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(C) Wilhelm Feldmann
" Wir alle wollen wissen
wer wir sind und woher wir kommen.
Ganz gleich, was wir im Leben erreichen,
ohne diese Klarheit bleibt eine Leere in uns,
ein Gefühl der Wurzellosigkeit"
Alex Haley (1921-1992), Autor von "Roots"
Über das Leben einer Dorfschullehrerin in Cobbenrode

Der mit Literaturpreisen ausgezeichnete Buchautor und Redakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT namens Henning Sußebach hat die Geschichte seiner Urgroßmutter recherchiert und ihr mit seinem Buch, welches erst seit kurzer Zeit [Juli 2025] veröffentlicht ist, ein würdiges Denkmal gesetzt. Ich empfehle es allen Lesern, die heimatgeschichtlichen Themen, insbesondere die aus unserer sauerländischen Heimat, Interesse entgegenbringen!
Das Leben der Anna Kalthoff nimmt im Jahr 1887 eine neue Wendung, als die junge Frau ihre erste Stellung als Dorfschullehrerin im kleinen Sauerlanddorf Cobbenrode beginnt. Dort findet sie nach anfänglichen Schwierigkeiten ihre Aufgabe, widersetzt sich den Erwartungen des Ortes und ihrer Zeit und wird letztlich von den Menschen akzeptiert und geachtet, obwohl sie damals als weibliches Wesen gegen viele gesellschaftliche Vorbehalte ankämpfen musste. Einige Jahre vergehen. Annas Liaison mit dem jungen Erben einer in Cobbenrode ansässigen, rührigen und wohlhabenden Familie, namens Vogelheim, erweckt Aufsehen im Dorf. Allen Widrigkeiten zum Trotz wird sie den jungen Mann heiraten. Es führte damals zwangsläufig zur Aufgabe ihres Berufes als Lehrerin. Es geschehen schicksalshafte Dinge, die für Anna große Herausforderungen bringen. Ihr Leben gleicht einer Achterbahnfahrt. Dennoch zeigt sie sich gewappnet, auch dank ihrer inneren persönlichen Stärke und Beharrlichkeit. So wird und bleibt das Dorf Cobbenrode bis zu ihrem Tode am 4. März 1932 ihre schicksalshafte Heimat. Anna stirbt im Alter von 65 Jahren an Brustkrebs.
Der Autor Henning Sussebach beginnt seine berührende Suche nach dem Leben seiner Urgroßmutter mit der Erkenntnis, dass jeder Mensch zwei Tode stirbt: Der erste ist der biologische, den wir meinen, wenn wir vom Sterben sprechen. Wenn der Arzt den Totenschein ausgestellt und damit amtlich das Ende eines Menschen bestätigt hat, beginnt das zweite Sterben: Der Mensch wird vergessen! Dieses Buch trägt dazu bei, dass ein Mensch dem zweiten Tod entrissen wird: Anna, ihr Leben als eine starke und selbstbewusste, ihrer Zeit vorausgehende Frau, wird vor dem Vergessen bewahrt.

Da waren nur wenige Dinge aus dem Leben seiner Urgroßmutter erhalten geblieben: Es sind einige Fotos, Poesiealben, Postkarten, wenige Briefe und Dokumente, ein Verlobungsring und letztlich ein Kaffeeservice. Keiner in der Familie ist ihr noch persönlich begegnet. Dennoch ist es dem Autor gelungen, einfühlsam und zusehends liebevoll sich dem Leben dieser Frau zuzuwenden. Seine Recherchen durchleuchten die Zeitgeschichte und setzen Anna mitten hinein und ordnen ihr den gebührenden Platz. So ist dennoch eine starke Biographie entstanden.
Anna kam auf die Welt und verließ sie wieder, wie so viele vor uns. Es ist genau das, was den Historiker antreibt: Die Menschen vor dem Vergessen zu bewahren, vor ihrem zweiten Sterben. Die Lektüre wird vielleicht das Bedürfnis wecken, sich an Menschen zu erinnern, die unsere Vorfahren sind.
Der Inhalt dieses Buches ist ein Teil unserer näheren Orts- und Heimatgeschichte. Cobbenrode gehört zu unserer sauerländischen Gemeinde Eslohe und einiges, so stellte ich beim Lesen fest, war mir nicht fremd, war vertraut. Ich habe mein Archiv durchstöbert und die Dorfschullehrerin Anna und Angehörige der Familie Vogelheim in Cobbenrode auf vielen Fotos erkannt. Sie hat also Spuren hinterlassen, die ich als Ergänzung zu Sußebachs Fleißarbeit noch beitragen kann. Deshalb ist es mehr als nur eine Rezension, die ich zu diesem Buch geschrieben habe.
Bildbeschreibung [Portrait im Halbprofil]:
Anna Kalthoff als junge Frau, selbstbewusst und alles andere als unterwürfig.
Carte-de-Visite aus dem Photographischen Atelier des Ernst Hartkopf in Soest
SW-Aufnahme koloriert von wfoto
Herkunft, Leben und Sein einer Familie
Die Familie Vogelheim und ein Stück Cobbenroder Dorfgeschichte
Im Buch mit dem Titel „Anna oder was von einem Leben bleibt“ hat der Autor Henning Sußebach, als er über das Leben seiner Urgroßmutter Anna Kalthoff forschte, auch die Geschichte der ur-sauerländischen Familie Vogelheim in Cobbenrode berührt und in den Vordergrund gerückt.
Er beschränkt sich dabei naturgemäß auf die Lebenszeit von Anna, der Urgroßmutter und die Fakten, die für die biografischen Erkenntnisse wichtig waren.
Mit meinem Aufsatz möchte ich jedoch den Bogen in die tiefste Vergangenheit spannen und damit einen erweiterten Einblick in die Geschichte der Familie Vogelheim ermöglichen. Dabei bediene ich mich der mir zugänglichen historischen Erkenntnisse (01). Einen nicht unbedeutenden Anteil an dieser Geschichte hat Anna Kalthoff, die den Frauen ihrer Zeit voraus war. Sie entschied selbst was sie zu tun und zu lassen hatte, wie sie leben und wen sie lieben will.
Die Wurzeln liegen in „Vogelheim“, einem kleinen wüst gefallenen Dorf
Der älteste Hinweis zur Familiengeschichte Vogelheim fand sich in einer Urkunde aus dem Jahr 1374 auf Feldmanns Hof in Heiminghausen. (02) Dessen Inhalt lautete:
„Abele van Vogelheim zu Vogelheim [oder: Abel; ist in erster Linie historisch und biblisch ein männlicher Vorname = Sohn Adams und Evas] ist mit Angehörigen des Ministerialadels Zeuge, als Johann von Baldeborn mit Willen seiner Frau Frederun seinen vierten Teil des Zehnten zu Kückelheim an den Henkel von Kückelheim und dessen Bruders Kinder verkauft.“
Der kleine Ort namens „Vogelheim“, soll einst als „Bauerhof mit Kapelle in der Vogelheime“ oberhalb von Arpe in der Flur „Vogelheim“ unter dem Herschede gelegen haben. Der Hof lag an dem kleinen Bach Seismecke, der in den Arpe-Bach mündet. Um 1476 lebten die Vogelheims bereits im Dorf Arpe. Ihr Hof war vermutlich nach einem Brand „wüst gefallen“ [lat.: delapsi], d.h. er wurde aufgegeben. Fundamente im Untergrund von zwei Hofgebäuden und der zugehörigen Kapelle konnten nachgewiesen werden.
Der Hof Vogelheim war belehnt und mit dem „Vogelheimer Zehnten“ abgabepflichtig. Um 1500 gehörte er zu den Rumpf’schen Lehen des Baron Rump zur Wenne, später Baron Weichs zur Wenne.

