Zeit begann der Deutsch-Französische Krieg mit der Kriegserklärung Frankreichs an Preußen am 19. Juli 1870. Ferdinand musste mit seinem Regiment gegen den „Erzfeind“ Frankreich (22) marschieren.

Im August 1870 fanden die ersten größeren Kämpfe auf feindlichem Boden statt. Aufgrund seiner Lage an der Mosel war Pont-à-Mousson ein entscheidender Knotenpunkt für den Vormarsch der deutschen Truppen. Die Besetzung der Stadt am 12. August 1870 ermöglichte es, den Fluss zu überqueren und die französische Rheinarmee von ihrem Rückzugsweg nach Verdun und Paris abzuschneiden. Während der Schlachten diente die Stadt als riesiges Lazarett für tausende Verwundete, die vom nahegelegenen Schlachtfeld zurücktransportiert wurden. Bei den ersten Todesopfern auf deutscher Seite war Ferdinand Schulte: Er fiel am 17. August 1870 bei Pont-à-Mousson. Wie sein Bruder hatte er nach besseren Lebenschancen und nach einer angesehenen Position in der Gesellschaft gestrebt und fand nun in fremder Erde sein Grab.

 

 


Der Posthalter Joseph Schulte gründet eine Familie

 

Am 27.06.1878 ging der Posthalter Joseph Schulte mit Anna Maria Püttmann in den Stand der Ehe. Sie war geboren in Frielinghausen am 14.11.1853 als Tochter des Ackermanns Ferdinand Püttmann und Anna Maria, geb. Eickhoff.

 

Ihre Ehe war mit vielen Kindern gesegnet und brachte viel Leben ins Haus:

 

 

1.

Josef Ferdinand Eberhard Schulte

*25.05.1879

 

2.

Maria Alma Agnes Schulte

*19.07.1880

+10.04.1881

 

3.

Anna Franziska Emma Schulte

"Änne"

*11.05.1882

heiratete am 06.10.1908 den Lehrer Bernhard Gilberg (geb. 09.06.1880 in Balve, Eltern: Fabrikarbeiter Joh. Bernh. Gilberg und Maria, geb. Neuhaus)

4.

Otto Friedrich Engelbert Schulte

 

Gastwirt in Eslohe

*25.08.1884

+14.03.1922

heiratete die Bauerntochter Agnes Grobbel aus Obringhausen, Pfr. Wormbach, Otto starb an „Herzlähmung“ (plötzl. Herzstillstand) . Seine Frau war schwanger: Im April 1922 wurde eine Tochter geborene, später Frau Tröster in Wormbach

5.

Maria Agnes Martha Schulte

*18.05.1886

 

6.

Elisabeth Schulte

*26.11.1887

+01.12.1888

 

7.

Franz Bernhard Schulte

*06.09.1889

 

8.

Friedrich Wilhelm Eberhard Schulte

*19.05.1891

+28.09.1891

 

9.

Friedrich Wilhelm Bernhard Schulte

*25.05.1892

+05.03.1953

Dr. med., blieb ledig

10.

Maria Theresia Johanna Schulte

*24.02.1894

+04.10.1959

blieb ledig

11.

Paul Theodor Schulte

*28.06.1896

Gastwirt in Eslohe

12.

Josepha Agatha Elfriede, Maria Schulte

*16.03.1901

+17.01.1967

blieb ledig

Zahnärztin in Hamburg

Lehrer Bernhard Gilberg mit Ehefrau Änne. Er war Gegner des Nationalsozialismus und wurde 1933 nach Dorlar "zwangsversetzt". 


Foto um 1900: Familie Posthalter Joseph Schulte mit Ehefrau Anna Maria und den Kindern. Die jüngste Tochter war noch nicht geboren.
Foto um 1900: Familie Posthalter Joseph Schulte mit Ehefrau Anna Maria und den Kindern. Die jüngste Tochter war noch nicht geboren.

Infolge einer Operation im Spital in Unna verstarb die Mutter Anna Maria Schulte, geb. Püttmann, am 01.06.1905 im Alter von 51 Jahren und ließ ihren Ehemann als Witwer mit neun Kindern zurück. 


