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(C) Wilhelm Feldmann
Die Besitzer vom Schultenhof in Eslohe waren bereitwillig und hatten zugestimmt, dass Norbert Budziosz, ein vom LWL in Westfalen zugelassener „Sondler“, auf ihrem hofeigenen Bauernland nach einst verlorenen Dingen suchen darf. Mit Metalldetektor und Spaten ausgerüstet, hat der Sondengänger im Sommer 2025 systematisch die Ackerflächen des Hofes in Eslohe zwischen Westenfeld, Kapellenfeld und der Rochuskapelle abgesucht. Und tatsächlich hat der gute Wille des Eigentümers und die Beharrlichkeit von Norbert Budziosz dazu geführt, dass Interessantes ans Tageslicht gebracht werden konnte, was über Jahrhunderte im Boden schlummerte (01).
Diese Fundstücke schweigen nicht. Sie erzählen aus der Zeit, die über 250 Jahre vor unserer liegt und in der sie wissentlich oder ungewollt zurückgelassen und vergessen wurden. Es ist eine spannende Reise in die Vergangenheit und sie führt uns mitten hinein in eine Zeit der Wirren, zurück in einen Krieg, den man später als den „Siebenjährigen“ bezeichnete. Deshalb schauen wir in die Geschichtsbücher, bevor wir uns den Fundstücken nähern.
Bildbeschreibung:
Radierung von Waldemar Hoya (1889-1952):
Die Pestkapelle am Steltenberg, dem Hl. Rochus geweiht. Im Tal erkennt man Eslohe mit dem Turm der Pfarrkirche St. Peter und Paul. Waldemar Hoya war ein nicht unbedeutender deutscher Maler und Grafiker. Er ist bekannt für seine Radierungen, die oft Motive aus Westfalen und Norddeutschland zeigen. Seine Werke sind klassisch-gegenständlich und meistens handsigniert.
Das kurkölnische Sauerland im Siebenjährigen Krieg (1756-1763)
Der unheilvolle Anfang dieses Krieges begann außerhalb unserer Heimat, als 1755 England und Frankreich sich feierlich gegenseitig den Krieg erklärten. Dabei ging es um kolonialen Besitz, als man schließlich den Krieg nach Europa hineintrug. Die Franzosen glaubten, wenn sie Hannover besetzten, England empfindlich treffen zu können. Hannover gehörte zur englischen Krone. Als England in Preußens König Friedrich II einen Verbündeten fand, schloss Frankreich einen Bund mit Österreich. So bildeten sich die Fronten, in denen zweifellos jeder seinen eigenen Vorteil suchte. Friedrich der Große kam den Angriffsplänen Maria Theresias, einzige Regentin des Habsburgerreiches über Österreich, Ungarn und Böhmen zuvor: Sein Heer fiel 1756 in Sachsen ein und kämpfte sofort gegen Österreich, um das eroberte Schlesien zu sichern.
Hintergründig erneut ein Glaubenskrieg?

Einhundert Jahre zurück lagen die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648), der ganz Europa in Atem hielt und an Grausamkeit nicht zu überbieten war. Noch immer warf dieser einen langen Schatten und man erinnerte sich, dass er seinen eigentlichen Anfang bereits mit der Reformation zu Beginn des 16. Jahrhunderts genommen hatte. Daraus entstand der Protestantismus der zum dreißig Jahre währenden Glaubenskrieg wurde. Dieser, so schilderte es einst der sauerländische Dichter Friedrich Wilhelm Grimme in einem seiner literarischen Werke, war „die entsetzlichste Ausgeburt der Glaubensspaltung“. Der Krieg hatte in ganz Deutschland gewütet und auch über das Sauerland in besonderem Maße „seine Schrecken und Gräuel ausgeschüttet“. Und wieder begann 1756, wenn auch hintergründig, ein Glaubenskrieg, in dem sich das katholische Österreich mit Frankreich verbündete und dem protestantischen Preußen mit Großbritannien gegenüberstand. Auch unsere Region war damals politisch und konfessionell gespalten in einen westlichen, protestantischen Teil, der Grafschaft Mark und dem östlichen, dem Herzogtum Westphalen, das zum katholischen Kurfürstentum Köln auf der Seite Österreichs und Frankreich stand.