Die Vogelheims gelten als eine der frühen Arper Familien, die am Aufbau und der Entwicklung des Dorfes entscheidend beteiligt waren. Mit einem Grundbesitz von etwa 320 Morgen besaßen sie damals den größten Hof im Dorf. Das zeigte sich auch bei der Steuer-Schatzung im Jahr 1536: „Thonies Fogelhem sampt seinem Vatter“ = Antonius Vogelheim. Sie mussten vier Goldgulden Schatzung zahlen, einst eine beträchtliche Summe. Im Jahre 1543 zahlte „Foegelheim“ 3 ½ Goldgulden und 1565 wurde in der Schatzungsliste vermerkt, dass „Thonnes Vogell Darheim“ nur noch 2 ½ Goldgulden zahlen musste. Der Grundbesitz hatte sich kontinuierlich verkleinert.
Im Jahr 1574 schulden - wohl aus Geldnot - Thonies Vogelheim und seine Frau Anna dem Jost Böhmer zu Leckmart und seiner Frau Catharina zehn Goldgulden. Dafür verpfändeten sie auf zwölf Jahre ihren Hagen, eine eingefriedete Fläche „hinter dem Knick“. Nur noch 2 ½ Goldgulden Steuern zahlten Vogelheims auch bei der Schatzung im Jahre 1602. Erdrückende Schulden waren mutmaßlich der Grund dafür, dass Land verkauft werden musste.
Schwierige Verhältnisse im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648)
Waren es schon die Bestrebungen in den Truchseßschen Wirren (1583) das katholische Sauerland in den Protestantismus zu führen, was mit kriegerischen Mitteln letztlich vereitelt wurde, so sind die Anfänge des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) auch ähnlichen Vorgängen zuzuschreiben. Auch dieser wurde als Glaubenskrieg geführt, doch es war nicht der Glaube, sondern die Kirche, die ihre Macht mit Waffengewalt verteidigte. Ein jeder, der dies nicht täte, drohte man mit ewiger Verdammnis. Am Ende trug die Bevölkerung die Lasten. Vierzig Prozent der gesamten Bevölkerung kamen in diesen Jahren ums Leben.
Ein geordneter Lebensablauf der Menschen kann man in dieser Zeit nicht voraussetzen, ebenso nicht die ungestörte Ausübung ihrer Religion. So kann davon ausgegangen werden, dass auch im Kirchenleben Einschränkungen bestanden, wie die Zerstörung und Schändung von Gotteshäusern und mannigfaltige Störungen von Messfeiern, was oft die Unterlassung von Sakramentserteilungen, wie Taufen, Firmungen und Eheschließungen zur Folge hatte. Auch wurden Bestattungen oft nicht in ehrerbietender Weise gegenüber dem Verstorbenen vollzogen worden sein.
Unterschiedliche Deutungen durch lückenhafte Aufzeichnungen
Lückenhafte Aufzeichnungen in den Kirchenbüchern lassen sich mit der schwierigen Zeit nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1618 begründen. Man kann demzufolge nicht erwarten, dass religiöse Vorgänge, wie Taufen, Firmungen, Eheschließungen und Beerdigungen wahrheitsgemäß und in vollständiger Weise von den Seelsorgern protokolliert wurden.
Auch die Kirchenbücher der Pfarrkirche St. Cyriakus in Berghausen - eine der ältesten erhaltenen Kirchen im Sauerland – wurden in dieser Zeit lückenhaft geführt. Eintragungen über die Familie Vogelheim in Arpe sind erkennbar, lassen aber unterschiedliche und teils widersprüchliche Schlussfolgerungen zu:
Josef Lauber hat versucht, die Stammreihe der Vogelheims in seiner 1977 veröffentlichen Buchausgabe zu ergründen und erkennt, dass vieles unklar sei. Manfred Vogelheim aus Aachen, ein Nachfahre der Vogelheims in Cobbenrode, hat die Ursprünge seiner großen Familie erforscht, kommt aber teilweise zu abweichenden Deutungen. Über „Matricula Online“ konnte der Autor auch Einsicht in die online gestellten Kirchenbücher von St. Cyriakus nehmen. Erfolglos war der Versuch, eine „Deutungshoheit“ zu erlangen. Dennoch wird berichtet:
Eine Rekonstruktion der Vergangenheit
Es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges in der ein Georg Vogelheim genannt wurde. Sein Name taucht in den Namenslisten der genealogischen Online-Datenbank GEDBAS für die deutschsprachige Ahnenforschung auf. Georg Vogelheim aus Arpe soll im Jahre 1615 geboren sein. Angaben über seine Ehefrau sind nicht bekannt, wohl aber die Geburt von zwei Töchtern: Felicitas (geb. 1640) und Maria Elisabeth (1655 – 1718).
Nach dieser Eintragung ist zu schließen, dass Felicitas Vogelheim, die ältere der beiden Schwestern und Hoferbin, am 17.07.1668 die Ehe mit dem aus Niederfleckenberg stammenden Christianus Henneken einging. Dieser heiratete auf ihren Hof in Arpe ein und übernahm den Namen Vogelheim. Aus dieser Ehe sei nur ein einziger Sohn (mutmaßlich aber mehrere Kinder) hervorgegangen: Christian Vogelheim jun (1675 geboren und 1724 gestorben). Dieser ehelichte eine Elisabeth, deren Herkunft nicht bekannt ist. Drei Kinder gingen aus dieser Ehe hervor:
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1. |
Anna Elisabeth Vogelheim |
*20.11.1707 + 1782 |
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2. |
Johann Heinrich Vogelheim |
*1708 +25.04.1741 |
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3. |
Johann Röttger Vogelheim |
*19.10.1710 + 1789 |
Der ältere Sohn Johann Heinrich Vogelheim aus Arpe ist bei Zimmermannsarbeiten am Bau des Dachstuhls der Benediktiner-Abtei Kloster Grafschaft tödlich verunglückt. Ein Baugerüst war eingestürzt. Der Pfarrer vermerkte im Sterbebuch, dass Joes = Johannes Vogelheim aus Arpe und Joes Eberhardus Schulte aus Kückelheim, beide Ehemänner und Familienväter, in Kloster Grafschaft am 26. August 1741 gestorben sind.
Nach dem tödlichen Unfall des älteren Bruders soll der jüngere Johann Röttger Vogelheim das väterliche Erbe übernommen und 1740 eine Ehe mit Maria Schade (1711-1777) aus Obermarpe eingegangen sein. Ihr gemeinsamer Sohn, so deutet es Manfred Vogelheim, wurde 1742 geboren und auf den Namen Johann Heinrich getauft. Dieser soll jener sein, der am 09.08.1774 die Elisabeth Siepe(n) aus Berghausen ehelichte und mit ihr eine Familie gründete. Jedoch: Die Identität des Ehemannes ist nicht zweifelsfrei geklärt (dazu: Josef Lauber).
Der Vater Christian Vogelheim hat nach dem frühen Tod von Elisabeth, seiner ersten Ehefrau, 1716 die Catharina Vogelheim in zweiter Ehe geheiratet. Die Braut stammte wie ihr Ehemann [etiam ex arpe] auch aus Arpe.
Die irritierende Eintragung im Copulationsbuch am 21.04.1716 führt zu unterschiedlichen Deutungen. Lauber widerspricht hier Manfred Vogelheim. Es wird nicht erkennbar: Wer war Hofbesitzer und wer heiratete ein? „21. April, copulati sunt (verheiratet sein) Christianus Vogelheim ex (aus) Arpe et (und) Catharina Vogelheim etiam ex (auch aus) Arpe …“ Lauber zieht daraus den Schluss, dass es der Witwer Christian Kesting gnt. Vogelheim aus Arpe war, der am 21.04.1716 durch Eheschließung mit Catharina Vogelheim auf deren Hof in Arpe einheiratete. Sie war demzufolge Hofbesitzerin in Arpe und ihr Ehemann brachte seinen Sohn aus erster Ehe, namens Johannes Kesting gnt. Vogelheim (geb. um 1704) mit auf den Hof.
Da die Ehe mit Catharina Vogelheim, die sich zum Zeitpunkt der Eheschließung bereits im 46 Lebensjahr befand, offenbar kinderlos blieb, erhielt der Stiefsohn Johannes Kesting gnt. Vogelheim später den Hof seiner Stiefmutter, die ihren Ehemann überlebte.
Die verwitwete Catharina starb siebzigjährig am Ostersonntag, den 25.04.1740. Die in Latein gehaltene Eintragung im Sterbebuch besagt, dass die Verstorbene an einer „plötzlich aufgetretenen Geistesverfinsterung“ litt und eine letzte Salbung durch den Priester erhielt.
Joes (Johannes) Kesting gnt. Vogelheim übernahm demnach den stiefmütterlichen Grundbesitz und ehelichte am 28.02.1726 eine Elisabeth Wrede aus Harbecke. Trauzeugen [testibry] waren der Caspar Schulte aus Ebbinghoff und Hermann Gerven aus Arpe.
War Johann Heinrich Sasse Käufer des Vogelheim Hofes in Arpe?
Danach, so erläutert Lauber, seien die Nachrichten lückenhaft und die Stammfolge der Familie Vogelheim unterbrochen. Es sei denkbar, dass der nächste Besitzer den Resthof der Vogelheims in Arpe gekauft habe.
Als Käufer sieht Lauber den Ackersmann Johann Heinrich Sasse gnt. Vogelheim aus Arpe (geb. Berghausen 23.04.1742, gest. Arpe 16.06.1818) als Ehemann von Anna Elisabeth Siepen aus Berghausen (dort geb. 26.12.1751, gest. in Arpe 16.03.1804). Die Ehe wurde am 09.08.1774 vor dem Altar der Pfarrkirche in Berghausen geschlossen.
Johann Heinrich Sasse war, so besagt die Eintragung im Taufbuch, am 24. April 1742 getauft worden. Das Kind ist einen Tag zuvor unehelich [lat.: illegitim] in Föhrs Haus zu Berghausen geboren worden. Die leiblichen Eltern des Kindes waren Vinzenz Stempelman und Anna Margarete Sasse, Tochter einer alteingesessenen Familie in Arpe (03). Heinrich Neuhaus und Maria Elisabeth Henkel sind der werdenden Mutter bei der Geburt ihres Kindes beigestanden. Das Geburtshaus war vermutlich die Wohnung vom Kirchenküster „Föhrers“, der später wie auch Rötger Hömberg Trauzeuge der beiden Eheschließenden wurde.
Wenn Laubers Interpretation richtig ist, kann keine Blutsverwandtschaft der nachfolgenden Vogelheim-Generationen mit Abel Vogelheim bestehen. Einst war es üblich, dass der Name des Hofes anstelle des eigenen Familiennamens angenommen und fortgeführt wurde. Das begründet, dass der Hofname „Vogelheim“ durch die Nachkommenden auch nach mehreren Einheiraten und käuflichem Erwerb erhalten blieb.