Ein neues Dienstgebäude für die Post

 

 

Im ersten Adressbuch des Kreises Meschede von 1883 ist unter den Kaiserlichen Postämtern auch das Postamt zu Eslohe aufgeführt. Es war ein Postamt III. Klasse. Als Postverwalter wurde Gerbracht genannt, der seinen Postdienst in Eslohe in den Jahren 1877 bis 1904 ausübte. Als Posthalter wurde Joseph Schulte erwähnt (23). 

Das neue Dienstgebäude der Post vor der Erweiterung im Jahre 1914. Die Postkutsche konnte noch um das Haus herumfahren.
Das neue Dienstgebäude der Post vor der Erweiterung im Jahre 1914. Die Postkutsche konnte noch um das Haus herumfahren.

Bis 1889 befanden sich die Diensträume des Esloher Postamtes im Erdgeschoss vom Hotel zur Post. Mit wachsendem Brief- und Paketaufkommen reichten diese Räumlichkeiten nicht mehr aus. Ein eigenes Dienstgebäude der Post mit Schalterdienst, Verwaltung und Wohnung für den Postverwalter wurde nötig. Joseph Schulte ließ sich als Pferdewirt der Post auch jetzt nicht „die Zügel aus der Hand nehmen“ und einigte sich mit dem Generalpostamt. Auf eigene Kosten würde er ein neues Postamt in Eslohe bauen lassen und es für den gedachten Zweck mietweise zur Verfügung stellen. Auf der Straßenseite gegenüber dem Gasthof zur Post war ein geeignetes Baugrundstück, welches Joseph Schulte vom Pastorat für 33 Mark pro Rute erwarb.

 

Am 1. Oktober 1889 konnte das neue Dienstgebäude in Eslohe in Betrieb genommen werden. Postverwalter Gerbracht, der wie sein Vorgänger Bürger (von 1861 bis 1877) die sog. „Passagierstube“ von Joseph Schulte gepachtet hatte, zog nun in seine neue Dienstwohnung. Auch bestand nun Anschluss an das Telegraphennetz und Fernsprechstelle. Die Oberpostdirektion zahlte an Joseph Schulte einen jährlichen Mietzins von 650 Mark, der zunächst für zehn Jahre galt. Bereits im Jahre 1914 – vor Beginn des ersten Weltkrieges – wurde das „Kaiserliche Postamt“ baulich bis heran an die Schankwirtschaft Jung (ab 1901 Eigentum von Johann Joseph Keggenhoff, Schankwirt und Bäcker, gebürtig aus Linnepe) erweitert. Erst 1937 erfolgte ein weiterer Umbau des Postamtes. Die bisherige, düster wirkende Schalteranlage wurde durch eine „moderne“ aus zwei Boxen bestehende, bankmäßige Anlage ersetzt. Alles wurde in hellen, lichten Farben gestrichen und wirkte „wohltuend auf Personal und Publikum“(24). Ziemlich genau ein Jahrhundert nach ihrer Erbauung wurde im März 1987 „über Nacht“ die unter Denkmalschutz gestellte „alte Post“ zum Opfer eines Abrissbaggers. Ein neues Dienstgebäude der Deutschen Post, in dem die Bediensteten den Ofen nicht mehr selbst „stochern“ mussten, war am 25. Oktober 1982 längst eröffnet worden (25).

 

Eslohe im Jahre 1909, hinter dem Postamt, vlnr: Posthalter Joseph Schulte, Landbriefträger Krämer, ein Postgehilfe, Postillon Franz Altbrod aus Landenbeck, NN, ein Postillon NN, Landbriefträger Wilhelm Brand, Landbriefträger Peter Schulte, NN. Auf dem Kutschbock rechts Leitungsaufseher Wiegelmann, die anderen unbekannt. (Bild und Text aus EF II, Seite 314) SW-Foto optimiert und koloriert



Eine Zeitenwende

 

Der Januar 1911 war für das Amt Eslohe historisch. Am Samstag, 14.01.1911, fanden sich viele Esloher Bürger auf dem neu erbauten Esloher Bahnhof ein. Die Bahnstrecke von Finnentrop nach Wennemen sollte eröffnet werden. Pfarrer Dornseiffer schrieb in sein Tagebuch: „Eslohe ist wie ausgestorben. Für Geld ist kein Mensch auf der Straße zu sehen“(26). Geflaggt hatte man am Amtshaus, an der Post, der Winterschule und am Krankenhaus. Eine neue Ära war angebrochen und wurde freudig angenommen. 