Wenn man Grimme Glauben schenken mag, hat der Siebenjährige Krieg unser Sauerland nicht so arg wie der Dreißigjährige heimgesucht. Die Hauptschauplätze des Krieges lagen in Sachsen, Schlesien und Böhmen. Dort fanden die größten verlustbringenden Schlachten statt. Auch wenn unsere abseitige Lage weitgehend vor den schlimmsten Gräueln, von Brandschatzungen und Verwüstungen schützte, ist das Sauerland und seine Bewohner dennoch von vielerlei Drangsalen nicht verschont geblieben.
Wohl nur eine Legende
Eine mündliche Überlieferung erzählt, dass auf dem Hof Wortmann in Frielinghausen von den Franzosen Quartier genommen wurde. Sie verlangten Eintritt in Küche und Speisekammer, die ihnen die Frau verwehrte. Man soll sie an den Schweif eines Pferdes gebunden und zu Tode geschleift haben. Diese Erzählung hat keinen Niederschlag in den Kirchenbüchern gefunden. Im Sterbebuch der Pfarrei Eslohe findet sich nur unter dem 16. Januar 1756 eine Eintragung über eine Verstorbene namens Elisabeth Fischer auf Wortmanns Hof (02).
Der Krieg war zu dieser Zeit hier noch nicht spürbar. Die Franzosen überschritten den Rhein mit zwei Heeren erst im Frühjahr 1757. Eines drang über Kurhessen zur Weser nach Hannover, während das zweite Heer von Düsseldorf oder Wesel durch das Lippetal über Paderborn und dem Münsterland nach Hannover vorrückte.
Es scheint wohl eine Legende zu sein, die mein Nachbar Heinrich Heymer einst in seinen Aufzeichnungen erzählte.
Nicht nur der Franzmann zieht durchs Westfalenland

Während man in den beiden ersten Jahren des Krieges im Herzogtum Westfalen nur wenig vom Krieg zu spüren bekam, wurde das im Jahre 1758 anders. Frankreich etablierte eine eigene Militärverwaltung in besetzten westfälischen Gebieten, um die Ressourcen der Region für ihre Kriegsführung zu sichern. Auch unser Teil des Sauerlandes wurde von der vom Rheinland her durchziehenden Soldateska der Franzosen gefordert.
Im Sommer 1758 hatte Arnsberg unter der Einquartierung einer französischen Heeresabteilung zu leiden. Auch die Umgegend musste dazu beizutragen. Die Einquartierungen bezogen auch die Verpflegung der Soldaten durch die Bevölkerung mit ein. Sie wurde gezwungen, horrende Geldsummen, Nahrungsmittel, Getreide, Vieh und Heu – sog. Fourage abzugeben, um die Heere zu versorgen. Erfolgten diese Kontributionen nicht freiwillig, so kam es zu Plünderungen und gewaltsamen Übergriffen durch die Soldaten. Als dann die Franzosen über Attendorn an den Rhein zurückgedrängt wurden, bezogen die alliierten Truppen im Herzogtum Westfalen ihre Winterquartiere. Die hessischen Truppen kamen nach Brilon, Rüthen und Arnsberg und benahmen sich nicht weniger grob und fordernd gegenüber der Bevölkerung.
Gegen Anfang des Monats März 1759 wurden von dem Prinzen von Holstein die besten Pferde aus dem Herzogtum Westfalen ausgehoben (rekrutiert). Die Stadt Arnsberg hatte 4000 Reichstaler Kontribution an die Holsteiner zu zahlen, die mit unerbittlicher Schärfe eingetrieben wurden. Die Stadt und das Umland wurden im Sommer 1760 wieder von den Franzosen belagert. 500 Mann von der alliierten Armee in Lippstadt drangen mit Geschützen vor. Es kam zur Beschießung der Stadt Arnsberg, wobei der Westflügel des Schlosses beschädigt wurde. Sie mussten jedoch unverrichteter Sache wieder abziehen.
Die Schinkenmenschen
Ein großes Übel bestand in der Rekrutierung junger Männer. Sie wurden von den Franzosen oft auf eigene Faust angeworben. Dabei scherten sie sich wenig darum, ob diese gewillt waren, ihrem Heer freiwillig zu dienen. In vielen Orten wurden die besten Leute nach „Will- und Wohlgefallen ausgehoben und mit Gewalt weggenommen“. Das sprach sich schnell herum und deshalb flohen die jungen Leute in die Wälder, wo sie dann wie Vieh von den Franzosen zusammengetrieben und in den Soldatenrock gezwungen wurden. Die Bauern waren angehalten für die Franzosen und deren Nachschub beschwerliche Fahrten mit Pferd und Wagen zu machen. Eine gerechte Belohnung für diese Zwangsarbeit zu fordern, war ein Wagnis und wurde als Akt des Aufbegehrens gesehen.
