Frankfurt: Eine Stadt voller Gegensätze


Frankfurt am Main: So präsentierte sie sich mir in zwei Tagen im August 2025.

Sie ist eine Stadt der Gegensätze und Kontraste. Und das in vielfacher Hinsicht: Da läuft ein Banker in teurem Tuch mit Lederkoffer in seinen Feierabend, vorbei am Hauseingang in dem ein Obdachloser kauert und aus einer Schnapsflasche trinkt. Die Stadt ist proppenvoll mit Geschäften, Bars, Restaurants und Cafés, in denen man es sich gut gehen lassen kann. Doch mit Kleingeld allein kommt man nicht weit. Das reicht bereits im Bahnhof nur für einen Toilettengang. 

Gegensätze auf einem Foto
Gegensätze auf einem Foto

Für einen wie mich, der das Landleben schätzt und nicht an das Leben in einer Millionenstadt wie Frankfurt gewöhnt ist,  wirkt der Schritt hinaus aus dem Zug auf den Bahnsteig wie der Eintritt in eine andere Dimension. Die Betriebsamkeit, Hektik und Eile der Menschen bin ich nicht gewohnt und ist mir fremd. Es bedarf erstmal einer Orientierung:  Nur bald hinaus aus diesem babylonischen Stimmengewirr!

Auf dem Weg ins nicht fern liegende Hotel rappelt mein Rollkoffer über Asphalt und Pflaster. Das Bahnhofsviertel sei berüchtigt wegen der zwielichtigen Gestalten, hat man mich gewarnt. So beäuge ich aus dem Augenwinkel misstrauisch die Männer, die gerade an einer Hauswand gelehnt, blauen Dunst in die Welt blasen. Welches Kraut die wohl rauchen? Das frage ich zu mir und sehe zu, dass ich mein Hotel zügig erreiche. Schon stehe ich davor. Eine gläserne Türe öffnet sich für mich automatisch und ich trete hinein in ein modernes Ambiente. Freundliche Menschen nehmen mich im Foyer in Empfang und ich spüre: Sie wollen gute Gastgeber sein. Es muss Fluch und Segen zugleich sein, in diesem Viertel ein Hotel zu betreiben. Die Nähe zum Bahnhof, die auch mich überzeugte und deshalb dort buchte, ist die gute Seite der Medaille. Die Schattenseite liegt draußen vor der gläsernen Eingangstür.  

 

Ein Taxi zu finden gestaltet sich in Frankfurt problemlos. Auch das ist anders wie ich das, was ich aufm Land gewohnt bin. Sie warten in langen Reihen auf Kundschaft. Ihre Fahrer kommen aus aller Welt. Ebenso vielfältig wie ihre Herkunft ist ihre Art auf ihre Kunden einzugehen: Sie sind freundlich reserviert oder offen für ein kurzes Zwiegespräch. Sie fahren wortlos durch das Gewirr von Straßen oder sind redselig und geben so nebenbei guten Rat für günstigen Einkauf oder die Einkehr in ein gutes Lokal. Auch beim Taxifahren: Gegensätze. 

 

Schon mit Blick aus dem Auto erkenne ich eine moderne Stadt. Da wechseln historische Gebäude die Sichtachse mit modernen Bauten. Beton, Glas und Stahl sind im Bankenviertel in die Höhe gerichtet. Banken und Versicherungen: Sie haben sich überboten in der Dimension ihrer Bauten, wollten ihre Größe und Macht sichtbar machen. Ein Wahrzeichen ist der Commerzbank Tower mit fast 260 Meter Höhe, nur übertrumpft vom Fernsehturm. Die Aufsichtsplattform des Main Towers ist für Besucher zugänglich. Von hier aus in 200 Meter Höhe überblicke ich die Stadt, den Hauptbahnhof, sehe die Jets im Landeanflug auf den in der Ferne liegenden Frankfurter Flughafen. Unter mir eine Welt - von Menschen geschaffen! 