 

Schon am folgenden Tag fuhr die letzte Postkutsche von Meschede über Eslohe in Richtung Grevenbrück und machte Halt an den Stationen. Hier wurde der Postillion von vielen Menschen begleitet und zum letzten Mal empfangen. Dieses Ereignis wurde mit Wehmut begangen. Vorbei war die Zeit der Postillione auf dem Kutschbock mit ihrem schwarz lackierten Hüten und Federbusch, in ihren dunkelblauen Jacken, Ärmelaufschläge, lederne Beinkleider und hohen Stiefeln. Keiner vernahm mehr ihr Blasen auf den Diensthörnern. Ihr Klang war verstummt. Auch in der Ausgabe der Mescheder Zeitung vom 13. Januar 1911 wurde bedauernd kommentiert: „Wieder ist mit diesem Eingang ein Idyll von der Landstraße verschwunden. Wo in den lieblichen Tälern unseres Sauerlandes das Posthorn des Schwagers erklang, dröhnt jetzt an den Abhängen der Berge das Rollen des vom fauchenden Dampfross gezogenen, dahineilenden Zuges – ein Fortschritt im Zeichen des Verkehrs.“  

 

links: Abfahrt vor dem Kaiserlichen Postamt in Meschede, welches ab 1889 in diesem schmucken Gebäude in der Steinstraße eingerichtet war; ein für die Zeit der Jahrhundertwende typisches Gebäude. Repräsentativ und architektonisch passte es in das damalige Stadtbild der Kreisstadt. Hier gingen 1921 die letzten Postkutschen, geschmückt und bekränzt für die letzte Fahrt. 

Mitte: Ein letzter Halt der Postkutsche im Januar 1911 auf der Strecke von Eslohe nach Grevenbrück an den Haltestellen, hier in Isingheim vor dem Gasthof zur Linde, Inhaber: Bruder (später: Stratmann)

rechts: Im Januar 1911 wird vor der Postagentur am Gasthof zur Post, Inhaber: Vogelheim in Cobbenrode die letzte Postkutsche verabschiedet. Im Hintergrund die mit vier Pferden bespannte Postkutsche, der Postillon hat das Posthorn erhoben. Mit dem Schlitten ist Amtmann Heinrich Groneck angereist, neben ihm seine Ehefrau, gekleidet mit einem weißen Schal. Rechts in Uniform: Polizei-Sergeant Josef Ramrath. (EF II Seite 317)


Vom Posthalter zum Bahnspediteur

Für den Posthalter Schulte, nun bereits im 70ten Lebensjahr, war diese Entwicklung vorhersehbar: Bereits mit Ankündigung, dass eine Bahnstrecke von Finnentrop nach Wennemen in Planung war, musste ihm bewusst geworden sein, dass danach die Zeit der Postkutschen in Eslohe Geschichte war und seine Posthalterei ihre Arbeit verlieren würde. Immer schon, nach der Eröffnung der Ruhr-Sieg-Strecke im August 1861 und der Oberen Ruhrtalbahn im Dezember 1871, war die Beförderung von Postgut auf die Bahn verlagert worden. Nun konnte es nicht anders sein. Doch der geschäftssinnige Posthalter hatte vorgesorgt und Kontakte geknüpft. 

 

Seine Bemühungen waren erfolgreich, was schon bald jeder in der Ausgabe der Mescheder Zeitung vom 23. Januar 1911 lesen konnte: Das Königliche Eisenbahnverkehrsamt mit Sitz in Altena gab bekannt, dass dem Posthalter Herrn Josef Schulte zu Eslohe ab sofort das bahnamtliche An- und Abrollen der Stückgüter auf Bahnhof Eslohe von und nach den Ortschaften Eslohe, Niedereslohe, Nieder- und Obersalwey, Oberbremscheid, Isingheim, Bockheim und Cobbenrode übertragen wurde.  