Vier Geschwister siedelten vom elterlichen Hof nach Cobbenrode
Im Taufbuch der Pfarrei Berghausen wurden sieben leibliche Kinder der Eheleute Joan Heinrich Sasse gnt. Vogelheim und Elisabeth, geb. Siepe(n) vermerkt:
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1. |
Anna Maria Elisabeth Vogelheim |
*01.01.1776 +21.03.1851 |
Paten: Stephan Hömberg und Eva Catharina Schulte |
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2. |
Anna Gertrud Vogelheim -Hoferbin- |
*24.11.1778 +08.06.1847 |
Paten: Anton Heinrich Schulte und Anna Gertrud Dorls |
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3. |
Anna Helena Eva Vogelheim |
*13.10.1782 +05.02.1845 |
Paten: Johannes Vogelheim und Anna Eva Berghoff |
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4. |
Maria Theresia Vogelheim |
*24.11.1785 +05.12.1844 |
Paten: Anton Becker und Maria Elisabeth Sasse |
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5. |
Maria Helena [= Magdalena] Vogelheim |
*12.08.1788 +19.11.1860 |
Paten: Anton Ermecken und Maria Helena Degenhardt |
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6. |
Johann Franz Vogelheim |
*11.05.1791 + 1844 |
Paten: Franz Muhs und Agnes Pieper |
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7. |
Johann Caspar Anton Vogelheim |
*02.08.1795 +22.06.1884 |
Paten: Caspar Hömberg und Elisabeth Müller, „ambo ex“ (= beide aus) Arpe |
(1) Elisabeth Vogelheim, die Älteste, heiratete am 04.02.1799 den Landwirt Joseph Schade gnt. Klauke aus Cobbenrode [Trauzeugen: Franz Meister und Franz Dicke, beide aus Cobbenrode]. Joseph Schade war am 19.04.1775 geboren und bekleidete im Dorf einige Ämter: Er war Volksschullehrer, Küster und Organist. Einige Jahre gehörte er dem Kirchenvorstand an und war Gemeindevorsteher von Cobbenrode. Er starb am 26.10.1830 im Alter von 55 Jahren an Auszehrung und hatte, weil seine Ehe mit Elisabeth kinderlos geblieben war, den „Schade-Hof“ an seinen Schwager Johannes Vogelheim, jüngster Bruder seiner Frau, übertragen. Elisabeth Schade, geb. Vogelheim, war viele Jahre Witwe und verstarb 75jährig am 21.03.1851 an Altersschwäche.
(2) Gertrud Vogelheim blieb auf dem elterlichen Hof in Arpe. Am 19.11.1799 ging sie mit dem aus Fehrenbracht stammenden Johann Heinrich Gockel die Ehe ein. Ihr Ehemann war geboren am 25.12.1768 als Sohn der Eheleute Caspar Hermann Gockel und Maria Gertrud Schulte gnt. Ricke aus Lüdingheim, verwitwete (latein: vidua) Caspar Heinrich Hosang. Heinrich Gockel zog zu seinen Schwiegereltern auf Vogelheims Hof in Arpe und bewirtschaftete diesen mit seiner Ehefrau, die nach dem Fortgehen des Bruders Franz 1826 den Hof zu Eigen nahm. Aus ihrer Ehe ging eine neue Generation hervor, die sich nicht mehr Vogelheim, sondern Gockel nannte. Es waren sechs Kinder der Eheleute: Maria Lucia, geb. 07.09.1800 – Johann Jodokus, geb. 03.12.1805 – Maria Josephina, geb. 18.03.1808 – Maria Brigitta, geb. 06.06.1810 – Anna Maria Elisabeth, geb. 22.12.1812 – Maria Ludivica, geb. 13.06.1815. Der Vater Heinrich Gockel gnt. Vogelheim starb in Arpe am 24.09.1829 im Alter von 60 Jahren. Seine Ehefrau Gertrud folgte ihm am 08.06.1847 im Alter von 68 Jahren im Tode nach. Erbe des Hofes wurde ihr Sohn Johann Gockel gnt. Vogelheim, der am 19.01.1843 die Maria Ferdinande Claes aus Everberg heiratete und mit ihr den Hof in Arpe bewirtschaftete.
(3) Eva Vogelheim heiratete 1804 wie ihre älteste Schwester Elisabeth nach Cobbenrode. Ihr über zwanzig Jahre ältere Ehemann war der Stellmacher und Zimmermann Jodokus Sellmann, gnt. Neuhäuser. Aus ihrer Ehe gingen sieben Kinder hervor: Maria Aloysia, geb. 18.03.1805 – Franz Joseph, geb. 10.10.1808 – Maria Anna, geb. 25.10.1810 – Maria Angela, geb. 19.02.1814, Maria Franziska, geb. 03.09.1815 – Johannes, geb. 21.04.1819 – Johann Joseph, geb. 15.09.1822. Der Vater Jodokus Sellmann starb über 80jährig am 28.09.1844 an Altersschwäche. Eva starb wenig später, am 05.02.1845 im Alter von 62 Jahren, ebenfalls an Altersschwäche.
(4) Theresia Vogelheim heiratete 1812 nach Brenschede [Pfarrei Oedingen], einem kleinen Weiler an der Heidenstraße, zwischen Oedingen und Bracht gelegen. Der Schneider und Ackersmann Georg Beste gnt. Schneiders, dort geboren im Jahre 1779, wurde ihr Ehemann. Theresia gebar sechs Kinder. Georg Beste starb am 24.01.1835 im Alter von 55 Jahren an der „Lungensucht“ [alter Begriff für Tuberkulose]. An derselben Krankheit verstarb der Sohn Rötger Beste am 22.03.1838. Er wurde nur 21 Jahre alt. Die verwitwete Theresia verstarb jedoch an Auszehrung, mittags am 05.12.1844 und wurde zwei Tage danach zu Grabe getragen. Sie starb im Alter von 59 Jahren und hinterließ zwei majorenne [= volljährige bzw. selbstständige] und drei minorenne [= minderjährige] Kinder.
(5) Helena Vogelheim zog es wie ihre älteren Schwestern auf einen Hof in Cobbenrode und heiratete dort am 28.11.1816. Ihr Ehemann wurde Franz Anton Kracht, als „Bürger und Ackersmann“ im Copulationsbuch bezeichnet. Er war am 11.01.1786 als Sohn der Eheleute Johann Matthäus Kracht und dessen Ehefrau Helena, geb. Hömberg, geboren. Trauzeugen waren Jost Selmann und Elisabeth Böhmer, beide aus Cobbenrode. Die verwitwete Maria Magdalena [= Helena] Kracht, geb. Vogelheim, starb am 19.11.1860 im Alter von 72 Jahren am Brustfieber, vermutlich Lungenentzündung. Ihr Ehemann war bereits am 21.01.1849 an einem Blutsturz verstorben. Aus ihrer Ehe waren nachweislich fünf Kinder hervorgegangen: Franz Wilhelm, geb. 22.01.1821 – Johann Caspar, geb. 26.03.1823 – Caspar, geb. 06.10.1826 – Johann Georg, geb. 02.04.1829, gest. 22.04.1831 [Auszehrung] – Maria Elisabeth, geb. und gest. 31.05.1832.
(6) Franz Vogelheim, der älteste Sohn der Eheleute, entschloss sich nicht dazu den elterlichen Hof in Arpe zu übernehmen. Er überließ ihn seiner Schwester Gertrud (siehe zu 2) und emigrierte 1826 nach England. In London arbeitete Franz als Bierbrauer. Über seine Nachkommen ist nichts bekannt. Franz soll im Jahre 1844 in England gestorben sein.
(7) Johann Vogelheim war der jüngste der Vogelheim-Kinder aus Arpe. Als abgehender Sohn vom Hofe zog es Johann ebenfalls nach Cobbenrode, wo bereits drei Schwestern eingeheiratet hatten. Ein besonders enges Verhältnis verband ihn mit seiner 19 Jahre älteren Schwester Elisabeth und deren Ehemann Joseph Schade. Da diese keine Nachkommen hatten, sahen sie in dem Jungen ihren „Wunsch-Kandidaten“, der einmal den „Schade-Hof“ übernehmen sollte. Mit Johann Vogelheim sollte die Geschichte des Hofes seinen Fortgang nehmen.
Der Vater Heinrich Sasse gnt. Vogelheim verstarb am 16.06.1818 in Arpe an Altersschwäche. Er wurde 76 Jahre alt. Seine Ehefrau Elisabeth, geb. Siepen, war ihm am 16.03.1804 im Tode vorausgegangen.
Der „Schade-Hof“ in Cobbenrode

Die Besitzverhältnisse in Cobbenrode waren stets dem Wandel unterzogen. Älteste Nachrichten erzählen von einer Ritterfamilie derer von Cobbenrode. Im Jahre 1293 wurde „Conradus de Cobbenrode“ urkundlich erwähnt. Das gilt als ältester Nachweis, lässt aber den Schluss zu, dass es eine noch frühere Besiedlungszeit des Dorfes gab. Das Rittergut wird in Nieder-Cobbenrode bei der alten Wassermühle vermutet, oberhalb des „Stertschulten-Hofes“, der bis 1898 zur Pfarrei Eslohe zählte. Im oberen Dorf Cobbenrode waren vier Höfe angesiedelt: Rath, Kracht, Mesters und Klauke. Eine Urkunde aus dem Jahre 1338 nennt bereits ein „unteres Cobbenrode“ (latein: „inferior“ = räumlich niedriger angesiedelt), sodass die Annahme berechtigt ist, dass um diese frühe Zeit bereits ein „oberes Cobbenrode“ mit den dort um die Pfarrkirche angelegten vier Höfe gegeben hat. Die Adelsfamilie von Cobbenrode starb im 16. Jahrhundert aus und auch die Höfe Rath und Klauke wurden zersplittert.
Der Großteil vom Klauke-Hof ging in den Besitz der Familie Schade über. Die jeweiligen Eigentümer wurden noch lange mit dem Namen des ursprünglichen Hofes benannt, so auch Joseph Schade gnt. Klauke, der letzte namens Schade auf diesem Anwesen.
Johann Vogelheim erbte vom Schwager den "Schade-Hof" in Cobbenrode