Die Westfalen wurden damals von ihren Nachbarn die „Schinkenmenschen“ genannt.
In einem Vers hieß es:
„Einen Westfalen zu Speck und Schinken / darfst nicht viel bitten und winken“.
Bezogen auf den Siebenjährigen Krieg wurden die „Söhne der Roten Erde“ ob ihres Sinnes für dieses Fleischgericht in einem Gedicht geschildert.
Es heißt darin:
„Oh Freiheit und oh Vaterland! Was hilft’s, dass ich entfernt von Weib und Kind kriege. /
In Schlesien und Böhmen siege, /
indes der Franzmann froh in meiner Kammer ist, /
und mir die Schinken alle frisst?“

Im Hungerjahr 1761
Das Sauerland, insbesondere Arnsberg, wurde zum Aufmarschgebiet und Schauplatz für französische, wie auch alliierte Truppen der Preußen, Briten und Hannoveraner. Ihre Requirierungen führten dazu, dass für die Bevölkerung wenig für die eigene Versorgung verblieb. Durch Truppendurchzüge und Schanzarbeiten wurden ihre Felder verwüstet und die spärliche Ernte konnte oft nicht eingebracht werden, da viele Männer ihren Kriegsdienst leisten mussten. Zu allem Elend waren die klimatischen Bedingungen ungünstig. Nach einem extremen Winter, der außerordentlich hart und lang anhaltend war und die ohnehin knappen Vorräte frühzeitig aufzehrte, folgte ein regnerisches Frühjahr bis hinein in den Sommer. Zeitgenössische Berichte aus Westfalen schildern eine Phase von sechs bis sieben Wochen mit täglichem Dauerregen und Kälte. Dies behinderte die Reifung des Getreides und die Heuernte massiv. Unterbrochen wurde das schlechte Wetter nur von kurzen, intensiven Hitzephasen. Das Getreide faulte auf dem Halm und blieb ohne Nutzen. Die Preise für Getreide stiegen ins Unermessliche: Das Mütte Roggen kostete 32 Taler (03).
Die Bevölkerung litt an Hunger und Krankheiten breiteten sich infolge Unterernährung aus. Die Anzahl der Sterbefälle in den Pfarreien des Sauerlandes stieg 1761 sprunghaft an, so auch im Kirchspiel Eslohe, wo in diesem Jahr 34 Menschen zu Grabe getragen wurden (04).
Ende 1761 grassierte die Ruhr, der allein im Amt Werl über tausend Menschen zum Opfer fielen. Nördlich der Ruhr kam eine Viehseuche dazu. Überliefert ist, dass damals bei Prozessionen der Vers in der Allerheiligen-Litanei: „Von Pest, Hunger und Krieg erlöse uns oh Herr“ immer dreimal gesungen wurde.
Das Gefecht oder die „Affaire“ bei Bredelar
Am 5. August 1761 kam es zu einem Zusammenstoß zwischen französischen Truppen und den alliierten preußisch-braunschweigischen Kräften. Der Kampf konzentrierte sich auf das Gelände um das Zisterzienserkloster Bredelar, welches dabei erheblich beschädigt wurde. Es war Teil der Bewegungen nach der großen Schlacht bei Vellinghausen (05) als im Juli, das französische Heer vergeblich versucht hatte, in Westfalen strategische Vorteile zu erlangen.
Das Gefecht bei Bredelar dauerte über drei Stunden und war von heftigem Kanonen- und Musketenfeuer geprägt. Es endete für beide Seiten mit wenig Erfolg. Schließlich sollen sich die Franzosen zurückgezogen haben, da ihnen die Munition ausging. Auch den alliierten Truppen gelang es dabei nicht, den Vormarsch der Franzosen in dieser Phase entscheidend zu stoppen (06). Nicht ganz unbeteiligt am Geschehen scheint ein militärliebender Mönch gewesen zu sein, dem man nachsagt, als „Sympathisant“ der Franzosen zum Geheimnisrisiko geworden zu sein (07).