 

 

Im September 1911 trug Pfarrer Dornseiffer in sein Tagebuch ein: „… Metzger W. Schulte hat von Posthalter Schulte dessen Garten gekauft zur Anlage einer Schlächterei: pro Rute 140 Mark. – Ein solcher Preis ist in Eslohe noch nicht gezahlt worden…“ 

 

Eslohe profitiert vom Bahnanschluss

 

 

Im Mai 1911 konnte der „Gasthof zur Post“ in Eslohe seine Einkommensquelle erweitern. Bisher fanden die jährlichen Musterungen, auch Aushebung genannt, für die Ämter Eslohe und Serkenrode im „Gasthof zur Post“ der Familie Vogelheim in Cobbenrode statt. Jetzt aber, bis zum Ende des Wilhelminischen Kaiserreichs, wurden die Musterungen der Militärpflichtigen im Lokal des Posthalters Schulte abgehalten. Eslohe war wegen Bahnanschluss günstiger gelegen, wovon Joseph Schulte nun profitierte.  

 

Erstmals mussten die jungen Männer am 23. Mai 1911, einem Dienstag, eine Stunde vor Beginn der Musterung, die morgens um 10 Uhr angesetzt war, erscheinen. Bekanntmachung des Landrats von Mallinckrodt in Meschede:

… Sauber gewaschen, reinliche Wäsche und Kleidung sind Pflicht. Bei Namensaufruf hat ein klares „Hier!“ zu antworten. Unpünktlichkeit kann eine Geldstrafe von 30 Mark oder entsprechende Haft nach sich ziehen. Unentschuldigtes Nichterscheinen zieht unweigerlich harte Bestrafung nach sich…“. 

 

Bildbeschreibung:

So hat man sich eine Aushebung zur Kaiserzeit im Gasthof zur Post vorzustellen! (Foto: themenbezogen mit KI generiert)

Portrait (Sw-Foto um 1920, optimiert und koloriert): Joseph Schulte, Wirt und Posthalter in Eslohe
Portrait (Sw-Foto um 1920, optimiert und koloriert): Joseph Schulte, Wirt und Posthalter in Eslohe

 

Geehrt im hohen Alter

 

 

Nach Einstellung seiner Postdienste wurde dem Posthalter eine besondere Ehre zuteil. So stand es in der Mescheder Zeitung: „Eslohe, 1. Oktober 1911: Dem Posthalter Herrn Josef Schulte hier wurde der Kronenorden IV. Klasse (27) Allerhöchst verliehen und heute durch Herrn Postverwalter Deimann (von 1909 bis 1930 in Eslohe im Postdienst) überreicht. Die hiesige Posthalterei befindet sich seit dem Jahre 1867 in Händen des Posthalters Schulte. – Die Personenpost Eslohe-Fredeburg, eingerichtet im Jahre 1840, fuhr heute ihre letzte Fahrt.“

 

Im Mai 1926 feierte der Esloher Kriegerverein sein fiktives 60jähriges Bestehen. Als einer der wenigen noch lebenden Gründungszeugen wurde ausdrücklich der Altveteran Posthalter Joseph Schulte benannt und geehrt.  

 

Dieser schloss am 21.01.1928 seine Augen. Ihm war ein langes und erfülltes Leben beschieden worden. Er wurde 87 Jahre alt. Mit ihm wurde auch ein gewichtiges Stück Esloher Dorfgeschichte zu Grabe getragen.   

 


statt Postillion (Schwager) nun Kraftpost-Fahrer

Historische Aufnahmen aus der Zeit, als sich die Postkutschen in Kraftpostwagen verwandelten

Am Stimmstamm 3. Mai 1921:

 

Die Staatschaussee Minden - Wiedenbrück - Erwitte - Meschede - Olpe - Koblenz wurde in den Jahren 1816 bis 1828 nach den damaligen Erfordernissen ausgebaut. Zu dieser Zeit wurden auch das Wegegeld-Hebestellenhaus und das Wegewärterhaus auf dem Stimmstamm vom Preußischen Staat errichtet.
Im Hebestellenhaus war eine Empfangsstube vorhanden, in der das Wegegeld kassiert und Durchreisende bewirtet werden konnten. Das Wegewärterhaus hatte zwei Wohnungen, in denen die Wegewärter wohnten, die für die Unterhaltung der Staatschaussee zuständig waren. Mit der Dotationsgesetzgebung von 1875 wurde dem Provinzialverband die Unterhaltung und Verwaltung der Staatsstraße  vom Staate Preußen übertragen. Dazu gehörte auch die Staatschaussee von Minden nach Koblenz. Danach gingen die Grundstücke auf dem Stimmstamm mit den Gebäuden vom 1.1.1877 an in das Eigentum des Provinzialverbandes Westfalen über. Das Wegegeld für die Benutzung der Straße wurde bis 1875 erhoben. Dann wurde die Erhebung von Wegegeldern eingestellt, das Hebestellenhaus nur noch als Gastwirtschaft genutzt.
Das frühere Hebestellenhaus - jetzt Wirtshaus - auf dem Stimmstamm war auch Haltestelle der Postkutschen der Postlinie Meschede - Lippstadt. Am 3. Mai 1921 trafen sich hier die letzte Postkutsche und das erste Postauto dieser Postlinie. 