Das besondere Verhältnis zu seiner wesentlich älteren Schwester Elisabeth, die auf den Schade-Hof in Cobbenrode geheiratet hatte, führte dazu, dass Johann einen Großteil der Kinder- und Jugendzeit auf dem Hof seines Schwagers verbrachte. Auch wird die Kinderlosigkeit des Paares begünstigt haben, dass sie in ihm ihren künftigen Erben sahen.
Die unbekümmerte Zeit endete für den jungen Mann, als er 1813 im Alter von 18 Jahren zum Militär eingezogen wurde. Da ab 1803 das kurkölnische Sauerland unter das Herrschaftsgebiet Hessen-Darmstadt fiel, bestand die Wehrpflicht und Johannes Vogelheim musste im Regiment „Groß- und Erbprinz von Hessen-Darmstadt“ zum Dienst antreten. Sein Regiment kämpfte auf preußischer Seite in den Befreiungskriegen gegen Napoleon: 1813 Völkerschlacht bei Leipzig und 1815 Schlacht bei Waterloo. Zwei Verwundungen erlitt Johannes während seines Einsatzes. Im Jahre 1816 endet seine Militärzeit und er wurde in seine Heimat entlassen. Er hatte Furchtbares erlebt, aber überlebt und erhielt eine lebenslange Veteranenrente. Fortan war sein Wirkungsort in Cobbenrode auf dem Schade-Hof wo er Schwester Elisabeth und Schwager Joseph Schade bei der Hofbewirtschaftung tatkräftig unterstützte.
Johannes Vogelheim heiratete am 13.05.1823 in der 1717 erbauten Pfarrkirche St. Nikolaus die Anna Elisabeth Schulte. Sie war die am 03.12.1802 geborene Tochter des Landwirts Christian Schulte (vom Stertschultenhof) und dessen Ehefrau Maria Theresia Schade. Die Eltern des Bräutigams konnten an der Hochzeit ihres Jüngsten nicht teilnehmen: Die Mutter Elisabeth war am 16.03.1804 und der Vater Heinrich, den der Pfarrer deswegen im Cobbenroder Copulationsbuch als „gewesener Einsasse und Ackersmann“ benannte, in Arpe bereits am 16.06.1818 gestorben.
Als der Schwager Joseph Schade 1830 mit 55 Jahren verstarb (10), übernahm Johannes Vogelheim als Universalerbe den Schade-Hof. Wiederholt hatte nun der Name des Hofes gewechselt: von Klauke auf Schade und nun auf Vogelheim.
Hart geprüft in kurzer Ehezeit
Johann Vogelheim schien im Dorf geachtet zu sein, immerhin akzeptiert beim Pfarrer Johannes Jodokus Schnepper (04), der ihn 1834 als „Bürger und Ackersmann“ benannte.
Doch die Ehezeit des Paares war nicht mit Glück gesegnet. Das Leben hielt harte Prüfungen für sie bereit: Krankheiten, wie Stickhusten, Auszehrung und Schlagfluss (05) sind als Todesursachen im Sterbebuch vermerkt. Und dann, wenige Tage nach der Todgeburt ihres letzten Kindes Johann, ein „Sternenkind“, stirbt die Mutter: Elisabeth Vogelheim, geb. Schulte, verblutet als Folge der schweren Geburt. Sie stirbt am 14.11.1834 und der Pfarrer schreibt als Todesursache „Blutfluß“.
Sechs Kinder wurden ihnen geschenkt und wieder genommen:
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1. |
Johann Joseph Vogelheim (06) |
*14.02.1824 + 1846 in London
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Paten: Joh. Schulte, Einsasse u. Schuhmacher in Klauken Speicher und Helena Schade, Ehefrau d. Theodor Volmar, Zimmermann, alle aus Cobbenrode („dahier“) |
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2. |
Maria Theresia Vogelheim |
*11.10.1825 +16.03.1834 Stickhusten |
Paten: Franz Richard, ledig in Schmies Haus/ Helena Vogelheim (?), beide aus Cobbenrode |
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3. |
Josephina Vogelheim |
*12.11.1827 +11.03.1837 Auszehrung |
Paten: Johannes Ernst und Angela Luig, ledig |
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4. |
Anna Maria Elisabeth Vogelheim |
*13.02.1831 +19.07.1831 Schlagfluss |
Paten: Anton Schulte und Anna Maria Beste aus Bremscheid |
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5. |
Daniel Vogelheim |
*17.07.1832 +13.03.1834 Stickhusten |
Paten: Johann Schweinsberg und Marianne Wilmes, geb. Gockel vom Sterthof |
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6. |
Johann Vogelheim |
*06.11.1834 +06.11.1834 |
Ein todgeborenes Kind, ein „Sternenkind“. Eintragung: (lat.) „obiit“ = er ist gestorben. Die Mutter starb wenige Tage nach seiner Geburt. |
Dem Leben trotzen
Das Jahr 1834 war für die Familie sehr tragisch. Doch der Witwer Johann Vogelheim verzagte nicht vor den Rückschlägen, die ihm das Leben gebracht hatte und ging im Alter von 39 Jahren eine zweite Ehe ein. Er heiratete am 26.02.1835 die 1809 in Bracht [Fehrenbracht] geborene Anna Maria Josephine Blöink [auch tlw. als „Blöynk“ geschrieben]. Ihre Eltern sind: Gaudentius (07) Anton Blöink (1761-1837) und dessen Ehefrau (Heirat am 03.03.1794) Elisabeth Kemmerling (1769-1837).
Aus dieser Ehe gingen weitere sieben Kinder hervor, darunter der älteste Sohn und spätere Erbe Clemens Vogelheim [der Erste]:
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1. |
Clemens Vogelheim [der Erste] Hoferbe |
*10.03.1836 +12.05.1902 |
Paten: Clemens Blöink und Elisabeth Blöink |
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2. |
Wilhelm Vogelheim |
*11.07.1838 +03.10.1903 |
Paten: Wilhelm Blöink aus Ndr.Salwey und Marianna Wilmes vom Sterthof (08) |
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3. |
Anna Maria Elisabeth Vogelheim |
*04.02.1840 + 1922 |
Paten: Friedrich Blöink aus Obermarpe und Elisabeth Vogelheim, Witwe aus Cobbenrode (?) Sie heiratete 1863 Caspar Dommes aus Bonzel. |
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4. |
Franz Vogelheim |
*26.11.1842 + 1910 |
Paten: Franz Wilmes aus Sterthof und Gertrud Dünnebacke Er heiratete 1869 Maria Droste, die 1871 starb. In 2. Ehe Elisab. Schmitt (1848-1917) aus Serkenrode. Gründete in Meggen Möbelschreinerei mit Sattlerei u. Polsterei, Möbelgeschäft und später den Gasthof „Westfalenhof“ |
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5. |
Johann Vogelheim |
*28.02.1846 + 1936 |
Paten: Johann Dünnebacke zu Obermarpe und Josephina Blöink zu Bracht Militär mit Kriegsbeteiligung gegen Dänemark, Österreich, später Frankreich. Wanderschäfer, heiratete Marg. Flamme 1874 aus Altfinnentrop |
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6. |
Joseph Vogelheim
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*26.11.1848 + 1930 |
Paten: Johann Engelberts von Bracht und Elisabeth Piscopink, Dienstmagd bei Vogelheim Ist 1867 auf einem Frachtschiff von Antwerpen nach Amerika ausgewandert. Er ließ sich in Rogers City am Westufer des nördlichen Huronsee (Michigan) nieder. 1876 heiratete er Amelia Reinke (1849-1928), geb. in Pommern |
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7. |
Franz Anton Vogelheim |
*17.01.1851 +03.02.1851 |
Todesursache laut Sterbebuch: Krämpfe |
Sein Handeln war in die Zukunft gerichtet
Im Jahre 1846 wird der Vater Johann Vogelheim im Taufbuch als Ortsvorsteher, Wirt und Ackersmann genannt. 1850 ist er Vorsteher des Gemeinderates in Cobbenrode, wird aber 1851 von Johann Schweinsberg abgelöst. Trotz aller Widrigkeiten in seinem Leben verzagte er nicht und richtete den Blick fest in die Zukunft. Er öffnete in Cobbenrode sein Gasthaus und wurde Wirt, denn es war einiges geschehen im sonst so beschaulichen Dorf, was ihn dazu bewogen hatte:
Es müssen in Cobbenrode katastrophale Wegeverhältnisse gewesen sein. Der ursprüngliche Weg zur Schwartmeke soll durchs Dorf, hinter der Kirche entlang in einen alten Hohlweg gemündet haben, der im Laufe der Zeit als unpassierbar galt. Erstmal wurde dieser 1818 notdürftig in Stand gebracht. Die Strecke verlangte den Fuhrmännern und ihren Zugtieren immer erhebliche Mühen ab (09).

Endlich wurde mit dem Neubau einer Chaussee, die eine Verbindung der Garnisonsstädte Koblenz und Minden schaffte, alles besser. Der Ausbau erfolgte über viele Jahre in mehreren Teilabschnitten. In Cobbenrode, wo nun die neue Streckenführung Kirche und Pfarrhaus voneinander getrennt hatten, waren die Bauarbeiten im Dezember 1827 im Wesentlichen vollendet. Das wurde auch durch das General-Postamt zu Berlin im November 1831 bestätigt, als angekündigt wurde, dass ab 1.12.1831 eine zweispännige Fahrpost zwischen Arnsberg und Olpe über Meschede und Eslohe in Gang gesetzt werde. Ein bequemer, auf Druckfedern ruhender Wagen für vier Personen, sollte zum Transport von Personen eingeführt werden.
Bald suchten Reisende, die Cobbenrode mit der Postkutsche durchquerten, vermehrt eine Unterkunft in einem Gasthaus. Johann Vogelheim erkannte eine gesicherte Einnahmequelle obwohl es im Dorf bereits das Gasthaus des Johann Habbel (Bosseln Haus) gab. Er öffnete sein Haus für die Fremden und nannte es den „Gasthof zur Post“. In dieser Zeit, inmitten des 19. Jahrhunderts, vergrößerte sich das Dorf. Zu den Bauern und Handwerkern gesellten sich Bergleute, die von hier in die Meggener Gruben zur Arbeit wanderten. Ein Schnäpschen am Feierabend an Vogelheims Ausschank war vielen willkommen.
Als Johann Vogelheim im Alter von 72 Jahren nach einem harten Leben um 1867 verstarb, hatte er für seinen ältesten Sohn Clemens Vogelheim [der Erste] die Grundlage geschaffen, sein Lebenswerk in seinem Sinne fortzuführen.
Große Schritte in die Moderne
Clemens Vogelheim [der Erste], ältester Sohn aus der zweiten Ehe des Vaters:
Sein älterer Stiefbruder Josef hatte es vorgezogen 1844 nach England auszuwandern. Er ließ sich in London bei seinem Onkel Franz nieder und arbeitete wie dieser als Bierbrauer. 1846 verunglückte Josef und fand dabei den Tod. So war es Clemens vorbehalten, einmal in des Vaters Fußstapfen zu treten. Doch vorerst musste er zur Wehrpflicht beim preußischen Militär antreten und nahm an den Kriegen 1864 gegen Dänemark und 1866 gegen Österreich teil.
Ein Jahr danach, am 10.01.1867, ehelichte er in Cobbenrode die Maria Theresia Henders. Sie war am 05.06.1843 in Obermarpe als Tochter des Gutsbesitzers Johann Henders und dessen Ehefrau Theresia Steinhoff geboren. Die Trauzeugen waren Clemens Blöink in Sterthof und Maria Catharina Schade, geb. Nöker aus Obermarpe.
Bereits Ehemann und Familienvater wird Clemens Vogelheim 1870 dennoch zum Kriegsdienst gegen Frankreich einberufen. Er nimmt an der Schlacht von Sedan teil. Dabei erlitt er mehrere Verwundungen, überlebte aber den für Preußen siegreichen Krieg, was ihm als Veteran zeitlebens Ehre, Achtung und Rente sicherte.
Aus der Ehe zwischen Clemens und seiner Ehefrau Maria Theresia gingen sieben Kinder hervor:
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1. |
Berta Maria Elisabeth Vogelheim |
*19.09.1868 + 1947 |
Paten: Johann Vogelheim und Elisabeth Henders aus Obermarpe Sie heiratete 1892 auf den Hof des Franz Henkel (1868-1950) in Oberlandenbeck. |
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2. |
Clemens Vogelheim [der Zweite] Hoferbe |
*28.06.1870 +01.10.1903 |
Paten: Clemens Wiese, Zimmermeister aus Meschede und Maria Franziska Willmes, ledig aus Welschen-Ennest |
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3. |
Johannes Vogelheim
Er starb beim Bombenangriff auf Mönchengladbach. |
*24.04.1873 +19.08.1944 |
Paten: Johannes Kracht aus Cobbenrode und Maria Henders Er heiratete am 30.04.1908 Maria Kranenpoot (1888-1934) aus Holland. Er war Oberpost-direktor, danach Leiter der Oberpostdirektion in Mönchengladbach. |
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4. |
Maria Theresia Vogelheim (11) |
*01.04.1876 + 1939 |
Sie heiratete 1902 den Molkereidirektor Theodor van Look (1874-1939) aus Horn, Kreis Lippstadt (Geburtsort der Anna Kalthoff) |
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5. |
Maria Vogelheim |
*1879 +1879 |
Das Kind ist kurz nach der Geburt gestorben. |
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6. |
August Vogelheim (11) |
*23.02.1886 + 1948 |
Er heiratete 1924 Ella Weber (1894-1942). Eine Tochter: Elisabeth *1929. Er war Oberinspektor bei der Deutschen Post in Bochum. |
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7. |
Otto Vogelheim (11) |
*20.03.1888 + 1969 |
Er heiratete 1921 Hedwig Reisewitz (1895-1963). Einen Sohn: Dipl.-Hdl. OStD Dr. Werner *1924. Otto war Amtmann bei der Dtsch. Post in Bochum |