Meine Fotos von der Aussichtsplattform des Main Towers


Das Gutenberg-Denkmal ist ein imposanter Kontrast zu den umgebenden Hochhäusern des Bankenviertels:

Foto-Studie: Das Gutenberg-Denkmal auf dem Roßmarkt vor dem Tower der Deka-Bank
Foto-Studie: Das Gutenberg-Denkmal auf dem Roßmarkt vor dem Tower der Deka-Bank

Dieses Denkmal, das ein Brunnen ist, erinnert an Johannes Gutenberg, den Erfinder des Buchdrucks. Auch seine Frankfurter Weggefährten Johannes Fust und Peter Schöffer finden eindrucksvoll ihren Platz auf diesem Monument deutscher Geschichte.

Es symbolisiert den Fortschritt und die Verbreitung von Wissen durch die Buchdruckkunst. Gutenbergs Erfindung war eine Revolution, ähnlich wie die des Internets. 

Gutenbergs Denkmal steht scheinbar im Widerspruch zu seinem Umfeld, den aufragenden Bürohäusern aus der Neuzeit. Dennoch: Auch der Bau gläsernen Bankentürme, eine Ingenieurskunst, bedeuteten Aufbruch und Zeitenwende. 

 


Ich bin fasziniert von der Sicht auf das scheinbar Widersprüchliche und machte diese ausdrucksvollen Bilder:  



Die Frankfurter Paulskirche ist die Wiege der deutschen Demokratie

In der Paulskirche versammelten sich im Mai 1848 liberale, radikaldemokratische und monarchie-treue Abgeordnete, um eine freiheitliche Verfassung und einen geeinten deutschen Nationalstaat zu beschließen. Sie gilt seither als Symbol der ersten deutschen Demokratiebewegung. Dieser Rundbau, der ab 1789 in 44jähriger Bauzeit errichtet wurde, ist heute ein Ort für Veranstaltungen, wie Konzerte, Reden und Preisverleihungen. Es ist ein nationales Denkmal, das für ganz Deutschland wichtig ist. 

Meine Fotos entstanden in dem Rundsaal, der in der Nachkriegszeit neu gestaltet wurde. 1944 brannte die Paulskirche nach einem Luftangriff der Alliierten aus. 


Die Frankfurter Zeil ist eine lebendige Einkaufsmeile 

Früher war die Zeil vor allem für ihre prächtigen Gasthöfe und Palais aus der Zeit des Barock und dem Klassizismus bekannt. Heute ist diese Straße eine Fußgängerzone und gilt als eine der umsatzstärksten Einkaufsstraßen Deutschlands. Bekannte Firmen aus der Modebranche haben hier ihre nobel eingerichteten Konsumtempel und locken mit ihren werbewirksamen Auslagen. Deshalb mahnte der Taxifahrer mit einem Augenzwinkern, die Geldbörse fest im Griff zu halten. Auch für meine Kamera waren interessante Objekte sichtbar: 


Am Römerberg in Frankfurt

"Der Römer": Unter dieser Bezeichnung wird seit Jahrhunderten der Rathaus-Komplex am Römerberg bezeichnet. Hier ist seit dem 15. Jahrhundert das Rathaus der Stadt. Es erscheint in einer charakteristischen Treppengiebel-Fassade und ist eines der bedeutendsten historischen Wahrzeichen in Frankfurt. Die örtliche Nähe des Rathauses zur Kirche und dem Markt- und Handelsplatz ist typischer mittelalterlicher Städtebau. Teil des Rathauses ist der Kaisersaal. Der großräumige Marktplatz wird mit aufwändigem Fachwerk gezierten historisch wertvollen  Geschäfts- und Gasthäusern eingegrenzt. Auffällig ist der Brunnen auf dem Marktplatz. Auch er ist ein Wahrzeichen der Stadt und wird "Gerechtigkeitsbrunnen" genannt und besteht in seiner heutigen Form bereits seit 1611. Der heutige ist aber eine detailgetreue Kopie aus dem Jahr 1887, die ein Frankfurter Weinhändler finanzierte. Als Brunnenfigur ist die Justitia platziert. Der Marktplatz und das umliegende Gebäude-Ensemble am Römerberg ist Frankfurts Altstadt und Touristenmagnet zugleich. Auch mich beeindruckte dieser Ort,  der nur einen Steinwurf vom Main-Ufer gelegen ist.   