Das Scharmützel bei Reiste
Es war kein großes Gefecht direkt bei Reiste. Dennoch wird von einem Scharmützel bei Reiste berichtet, wo die Alliierten das Nachsehen hatten. Später wurde das Dorf von diesen ausgeplündert, weil sie den Reister Bewohnern die Schuld für ihr Missgeschick zuschoben (08). Dieser militärische Zusammenstoß zwischen französischen und alliierten Truppen soll bei Reiste, zwischen Meschede, Eslohe und Wenholthausen im September 1761 stattgefunden haben (09).
Das Arnsberger Schloss ist heute eine Ruine
Mit dem Bau einer festen Burg durch die Grafen von Westfalen in der Mitte des elften Jahrhunderts auf dem Rüdenberg ist auch als Beginn der Besiedlung der späteren Stadt Arnsberg zu sehen. Diese als „Rüdenburg“ bezeichnete Feste wurde um 1085 geteilt und war Anlass dafür, dass die Grafen bald auf dem heutigen Schlossberg eine zweite, größere Burg errichteten. Diese wurde im Laufe der Zeit mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. Der letzte Graf Gottfried IV verkaufte 1369 Burg und Grafschaft dem Erzstift Köln. Lange blieb die Burg unbeachtet liegen und verwahrloste. Unter Erzbischof Dietrich erlangte sie als Jagdschloss neuen Rang und Bedeutung. Kurfürst Salentin von Isenburg (1567-1577) ließ später die alte Grafenburg bis auf die Grundmauern abbrechen und ein neues Schloss erbauen. Dieses Schloss wurde um 1730 nochmalig von Kurfürst Clemens August umgestaltet. Der Architekt Johann Conrad Schlaun baute es in dessen Auftrag im barocken Stil der Zeit neu aus.
In zeitgenössischen Gemälden zeigt sich, oberhalb der Ruhr thronend, eine prachtvolle, wehrhafte Residenz. Darunter entwickelt sich Arnsberg als eine für das Herzogtum Westphalen bedeutende Hauptstadt. Das Werk ist eine „Zeitaufnahme“, die schon bald nur noch Geschichte sein wird.
Die Beschießung Arnsbergs am 19. April 1762
Arnsberg und das Schloss als militärischer Stützpunkt wurden im Siebenjährigen Krieg als strategisch wichtig erachtet. Der Erbprinz Ferdinand von Braunschweig führte deshalb ein starkes Korps preußischer und verbündeter Truppen gegen die Stadt an um sie von der französischen Besatzung zu befreien.

Die Franzosen hatten sich im Schloss und im nahegelegenen Kloster Wedinghausen verschanzt und vorher alle Anstrengungen betrieben, das Schloss mit Brustwehren, Pallisaden und Außenwerke zu befestigen. Sie holten sogar Kanonen von der Burg Schnellenberg, aus Wocklum und Sümmern und probierten diese am 4. April aus. Bei allem verzichteten sie keineswegs auf ihr Vergnügen, denn sie hatten Schauspieler und Schauspielerinnen, Konzert- und Tanzmeister, Köche und Feinbäcker aus Paris mitgebracht. Konzerte, Bälle und Theatervorstellungen wurden durch den Krieg nicht unterbrochen, während das belagerte Volk am Hungertuch nagte.
Am 17. April 1762 waren unter Führung des Erbprinzen von Braunschweig größere Verbände „über die Haar“ ins Kurkölnische vorgerückt. Der größte Teil näherte sich Arnsberg. Sie postierten ihre Batterien unter anderem auf dem Areal der benachbarten Rüdenburg. Der Erbprinz forderte von den ca. 200 Franzosen die friedliche Übergabe des Schlosses, was abgelehnt wurde. Sie wollten bis zum Äußersten ausharren, versuchten aber eine ehrenvolle Kapitulation auszuhandeln und verlangten freien Abzug mit allen militärischen Ehren, Kanonen, Wagen und sämtlichen Kriegsgerät. Der Erbprinz ging auf diese Forderung nicht ein und ließ das Schloss am 19. April unter massives Feuer nehmen. 2000 Kanonenschüsse, 300 Feuerkugeln und 1200 Bomben sollen Stadt und Schloss getroffen haben. Dabei geriet das prachtvolle Barockschloss in Brand. Wegen dem andauernden Kanonenfeuer wurden Löscharbeiten unmöglich. Rauchgase sowie Einsturzgefahr erschwerten die Verteidigung. Die Lage der französischen Soldaten wurde aussichtslos. Schließlich kapitulierten sie ohne Bedingungen zu stellen und gerieten in Gefangenschaft. Die Alliierten zogen in rauchende Trümmer ein und sprengten einen Turm. Sie vollendeten das Werk der Zerstörung und plünderten das Schloss. In der Stadt rauchten die Trümmer von 53 Häusern.