Clemens jüngerer Bruder Wilhelm Vogelheim (1838 – 1903) war Landwirt und Schäfer. Dieser heiratete 1866 Theresia Padberg (1836 – 1892), Huses genannt, aus Cobbenrode. Von seinem Vater hatte dieser etwa die Hälfte der ehemals landwirtschaftlich genutzten Fläche des Vogelheim-Hofes geerbt und erweiterte damit den Huses-Hof im Unterdorf, am Esselbach gelegen.
Die Eheleute Clemens und Maria Theresia Vogelheim führten die Geschäfte des Vaters fort. Neben der verkleinerten Landwirtschaft bestand die Gaststätte. Das jährliche Schützenfest wurde in Cobbenrode auf dem Hof von Vogelheims veranstaltet und bei schlechtem Wetter in den Saal der Gastwirtschaft verlegt. 1878 beschloss der Schützenverein auf Vogelheims Grundstück ein festes Festzelt zu errichten. Als Festwirt war Clemens Vogelheim vor Ort.
Am 1. April 1879 erhielten Vogelheims das Recht, eine Postagentur zu eröffnen (12). Sie wurde für lange Zeit von der Familie betrieben und erst am 1.10.1993 geschlossen (13).
Bis heute verraten es vier große Lettern im Giebel der Hausfront: 1885 ließen die Eheleute an der Chaussee ihr neues, dreistöckiges Wohn- und Gasthaus errichten, nachdem es im alten Haus einen Brandschaden gegeben hatte. Es wurde großzügig gebaut mit Platz für die Familie, Gästezimmer, Schankwirtschaft und einen Saal für große Gesellschaften. Am 18. Mai 1888 wurde ihr Haus an den Telegraphenbetrieb angeschlossen. Auch wenn ein „neuartiger Fahrweg aus Eisen“ dem Ort immer fernblieb, nun war Cobbenrode auf diese Weise mit der Welt da draußen verbunden.

Clemens Vogelheim (der Erste) muss wohl die Gabe seines Vaters geerbt haben, zu wissen wie man seinen Vorteil sichert und die eigenen Interessen wahrt. Der „Gasthof zur Post“ wurde „erstes Haus am Platz“. Der 1891 gegründete Sauerländische Gebirgsverein (SGV) weist schon 1895 in einem Wanderführer auf Vogelheims hin. Zarte Werbung für sein Gasthaus und erst der Beginn einer Bewegung: Sommerfrische im Sauerland.
Bald wirbt Clemens Vogelheim mit den Erzeugnissen aus eigener Beerenweinkelterei und betreibt 1895 neben seiner Landwirtschaft eine Manufaktur- Colonial- und Eisenwarenhandlung. Zudem betätigt er sich als Auktionator (14) und Rechtspraktikant. Im Sauerland sagt man: „Er rührte in allen Pötten“.
Sein wirtschaftlicher Erfolg, der im Dorf unübersehbar wird, bestätigt ihn und sein emsiges Wirken als Geschäftsmann. Zuhause ist Clemens Vogelheim jedoch der Patriarch (15). Auch für seine Kinder ist er der „Übervater“, dem keiner „das Wasser reichen kann“ und dem man tunlichst nicht zu widersprechen hatte.
Wird sein ältester Sohn Clemens [der Zweite] wohl in seine Fußstapfen treten können und wird er dem Anspruch seines Vaters genügen?

Jedes Foto wird zur Inszenierung
seiner Selbstdarstellung
Ob man Clemens Vogelheim [der Zweite] als „Lebemann“ im Dorf bezeichnete, ist nicht bekannt. Ob man ihm damit Unrecht täte, ebenso wenig. Wenigstens verhielt er sich, dank der begüterten Verhältnisse, nicht so wie es die meisten jungen Männer in seinem Alter in Cobbenrode taten. Jene, die als Bauern, Handwerker oder Bergarbeiter ihr spärliches Einkommen mühsam erwarben, traten anders auf, sahen anders aus wie dieser, den man auf einigen Fotografien entdecken kann.
Man sieht den jungen Clemens in edlem Tuch gekleidet, er trägt einen Siegelring an der linken Hand, hält genussvoll einen Zigarillo, trägt eine kostbare Taschenuhr, schmückt sich mit Accessoires wie Einstecktuch und Stehkragen, einem sog. „Vatermörder“, und auf jüngeren Fotos trägt er einen „Kneifer“, eine bügellose Brille auf der Nase. Sind heute Sportwagen, Gitarre und Latte Macchiato vor dem Sonnenuntergang die Mittel zur Selbstinszenierung, so zog damals Clemens Junior als Fahrer eines luftbereiften Drahtesels den Neid der Besitzlosen auf sich.
Mit Gleichgesinnten ließ er sich gar im Atelier des Fotografen C.F. Schrage in Neheim a. d. Ruhr ablichten, nicht aber ohne Requisiten zur Aufwertung seines Selbstbildes, wie Fahrrad, Musikinstrument, Reitkappe und Gerte. Sein oft finsterer Blick, seine ernste Miene, fällt dem Betrachter auf. War dieses Verhalten die Maske für eine tiefe Unsicherheit und mangelndes Selbstwertgefühl?
Dreimal täglich erscheint die Postkutsche

Längst hat man sich in Cobbenrode an das Erscheinen der Postkutsche gewöhnt. Sie macht auf ihrem täglichen Weg von Arnsberg über Meschede und Eslohe nach Olpe Halt am „Gasthof zur Post“. Der Postillion lädt Briefe und Pakete ab und manchmal steigen auch Fahrgäste aus, vertreten sich kurz die Beine, bevor die Reise weitergeht.
Es ist im Frühjahr 1887 als eine junge Frau aus dem Wagenkasten steigt und sich suchend umsieht. Der Kutscher nimmt ihr Gepäck vom Wagen und es wird offensichtlich, dass sie nicht nur für eine Nacht in Cobbenrode bleiben wird.
Die junge Frau heißt Anna Kalthoff. Sie ist müde von ihrer Reise als sie aus der Postkutsche steigt, hatte sie doch eine Tagesreise von fast neun preußische Landmeilen (heute: 65 km). Bis zu sieben, acht Stunden brauchte damals eine Postkutsche ohne Halt für diese Strecke.
Anna wird bei Erwitte die erste Kutsche der Linie von Lippstadt nach Meschede bestiegen haben. Sie führte über die Staatschaussee von Minden über Meschede, die nach 1816 bis Koblenz gebaut wurde. 1828 war die Passstraße über den 540 Meter hohen Stimmstamm mit einem Hebestellenhaus fertiggestellt (16), das nun 1887 eine gemütliche Gaststätte, nicht nur für Reisende ist. Auch Anna muss am Stimmstamm Rast einlegt haben: Die Pferde wurden gewechselt. Von Warstein bis zur Passhöhe hatten sie harte Arbeit leisten müssen. Für die Fahrgäste hält der Wirt Getränke und einfache Speisen bereit (17). Mit frischen Pferden wurde die Fahrt talabwärts fortgesetzt. In Meschede traf die Postkutsche auf die Linie Arnsberg – Meschede – Eslohe bis nach Olpe mit Halt in Cobbenrode, Annas Reiseziel.