Zu diesem Anlass wurde die obige Fotografie erstellt. (SW-Foto koloriert)

Ich bedanke mich bei Frau Hermes vom Bildarchiv der Stadt Meschede, die mir diese historischen Aufnahmen bereitwillig zur Verfügung stellte! 


Erläuterungen:

 

01.   Esloher Forschungen I Seite 227 = Q 18

02.   Esloher Forschungen I Seite 236 = Q 58

03.   Güter- und Abgabeverzeichnis der Hofbesitzer innerhalb der Gerichte Eslohe und Reiste aus dem Jahre 1600, von Pfr. Johannes Dornseifer, Eslohe

04.   Es beschreibt ein erbliches Anrecht eines Lehnsnehmers auf die Leistung von Bezügen.

05.   Esloher Forschungen I Seite 239 = Q 82

06.   Esloher Forschungen I Seite 241 = Q 86

07.   Siehe auch Esloher Museumsnachrichten 2018, Seite 25 „Ein Hof erfährt seine Endlichkeit“ von Wilhelm Feldmann

08.   Esloher Forschungen II Seite 79

09.   Vermutlich war es Anna Schulte, die Tochter, welche am 1. Mai 1695 in Eslohe den Witwer Wilhelm Engelhard ehelichte. Aus dieser Ehe gingen keine Kinder hervor. Die erste Ehe des Mannes schloss dieser mit Elisabeth Wesemann, die vermutlich bei der Geburt ihres fünften Kindes am 8.10.1690 verstarb. (dazu: Familie Engelhard aus Niedereslohe)

10.   Dieser Titel wurde ehrenhalber vom Papst verliehen, oft an verdiente Kleriker. Er durfte deshalb offizielle Urkunden und Akten erstellen.

11.   vermutlich vom Sterthof in Cobbenrode

12.   Hinweis: Zudem soll als Zeuge (F.J.) „Röingh“ als Pastor in Cobbenrode unterzeichnet haben. Das kann nicht stimmen: Nach anderer Quelle war zu dieser Zeit Franz-Josef Maas Pfarrer in Cobbenrode. Pfarrer Johannes Philippus Röingh, geb. im Jahr 1689, war Pastor in Eslohe in der Zeit von 1716 bis 1756 und hat sodann sein Amt mit dem seines Neffen und bisherigen Vikars Philipp Wilhelm Enst, der Erbauer der Pfarrkirche, getauscht. Röingh lebte noch bis 1774 als Ex-Pastor und Vikar in Eslohe. Er kann den Vergleich von 1787 nicht mitunterzeichnet haben.

13.   Esloher Forschungen I Seite 341 = Q 468

14.   Bericht von Pastor Enst aus dem Jahre 1778: aus „Drüben stehet die Kapelle“ über die Geschichte der Pestkapelle in Eslohe, Buchausgabe von 1987 anlässlich des 350jährigen Bestehens. Autorin: Hildegard Richard, Eslohe (geb. 25.06.1949, gest. 02.03.2024)

15.   Der Historiker Hömberg schrieb: „Vervielfachung der Produktion, günstigere Gestaltung der Arbeits- und Absatzverhältnisse, Entschuldung der Höfe, Ablösung der Grundrenten, Verbesserung der Lebenshaltung bei Hygiene, Gesundheit, Medizin, kennzeichnen diese Epoche als die glücklichste der letzten 400 Jahre.

16.   Die und nachfolgende Informationen aus der Chronik des Benediktinermönchs Odilo Girsch (1772-1832), Mitglied des Klosters Grafschaft und nach der Säkularisation des Klosters 1804 als Pfarrer in verschiedenen Gemeinden tätig (auch Kirchrarbach und Dorlar). Als historischer Zeuge zeichnete er von etwa 1772 bis 1832 die Ereignisse im heimischen Sauerland auf, so auch die Zeit des Übergangs zur preußischen Herrschaft. 