Am Römer: Der Gerechtigkeitsbrunnen mit Justitia. Im Hintergrund historische Markthäuser mit reichem Fachwerk-Schmuck
Am Römer: Der Gerechtigkeitsbrunnen mit Justitia. Im Hintergrund historische Markthäuser mit reichem Fachwerk-Schmuck

Johann Wolfgang von Goethe erblickte am Großen Hirschgraben das Licht der Welt

Johann Wolfgang von Goethe (Foto vom Gemälde im Goethe-Haus)
Johann Wolfgang von Goethe (Foto vom Gemälde im Goethe-Haus)

 

 

 

 

Goethe wurde am 28. August 1749 als Sohn einer wohlhabenden Familie in Frankfurt geboren. Sein Elternhaus, indem der bekannte deutsche Dichter, Politiker und Naturforscher aufwuchs, steht in der Straße "Am großen Hirschgraben", inmitten der Frankfurter Innenstadt. Es ist heute eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Stadt und wurde unmittelbar nach Kriegsende wieder aufgebaut, da es durch Kriegseinwirkung zu großen Teilen zerstört war.

 

Eine Besichtigung lohnt sich, nicht nur um einen Eindruck vom situierten Leben Goethes zu erhalten. Beeindruckend ist die im Goethe-Haus ausgestellte barocke Einrichtung mit wertvollen Möbeln, Standuhren, Lüstern und Gemälden. Da wird bewusst, dass der junge talentierte Goethe in für ihn günstigen Verhältnissen aufwuchs.

 

Er und seine Schwester Cornelia erfuhren eine aufwändige Ausbildung durch Hauslehrer. Es folgten Studien der Rechtswissenschaft in Leipzig und Straßburg. Als Advokat war Goethe in Wetzlar und Frankfurt tätig, folgte aber seiner Neigung zur Dichtkunst. Seine literarische Werke sind Lyrik, Dramen, autobiografische, kunst- und literaturtheoretische sowie naturwissenschaftliche Schriften.

Im Ausland wurde er als Repräsentant des geistigen Deutschlands angesehen. 

Als ich das Goethe-Haus erkunde fällt mein Blick durch die bleiverglasten kleinen Fenster. Ich schaue auf die Silhouette eines Wolkenkratzers. Goethe wird von hier eine andere Sicht auf seine aufstrebende Stadt gehabt haben. Noch im 19. Jahrhundert befanden sich in dieser Straße weitere Bürgerhäuser und Höfe aus dem späten 16. Jahrhundert, eine Wohngegend reicher Frankfurter Bürger. Der Straßenname entstand, weil um 1400 die Stadt in einem Graben außerhalb der mittelalterlichen Staufenmauer, Hirsche ansiedelte. Alljährlich wurde damals ein großes Hirschessen für die städtischen Beamten abgehalten. Erst 1580 wurde der Graben zugeschüttet, doch der Name "Großer Hirschgraben" blieb erhalten.  


"Urworte - Orphisch" :   Ich habe im Goethehaus dazugelernt!

Zu Goethes späten philosophischen Arbeiten zählt sein Gedichtzyklus über die "Urworte - Orphisch", die er erstmals 1817 veröffentlichte. Er versuchte damit, die sog. "Grundkräfte des Lebens" in Worte zu fassen und stütze sich auf fünf altgriechische Begriffe, die er als "Grundworte = Urworte" des menschlichen Daseins versteht.

Er nannte sie "orphisch" in Anlehnung an Orpheus und die alte Mysterien- und Weisheitstradition: 

1) DAMON: Es ist das jedem Menschen von der Schicksalsmacht zugewiesene innere Wesen. Es bestimmt die unverwechselbare Eigenart und Lebensbahn eines Menschen, jenseits von Zufall oder äußerem Einfluss:

"wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen..." (dazu nebenstehender Text, der im Geburtszimmer Goethes ausgestellt ist)

2) TYCHE: Es ist der Zufall, das Glück oder Unglück und verkörpert das Unvorhersehbare im Leben.

3)EROS: Die Liebe besteht als verbindende Kraft, stiftet Beziehungen, zieht Menschen zueinander und lässt Neues entstehen

4)ANANKE: Das Wort steht für die unabwendbare Notwendigkeit, denn alles was geschehen muss, geschieht von selbst - auch wenn wir uns dagegenstemmen.

5) ELPIS: Es ist die Hoffnung und der Blick in die Zukunft. Sie gibt die Kraft auch gegen Widrigkeiten zu bestehen und ist zugleich Trost.