Anna Kalthoff kommt nach Cobbenrode um hier ihre erste Stelle als Dorfschullehrerin anzutreten. Sie wird ihre Vorgängerin Anna Schäfer ablösen, die gerade mal drei Jahre hier ihre Stelle innehatte und nun versetzt wurde. Wahrscheinlich ist, dass Anna zuerst den „Gasthof zur Post“ aufsuchte, um nach dem Haus vom Pfarrer Engelbert Mönnigs zu fragen. Möglich ist, dass ihr dabei der sechszehn Jahre junge Clemens Vogelheim, ältester Sohn des Wirtes, begegnet ist.
Hier beginnt die Erzählung des Buches:
„Anna oder: was von einem Leben bleibt“
Der Autor Henning Sußebach hat in seinem Werk die Geschichte seiner Urgroßmutter erforscht und meisterhaft geschildert. Es besteht keine Veranlassung und es liegt mir fern, seine Recherchen in Zweifel zu ziehen oder gar zu wagen, Geschriebenes zu korrigieren. Meine Absicht ist der Versuch das längst vergessene und wüst gefallene Dorf „Vogelheim“ mit der Gegenwart zu verbinden. Um diese Geschichte im Ansatz zu verstehen übernehme ich – in gebotener Kürze – einige Lebensdaten der Protagonistin Anna, da diese mit ihrem Leben und Wirken zu einem gewichtigen Anteil an der Familien- und Dorfgeschichte beigetragen hat.
So fahre ich fort:
Annas Jugendjahre
Anna Kalthoff wurde als jüngstes Kind der Eheleute, dem Schankwirt Friedrich und dessen Ehefrau Franziska Theodora Kalthoff am 29. April 1866 in Horn (18) geboren. Sie wuchs mit sieben Geschwistern in einem Gasthaus, gegenüber der Pfarrkirche gelegen, auf. Nach dem Tod des Vaters 1878, er litt an der Wassersucht, verblieb die Mutter mit acht minderjährigen Kindern und musste das Anwesen verkaufen. Anna ist zwölf Jahre alt als der Vater stirbt. Ihr wird der Weg bestimmt: Sie musste ihr Dorf verlassen und wurde auf eine Höhere Mädchenschule zur Vorbereitung auf einen Lehrberuf geschickt. Es wütet in Deutschland der Kulturkampf. Schwestern aus Münster gründeten in Steyl/ Holland das „St. Josefs-Kloster“, ein Zufluchtsort in dem auch Anna mit einem anderen Mädchen aus Horn als Klosterschülerin eine neue Heimat findet.
Anna wird als Schülerin für ihren überdurchschnittlichem Fleiß mit Bestnoten in bestandenen Prüfungen belohnt. Es folgt die Vorbereitung auf den Lehrberuf (lat.: „Praeparatio“). Ihr Examen wird sie im thüringischen Erfurt ablegen. Nach bestandenem Staatsexamen steht ihre Verbeamtung an. Sie ist zum Unterrichten als angestellte Lehrkraft berechtigt. Ihre erste Stelle wird die Dorfschule in Cobbenrode sein. Als sie dort 1887 ihren Dienst beginnt ist sie zwanzig Jahre jung und der Kulturkampf hatte geendet.
Der Pfarrer hielt selbst Schule
Im Jahre 1716 wurde im Visitationsbericht der Pfarrgemeinde Cobbenrode festgestellt: „Es gibt keinen Lehrer, denn er ist im Winter entlassen und der Pastor hält selbst Schule…“ Auch mangelt es an Lehrmaterial, denn es fehlen katholische Schulbücher.
1799 wurde berichtet, dass niemals ein beständiger Schullehrer in Cobbenrode gewesen sei. Nur der Küster habe zuweilen im Winter Schule gehalten, was nicht mehr geschehe, da man nun winters einen auswärtigen Lehrer kommen lasse, dem man das gleiche akkordierte [vereinbarte] Schulgeld zahle (19).

Als das Herzogtum Westfalen preußisch wurde, setzte sich auch hier die vom preußischen König verordnete Schulpflicht durch. Etwa ab 1830 wurde in Cobbenrode in einem Zimmer des alten Küsterhauses regelmäßig Unterricht durch den Küster und Lehrer Josef Schade erteilt. Die Schulpflicht und damit eine wachsende Zahl der regelmäßig am Unterricht teilnehmenden Kinder führte dazu, dass der Raum im Küsterhaus zu klein wurde. Da „hat man ein besonderes Lokal daran gebaut, klein und niedrig – nach alter Manier“ (20).
Einige Jahre später (1869/70) ließ die Gemeinde Cobbenrode ein neues, aber viel zu kleines Schulgebäude an der Straße nach Obermarpe errichten. Schon zehn Jahre später reichte der Platz wiederum nicht mehr aus. Ein zweiter Schulraum wurde in einfachster Weise angebaut. Jungen und Mädchen wurden getrennt voneinander unterrichtet. So waren die Verhältnisse, wie sie die neue Lehrerin zu Beginn ihrer Tätigkeit 1887 vorfand.
Pastor Mönnigs und sein Einfluss auf das Schulwesen

Auch nach Ende des Kulturkampfs hatte die Kirche noch, wenn auch eingeschränkten Einfluss auf das Schulwesen. Die Tradition konnte sie nicht einfach abstreifen, hatte sie doch seit dem Mittelalter den Alltag der Menschen, so auch deren Bildung dominiert und geprägt. Dass der Lehrplan christlich gestaltet war, darauf achtete immer noch der Pfarrer. Das Lesen der Bibel und Heiligenlegenden sowie dem Abschreiben christlicher Texte war Pflichtübung. Aber auch Lesen, Schreiben, Singen und Latein stand im Vordergrund. Mit Disziplin, Fleiß und Gehorsam sollten die Kinder auf das spätere Leben vorbereitet werden. Körperliche Züchtigungen, wie Schläge mit dem Rohrstock oder Lineal auf die Handfläche waren üblich um diese Erziehungsziele durchzusetzen. Dass der Pfarrer eng mit der Dorfschule in Cobbenrode verbunden war, bezeugen Klassenfotos, auf denen die Schüler mit den Lehrern, aber auch mit Pastor Mönnigs abgelichtet wurden.
Daher ist begründet, dass Anna Kalthoff zuerst bei Pastor Engelbert Mönnigs (21) ihre Aufwartung machte, um sich als neue Dorfschullehrerin vorzustellen. Er wird sie sodann an ihren Vorgesetzten verwiesen haben: Franz Luhmann (von 1878 bis 1905 Lehrer in Cobbenrode) hatte eine Wohnung im Schulhaus. Für Anna stand die Dachkammer als bescheidene Unterkunft bereit.
Zum Pfarrhaus gehörte Land
Im alten Pfarrhaus in Cobbenrode, welches 1904 wegen Baufälligkeit abgebrochen und ein neues Haus für den jeweiligen Pfarrer errichtet wurde, waren noch Stallungen vorhanden. Es war üblich, dass die Pfarrer sich früher nicht ausschließlich mit religiösen Glaubensinhalten beschäftigten. Das Wissen über den Anbau von Nutzpflanzen und das Halten von Vieh war ihnen nicht fremd. Bis zum Ende des 19. Jhd. mussten die Pfarrer ihren Großteil des Lebensunterhaltes selbst erwirtschaften. Es galt noch das spätmittelalterliche Pfründe-Wesen. Die Kirchendiener erhielten nur wenig Geld und versorgten sich durch die Arbeit auf dem Feld, im Pfarrgarten und im Stall selbst. Im alten Pfarrhaus in Cobbenrode hat Pastor Mönnigs selbst noch Tiere gehalten.
Das bezeugt ein Foto, welches um 1895 entstand. Der Pfarrer sitzt auf der Bank neben der Haustür des Pfarrhauses, während seine Haushälterin die beiden „Pfarrschweine“ hütet.
Mein Dank gilt Herrn Manfred Luig aus Cobbenrode, der mir dieses wertvolle Bildmaterial zur Verfügung stellte.
Geachtet als Lehrerin, dennoch unerwünschte Schwiegertochter

In Cobbenrode scheint die Dorfschullehrerin Anna Kalthoff angenommen zu sein. Ihre Dienstzeit, die sie hier immerhin über fünfzehn Jahre hinweg erfüllte, ist Zeugnis genug. Wohlmöglich musste sie zu Anfang Vorbehalte gegen sie im Ort zerstreuen, doch schließlich wird sie ihren Platz in der Dorfgemeinschaft eingenommen haben.
Zwar spielte zu jener Zeit der geringe gesellschaftliche Status einer Dorfschullehrerin eine wenn auch untergeordnete Rolle, doch schließlich war sie eine Person, der man als Wissensvermittlerin für die Kinder des Dorfes Vertrauen entgegenbringen wollte.
Die Liebe war letztlich der Grund dafür, dass Anna Kalthoff ihre Stelle als Dorfschullehrerin aufgeben musste. Clemens Vogelheim, ältester Sohn aus dem Gasthof zur Post, hatte ein Auge auf sie geworfen und sie hatte seine Annäherungen erwidert. Sie hatten sich wohl ineinander verliebt und hegten bald den gemeinsamen Wunsch eine Ehe einzugehen. Deren Folge, die Aufkündigung ihres Lehramtes nach dem sog. „Lehrerinnen-Zölibat“ (22), wird Anna wohl bewusst gewesen sein, doch es gab ein anderes, schwerwiegendes Problem, dem sich die beiden Heiratswilligen vorerst fügen mussten: Der Patriarch im „Gasthof zur Post“ missbilligte die Ehe seines Sohnes mit Anna, die für ihn als Dorfschullehrerin eine wenig attraktive Partie war. Sie würde sein Reich „mit leeren Händen“ betreten. Er wünschte sich eine Schwiegertochter, die so wie einst seine Gattin mit einer ordentlichen Mitgift einheiratete. Seine Bedenken nahm Clemens Vogelheim [der Erste] mit ins Grab. Er starb am frühen Morgen des 12. Mai 1902 im Alter von 66 Jahren an Magenkrebs und wurde drei Tage danach zu Grabe getragen. Er hinterließ seine Ehefrau mit sechs Kindern, davon 2 minorenne (minderjährige). Die Witwe Theresia Vogelheim, geb. Henders, starb Heiligabend 24.12.1915 bei ihrer Tochter Theresia van Look in Horn an Altersschwäche.
Klassenfotos mit Anna (Datum der Aufnahmen ist nicht gesichert)
Für neunzig Tage ein schicksalhaftes Erbe
Mit dem Tod des Vaters wurde Clemens Junior Erbe des väterlichen Vermögens. Nun stand seiner Eheschließung mit Anna Kalthoff nichts mehr im Wege. Annas Schuldienst endete schon am 15. Oktober 1902. Es folgt Josefine Bischoff (1902–1912) als neue Dorfschullehrerin. Nach Ende des Trauerjahres (23) begann das Paar mit den Vorbereitungen. Am 4. Juli 1903 schlossen sie in der Pfarrkirche zu Cobbenrode den Bund der Ehe, dem mutmaßlich eine erinnerungswürdige Hochzeitsfeier folgte. Dennoch fällt auf, dass keine fotografischen Nachweise von diesem frohen Ereignis vorhanden sind. Ansonsten finden sich im Archiv (24) relativ viele historische Bildnachweise über die Familie Vogelheim, so auch jene, die das Paar – vermutlich vor ihrer Eheschließung – in Gesellschaft zeigen. Und es fällt auf, dass sie sich jeweils vertraut an den Händen berühren. Ein sehr deutliches Zeichen ihrer besonderen Beziehung zueinander und ein Beweis dafür, dass sie ihre Liebe zueinander öffentlich zeigen und nicht verstecken wollten.
So ist es Brauch: Nachbarn, Freunde und Verwandte werden auf das Wohl der frisch Vermählten angestoßen und ihnen Glück gewünscht haben. „Anna und Clemens stürzten sich ins Leben“, so beschreibt Henning Sußebach die kommende Zeit des Paares. Das Schicksal wollte anderes:
Ende September 1903 will Clemens Vogelheim mit seiner Dreschmaschine das eingefahrene Getreide dreschen, als sich ein Metallstift von einer rotierenden Riemenscheibe löst. Sein Brustkorb wurde getroffen und verletzte ihn so schwer, dass man ihn nach Bochum ins Elisabeth-Hospital bringen musste. Dort stellte sich noch eine Lungen- und Rippenfellentzündung ein, sodass man einen Notar an Clemens Bett holte, um seinen letzten Willen zu testieren. Am 1. Oktober 1903 erlag er seiner schweren Verletzung und ließ nach 90 Tagen „überaus glücklicher Ehe“ (25) seine geliebte Anna im Hause Vogelheim allein zurück.
Ein letztes Zeichen der Liebe und Fürsorge
Es beginnt zweifellos für die junge Witwe eine schwierige Phase ihres Lebens und es wird ihr bewusst gewesen sein, dass sie nicht nur für ihr eigenes Dasein einen Kampf bestehen musste. Sie war offensichtlich eine werdende Mutter und auch ihr verstorbener Gatte ahnte bereits von diesem erfreulichen Umstand. Sorgend hatte er, den Tod vor Augen, noch im Krankenbett einem Notar seinen letzten Willen zu Protokoll gegeben und seiner geliebten Anna die Nutznießung über sein Vermögen gesichert. Sein jüngster Bruder Otto würde der Erbe seines Vermögens sein, sollte aus seiner Ehe mit Anna kein lebendes Kind geboren werden.
Doch Anna erwartet von ihm ein Kind, den künftigen Erben: Im April 1904 gebärt sie einen kleinen gesunden Jungen und gibt ihm den Namen ihres gestorbenen Ehemannes: Clemens [der Dritte].
Anna setzt sich durch
Henning Sußebach schildert, sich in die damalige Situation seiner Urgroßmutter versetzend, wie diese eine schwere und herausfordernde Zeit als Unternehmerin und alleinstehende Mutter zu bestehen hatte. Und er mutmaßt wohl zurecht Diskurse in der Familie Vogelheim zwischen Anna und ihrer Schwiegermutter, vielleicht auch mit den Geschwistern des Verstorbenen. Doch es bleiben Vermutungen, so wie die, dass Anna für diverse Heiratsbewerber als „gute Partie“ gesehen wurde.
Gab es sie, die Verehrer, so konnten sie das Herz ihrer Angebeteten nicht erreichen. Anna aber war dem neuen Dorfschullehrer zugetan, der 1905 die Nachfolge des verstorbenen Lehrers Franz Luhmann antrat. Bernhard Raesfeld, um 1885 als Sohn eines Schuhmachers in Nordkirchen im Münsterland geboren und aufgewachsen, galt als „unauffällig und zurückhaltend“. Mit Anna traf er wohl auch wegen ihrer beruflichen bedingten Harmonie als Pädagogen zueinander. Sie fanden Übereinstimmung in ihrem Denken und Bernhard baute eine geistige Verbindung zu dieser starken Frau auf. Und so werden sich zwischen den beiden trotz eines Altersunterschiedes von 19 Jahren Gefühle entflammt haben, die von der aufmerksamen Nachbarschaft nicht lange unbemerkt blieben.
Dem und allem mutmaßlichen Tratsch und Gerede zum Trotz gingen beide am 24.11.1909 eine eheliche Verbindung ein.
Im April 1911 wurde die gemeinsame Tochter Maria Raesfeld geboren. Anna war da 45 Jahre alt.
Der König rief und alle kamen 1914