17.   Konrad Rudolf Schäffer (1770-1838) wechselte als ehemaliger Kommandeur des nassauischen Bataillons als Teilnehmer der französischen Feldzüge gegen Preußen zur Koalition gegen Napoleon. Beim Feldzug 1814 gegen Frankreich war Schäffer Generalleutnant der Kavallerie und ins badische Kriegsministerium aufgestiegen. Er wurde später in den Freiherrenstand erhoben.

18.   Esloher Forschungen II ab Seite 309 „Das Postwesen in Eslohe“ von Alfred Bruns- auch: Postgeschichte im oberen Sauerland, Herausgeber: Schieferbergbau-Museum Holthausen e.V. aus dem Jahre 1978, S. 50

19.   Hinweis im „Westfalenlexikon 1832-1835“, eine historische Quelle, die eine umfassende Momentaufnahme Westfalens vor der industriellen Entwicklung darstellt und die ersten Adressbücher der Region mit Daten der Landratsämter und Kommunalbehörden zusammenfasst, um Einblicke in die Berufsstruktur, Bevölkerung und Verwaltung der Provinz zu geben und wurde von Alfred Bruns neu aufgelegt. 

20.   Esloher Museumsnachrichten 2014, Seite 8 „Über Meschede“ von Rudolf Franzen

21.   Ernst Wrede hatte das Rittergut in Bremscheid erworben, es parzelliert und an Kaufwillige veräußert. Er selbst konnte seine Geschäfte nicht bis zum Ende führen, da ihn im Dezember 1842 in Ahausen der Tod ereilte. Es blieb seinen Erben überlassen. Durch gerichtliches Testament hatte er den Freiherrn Theodor von Schade zu Ahausen und die Gräfin, Frau Clemens Walter, Theresia, geb. Kishing in Meschede als Erben seines Nachlasses bestimmt. Vermutlich boten diese Restflächen aus der Bremscheider Flur günstig zum Verkauf an, wovon auch die Brüder Schulte profitierten. Siehe dazu auch Esloher Museumsnachrichten 2022, ab Seite 68 Die Besiedlung der Hengespe von Wilhelm Feldmann

22.   Esloher Museumsnachrichten 2024, ab Seite 18: „Wie aus „Erbfeinden Freunde wurden“, von Wilhelm Feldmann

23.   Im Jahre 1876 erfolgte eine neue Strukturierung in der Posthierarchie. Davor wurden kleinere Stationen als Postexpeditionen geführt. Mit der Vereinigung von Post und Telegrafie am 1.1.1876 erfolgte eine Neueinteilung in Postämter. Ein Postamt III. Klasse war die niedrigste Stufe und somit mit einem Postverwalter weniger hochrangig besetzt.

24.   Handschriftliche Aufzeichnungen der Erinnerungen des Heinrich Heymer gnt. Schulte, Sallinghausen

25.   Der Homert-Kurier berichtete am 14.03.1987: „Viele Esloher waren auf den Beinen, als die unter Denkmalschutz stehende „Alte Post“ am frühen Morgen ohne Vorankündigung und Genehmigung der Baggerschaufel zum Opfer fiel. Dass dieser rechtswidrige Abbruch Folgen hat, darüber waren sich sicherlich nicht nur der Eigentümer (der Wirt Josef Keggenhoff) sondern auch die diskutierenden Zuschauer klar… Das Denkmalschutzamt in Münster hielt die „Alte Post“ für ein „bemerkenswertes geschichtliches Zeugnis für die Entwicklung des Postwesens“ und hob bauliche Besonderheiten mit erheblichem städtebaulichem Wert hervor. Einige Jahre lang stand nun das verlassene Gebäude leer und präsentierte sich nicht gerade als Schmuckstück des Ortes…“.

26.   Johannes Dornseiffer – Ein Priesterleben im Sauerland – von Raimund J. Quiter, Seite 356

 

27.   Der Königliche Kronen-Orden IV. Klasse ist eine bedeutende preußische Auszeichnung. Sie war der niedrigste Rang innerhalb der vierstufigen Hierarchie dieses Ordens und wurde zur Belohnung von Verdiensten um die Person des Königs oder den preußischen Staat verliehen. Er verlor mit dem Ende der preußischen Monarchie 1918 seinen Status als staatliche Auszeichnung.