Bis zum Jahre 1911 fand jedes Jahr im Februar „bei Vogelheims“ im Gasthof die Musterung, auch Aushebung genannt, statt. An zwei Tagen, am ersten für das Amt Eslohe, im zweiten für das Amt Serkenrode, mussten sich die Wehrpflichtigen hier einfinden. Die jungen Männer erschienen zu dieser Zeit meistens zu Fuß. Nach 1911 fanden die Aushebungen bis zum Ende des „Wilhelminischen Kaiserreichs“ im Gasthof zur Post, Inhaber: Posthalter Schulte, in Eslohe statt.
Im Jahre 1911 formierte sich in Cobbenrode der Kriegerverein. Bernhard Raesfeld wurde am 2.7.1911 in den Vorstand gewählt (26). Es beweist: Er, der Buiterling, ist im Dorf angekommen und wird akzeptiert. Im Januar 1911 hält die letzte mit Pferden gezogene Postkutsche in Cobbenrode. Der „Gasthof zur Post“ wird zur „Kraftpost-Haltestelle“. Die Eisenbahn-Linie Finnentrop – Wennemen ist fertiggestellt. Von nun an treffen Feriengäste am Bahnhof in Eslohe ein und suchen Erholung im Amt Eslohe. Alle Gasthäuser in Cobbenrode profitieren davon: 1912 legt Bernhard das Amt des Dorfschullehrers nieder und führt mit Anna den Gasthof.
Über der Eingangstür steht nun geschrieben:
„Clemens Vogelheim, Inhaber: Raesfeld“.
Im Januar 1911 wird vor der Postagentur am Gasthof zur Post die letzte Postkutsche verabschiedet. Im Hintergrund die mit vier Pferden bespannte Postkutsche, der Postillon hat das Posthorn erhoben. Mit dem Schlitten ist Amtmann Heinrich Groneck angereist, neben ihm seine Ehefrau, gekleidet mit einem weißen Schal. Rechts in Uniform: Polizei-Sergeant Josef Ramrath. (EF II Seite 317)
Die politische Entwicklung im Land machte auch vor Cobbenrode nicht halt. Der lange Arm des Staates reichte auch bis in das kleinste Dorf hinein: Bernhard Raesfeld wird im Frühjahr 1913 als Gefreiter der Reserve zum Manöver einberufen.
1914 melden sich die Männer „zur Fahne“, denn ein Krieg beginnt und fordert seinen Tribut. Der ersten Euphorie konnten sich nur wenige entziehen, so auch Bernhard, ein „pflichtbewusster Soldat“, der im zweiten Kriegsjahr zum Dienst gerufen wurde und über Jahre fortblieb. Vermutlich kehrte er erst 1917 zu seiner kleinen Familie zurück.
Bewegte Zeiten und eine unsichere Zukunft
Nach Kriegsende 1919 versuchte man Normalität zu leben. Die Kinder wuchsen heran: Clemens Vogelheim ist fünfzehn und seine kleine Stiefschwester Maria Raesfeld acht Jahre alt. Anna gönnt sich einige Tage der Erholung im Kurort Bad Salzuflen.
Es herrscht seit Kriegsende eine extreme Geldentwertung. Man bezeichnet sie als Hyperinflation. Sie endet 1923 mit der ersten Währungsreform des Jahrhunderts mit unterschiedlichen Folgen für die Menschen. Wie es der Familie Raesfeld/ Vogelheim erging ist unbekannt, da Sparer ihr Geld verloren und regelrecht enteignet wurden. Grundbesitzer und Bauern aber zählten zu den Gewinnern.
Die sog. „goldenen Zwanziger“ brechen an, so nannte man später die kurze Phase wirtschaftlichen Aufschwungs. 1926 baute der Schützenverein eine eigene Schützenhalle, ein festes Gebäude auf dem Grundstück gegenüber Vogelheims (27).
Foto von 1926 beim Cobbenroder Schützenfest in der neuen Halle: Das Königspaar Clemens Vogelheim (III) und seine Verlobte Elisabeth (Else) Rademacher mit Hofstaat, vlnr: Josefine und Ferdinand Hoffmann, Hubert Kracht, das Königspaar, Franz Grobbel als Nachbar, Maria Raesfeld (Halbschwester des Königs) mit Norbert (?) Rademacher aus Heggen (Bruder der Königin) und Martha und Liborius Mues.

Die nächsten Generationen und bedeutsame Geschehnisse in der Familie
Ein Foto zeigt eine Hochzeitsgesellschaft vor dem Gasthof. Gemeinsam sitzen die Eheleute Anna und Bernhard Raesfeld neben der Braut. Diese Aufnahme entstand am 23. Juli 1929. Mit diesem Bild wird an die Hochzeitsfeier des Sohnes Clemens Vogelheim (III) mit Elisabeth (Else) Rademacher erinnert. Die Braut wurde am 13.12.1904 in Heggen (Kreis Olpe) auf dem „Pliesters Hof“ geboren.
Des Bräutigams Mutter Anna wirkt alt und gebrechlich. War sie bereits von ihrer Krankheit gezeichnet? Sie litt an einem bösartigen Tumor: Brustkrebs war damals unheilbar. Am 4. März 1932 im Alter von 65 Jahren wurde sie, die stets eine Kämpferin gewesen ist, von ihrem Leiden erlöst.
Abschied von Anna: Ein paar Fotos zur Erinnerung an eine starke Frau

Mit Annas Tod änderte sich einiges im Hause Vogelheim. Bezeichnend ist, dass nach kurzer Zeit die Tochter Maria Raesfeld eine Ehe einging. Sie heiratete am 22. Mai 1932 im Standesamt Cobbenrode Paul Habbel. Dieser war am 11.10.1903 in Cobbenrode geboren, ein Schulkamerad ihres Halbbruders Clemens Vogelheim (Beide gingen am 19.04.1914 zur Ersten Kommunionfeier). Paul Habbel war der Sohn des Landwirts Johannes Habbel und Josefa Habbel, geborene Henkel aus Ober-Landenbeck von „Einhaus“ (Eintragung im Kirchenbuch, gemeint ist Stertberg). Er war in der Amtsverwaltung in Eslohe in die Lehre zum Verwaltungsangestellten gegangen und übte nun seinen Beruf als Stadtobersekretär in Neheim-Hüsten, später als Stadtdirektor in Olpe aus. Die kirchliche Trauung im kleinen Rahmen fand später in Werl statt. Aus ihrer Ehe gingen vier Kinder hervor, die Töchter Annemarie, Luzie, Ingrid und Ursula.
Bernhard Raesfeld blieb als Stiefvater im Hause Vogelheim und unterstützte seinen Stiefsohn Clemens Vogelheim und dessen Ehefrau Else, geb. Rademacher. Auch während des Zweiten Weltkrieges ging der „pflichtbewusste Soldat“ mit über fünfzig Jahren anstelle des „unabkömmlichen“ Stiefsohnes (28) erneut zum Militär. Im Alter von 76 Jahren starb Bernhard Raesfeld 1961.
Acht Kinder gingen aus der Ehe zwischen Clemens und Else Vogelheim hervor: Cäcilia (1930), Doris (1932), Clemens (der Vierte 1933), Dieter (1937), Gerhard (1939), Rainer (1941), Manfred (1943) und Elisabeth (1944).
Der Sohn Dieter Vogelheim, am 13.01.1937 geboren, hatte den Beruf des Landwirtes gelernt und ist mit dem Tod seines Vaters 1963 in die Fußstapfen seiner Eltern getreten. Er übernahm deren Geschäfte.
Dieter Vogelheim war auch Postbediensteter. Als am 1.10.1993 die Postagentur in Cobbenrode schließt, ist er bereits als Postzusteller an der Poststelle in Eslohe beschäftigt. Dieter Vogelheim heiratete 1964 Marlene Hochstein aus Arpe, die am 20.12.1943 geboren war. Aus ihrer Ehe gingen die Kinder Dieter jun. (1965), Anja (1967) und Iris (1970) hervor. Im Jahre 1967 sind Dieter und Marlene das Schützenkönigspaar in Cobbenrode. Fünfzig Jahre danach konnten beide als Jubelpaar die Ehrung der Schützenbruderschaft St. Nikolaus entgegennehmen. Dieter Vogelheim starb am 26.04.2022 im hohen Alter von 85 Jahren. Am 26.09.2025 folgte ihm seine Frau Marlene „im Tode nach“.
Ihr Sohn Dieter Vogelheim jun ist ledig und führt heute in Cobbenrode allein den „Gasthof zur Post“, nun bereits in sechster Generation. Für ihn und andere Gastronomen ist es eine schwierige Zeit: Der akute Mangel an qualifiziertem Personal und ein enormer finanzieller Druck durch gestiegene Kosten für Elektrizität, Heizung und Lebensmittel machen der Gastronomie allgemein Probleme. Es wird sich zeigen, ob Vogelheims Gasthof noch eine Zukunft haben wird.
Da habe ich mir zum guten Schluss mit Hilfe der KI einen kleinen Scherz erlaubt: Der Gasthof zur Post im Jahre 2025 (links im Original) und aus der Vergangenheit gebeamt: Eine vierspännige Postkutsche aus dem 19. Jahrhundert. ChatGPT macht es möglich!
Erläuterungen:
01.Meine Recherchen beruhen u.a. auf eine Familienchronik der Vogelheims, die Manfred Vogelheim aus Aachen erstellte. Weitere Informationen und Bilddokumente erhielt ich von Andreas Wienand aus Köln, auch ein Nachfahre der großen Familie Vogelheim. Wie so oft bemühte ich die 1977 von Josef Lauber aus Reiste veröffentlichten Stammreihen Sauerländischer Familien, hier den Band IV, der das Kirchspiel Berghausen behandelt. Einsicht in die online gestellten Kirchenbücher der Pfarreien Berghausen, Cobbenrode, Eslohe und Oedingen halfen zudem. Nicht zu Letzt stand das zum 700jährigen Ortsjubiläum herausgegebenen Buch von Alfred Bruns (+ 2024) „Cobbenrode 1293-1993“ zur Verfügung.
02.Feldmanns Hof in Heiminghausen ist der Stammsitz meiner Ahnen. Anfang April 1945 wurde Großvaters väterlicher Hof in Heiminghausen durch Brandbomben der Alliierten vollständig vernichtet. Ein großer Bestand an historisch wertvollen Urkunden sind dabei dem Feuer zum Opfer gefallen. Es ist deshalb ein glücklicher Zufall, dass Sanitätsrat Dr. Franz Kieserling schon früh nach Urkunden auf den Höfen suchte und deren Inhalt dokumentierte.
03.Bereits 1536 wird in der Schatzungsliste der Amtsschreiber Thoenes Sasse erwähnt. Er zahlte keine Steuer.
04.Johannes Jodokus Schnepper war Pfarrer in Cobbenrode von 1827 bis 1844.
05.Schlagfluss: in alten Quellen erläutert als plötzliche, teilweise oder vollständige Lähmung, also ein Schlaganfall
06.Manfred Vogelheim: Josef, der älteste Sohn und einzig überlebendes Kind aus der ersten Ehe emigrierte mit 20 Jahren im Jahre 1844 nach England. Er ging dort in London zu seinem Onkel Franz, der bereits seit 1826 in England lebte. Sie arbeiteten beide als Bierbrauer. 1846 traf die Nachricht in Cobbenrode ein, dass Josef in London tödlich verunglückt war.
07.Gaudentius war ein katholischer Heiliger. Übersetzt heißt es: „der Fröhliche“
08.Der zweitälteste Sohn Wilhelm war Landwirt und Schäfer und heiratete am 18.10.1866 die Theresia Padberg gnt. Huses (geb. in Cobbenrode am 11.09.1836 als Tochter der Eheleute Joseph Padberg und Regina Knoche). Ihre Trauzeugen waren Clemens Blöink vom Sterthof und Maria Catharina Schade, geb. Nöker in Obermarpe. Aus ihrer Ehe gingen fünf Kinder hervor. Man nannte die Familie Vogelheim gnt. Huses.
09.Der Sterthof, der zu Nieder-Cobbenrode zählte, war damals ein sog. „Vorspannhof“. Hier wurden frische Pferde gehalten, die den Fuhrwerken vorgespannt wurden, damit diese mit ihren Lasten die Anhöhe über die Schwartmeke überwinden konnten.
10.Hinweis im Sterbebuch der Kirchengemeinde Cobbenrode: " Joseph Schade, Küster dahier, 55 Jahre, kinderlos, hinterließ Gattin Elisabeth Schade, geb. Vogelheim, starb 26. Oktober 1830 morgens, Auszehrung, beerdigt am 28.10.1830."
11.Hinweise zu Geburten aus der Liste der Erstkommunionen der Pfarrei St. Nikolaus zu Cobbenrode: Theresia Vogelheim ging 1889, August Vogelheim am 26. April 1897 und Otto Vogelheim am 22. April 1900, also damals im Alter von 12 Jahren zur Erstkommunion bei Pfarrer Mönnigs.
12.Mescheder Zeitung Nr. 26 vom 1.4.1879
13.Esloher Forschungen Teil II Seite 316
14.Annonce im März 1875: „Auctions-Commissar“
15.Der Begriff kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „Vaterherrschaft“.
16.Mit der Einführung der „Dotationsgesetzgebung“ 1875 wurde die Straßengebäude und -verwaltung an den Provinzialverband übertragen. Bis dahin wurde der Wegezoll erhoben, der nun eingestellt und das Hebestellenhaus auf dem Stimmstamm zu einer Gaststätte umgebaut wurde.
17.Der Abschied von der letzten Postkutsche auf dem Stimmstamm war damals emotional, da eine Ära zu Ende ging: Am 3.5.1921 traf hier die letzte Postkutsche der Linie Lippstadt – Meschede auf das erste Postauto.
18.Horn (heute: Horn-Millinghausen) ist ein Ortsteil der Stadt Erwitte im Kreis Soest. Der Ort ist bekannt für seine historische Pfarrkirche St. Cyriakus mit romanischem Kirchturm.
19.(a) Esloher Forschungen III, Seite 336 und (b) Seite 339
20.Chronik Cobbenrode 1293-1993 von Alfred Bruns, Seite 35
21.Engelbert Mönnigs war von 1860 bis 1902 Pfarrer in der Kirchengemeinde Cobbenrode. Er starb hier 1910.
22.Das Lehrerinnenzölibat bedeutet ein Heiratsverbot, also ein Verbot für verheiratete Lehrerinnen im Schuldienst zu bleiben. Das hängt mit den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vorstellungen des 19. Und frühen 20. Jhd. zusammen und war tatsächlich gesetzlich in Deutschland von 1880 bis in die fünfziger Jahre vorgeschrieben. Bei Heirat musste die Lehrerin kündigen oder wurde entlassen. Als Grund stand damals, dass der Erwerb durch die Ehefrau als „unnötig“ galt, weil der Ehemann als Haupternährer sorgte. Zudem seien Lehrerinnen „abgelenkt“ oder „überlastet“, weil sie sich um die eigenen Kinder und den Haushalt kümmern müsse. Auch die Heimatdichterin Christine Koch, geb. Wüllner, teilte dieses Schicksal. Ihr Schuldienst endete zum 1.1.1905 wg. Heirat auf den Hof ihres Ehemannes in Bracht (EF IV Seite 453).
23.Das Trauerjahr ist der Zeitraum von einem Jahr nach dem Tod eines nahen Angehörigen. Schon die Nachbarschaft achtete früher mit Argusaugen darauf, wie sich die Familienangehörigen nach einem Trauerfall verhielten. Eine fröhliche Hochzeitsfeier innerhalb dieses Trauerjahres war undenkbar.
24.Gemeint ist das sog. „Kappe-Archiv“ im DampfLandLeute- Museum, in das der Autor Zugriff hat.
25.Auszug aus dem Totenzettel „zum christlich-frommen Andenken an den Kaufmann und Gastwirt Clemens Vogelheim …“
26.Esloher Forschungen IV Seite 391
27.Die alte Schützenhalle brannte 1945 in den letzten Kriegstagen nach Beschuss der Alliierten und Sprengung eines Panzers vollständig nieder. Die Schützenfeste nach dem Krieg wurden vorerst im alten Schulsaal, der durch ein Zelt vergrößert wurde, gefeiert. Doch schon bald wurde mit großer Kraftanstrengung eine neue Schützenhalle an neuer Stelle, die der heutigen entspricht, errichtet. Zum Schützenfest 1949 konnte diese eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben werden. So berichtet die Website der St. Nikolaus-Schützenbruderschaft Cobbenrode.
28.Da die Post eine wichtige Rolle für die Logistik und Kommunikation des Militärs spielte, wurden viele Postbedienstete als kriegswichtig eingestuft und ihre Freistellung vom Dienst beantragt.