Plündernde Husaren in Eslohe
Nach der Zerstörung des Arnsberger Schlosses im Sommer 1762 und der Erschöpfung der Kriegsparteien stellten die Truppen die aktiven Kämpfe weitgehend ein. Der tatsächliche Abzug der Einheiten erfolgte erst unmittelbar nach Bekanntgabe der Friedensbedingungen im Frühjahr 1763. Bis dahin durchquerten versprengte Einheiten unser Gebiet, kleinere Truppenteile der Franzosen auf dem Rückzug in ihre Heimat, aber auch Soldaten der Alliierten, die plündernd durchs Land zogen.

Mehrfach berichten die Esloher Pastöre Röingh und Enst in ihren Aufzeichnungen, dass am 14. September 1762 plündernde Soldaten ins Pfarrhaus eingedrungen waren. Sie hatten vorrätige bare Gelder im Kapellenbeutel geraubt. Das Geld, immerhin etwas mehr als 15 Reichstaler, war durch Sammlungen für den Unterhalt der Rochuskapelle in 16 Jahren gespendet worden. Die Pfarrer erwähnten keine Verwüstungen, Brandschatzungen, gar tödliche Gewalt. So hatten die Eindringlinge, die Pastor Röingh als Husaren bezeichnete, es wohl nur auf die blanken Taler abgesehen.
Im Siebenjährigen Krieg waren die Husaren die leichte Kavallerie aller europäischen Armeen, auch die der Franzosen. Diese waren nicht für den direkten Frontangriff gedacht, sondern waren „die Augen und Ohren“ der Armeen, indem sie die feindlichen Stellungen und Truppenbewegungen erkundeten. Sie überfielen Versorgungswege oder führten schnelle Überraschungsangriffe aus, die als „Husarenstreiche“ bekannt wurden. Die eigene Armee schützten sie vor feindlicher Aufklärung und nach einer gewonnenen Schlacht setzten sie dem fliehenden Gegner nach, um diesen endgültig zu zerschlagen. Waren es alliierte Husaren, die nach der Vertreibung der Franzosen aus Arnsberg den versprengten Soldaten nachsetzten? Oder waren es Franzosen, die hier in der Nähe der Rochuskapelle Quartier nahmen und in Eslohe ihr Unwesen trieben?
Musketen-Kugeln und eine Silbermünze
Der Sondengänger Norbert Budziosz ist überzeugt davon, in der Nähe der Rochuskapelle „spannende Überreste“ aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges gefunden zu haben. Er stieß auf eine Reihe historischer Gegenstände, die für ihn eindeutig auf die Anwesenheit französischer Soldaten hinweisen. Unter den Funden waren bis zu 50 Musketen-Kugeln, darunter auch spitz zulaufende Bleigeschosse, die auf unterschiedliche Waffentypen und verschiedene Truppenteile – sowohl Infanterie als auch spezialisierte Schützen – schließen lassen. Französische Soldaten nutzten im Siebenjährigen Krieg die Charleville-Muskete. Die Kugeln waren rund, aus Blei und hatten ein Kaliber von etwa 16,5 bis 17,5 mm. Kleinere Rundkugeln stammen wahrscheinlich aus den Pistolen der Kavallerie, den Husaren.
In Reih und Glied: Gefundene Blei-Geschosse verschiedener Kaliber und die Fragmente einer Pulverflasche
Dazu fanden sich Fragmente einer Pulverflasche. Des Rätsels Lösung scheint das Auffinden einer nur teilweise erhaltenen Silbermünze in der Nähe der Geschosse zu sein. Das Prägungsjahr 1761 ist deutlich zu erkennen.
Die Bestimmung (Determination) der Münze ist eindeutig: Es handelt sich um eine französische Silbermünze Ludwigs XV aus dem Jahr 1761. Derselbe Fundort mit den Geschossen lässt darauf schließen, dass auch die Münze während der Anwesenheit der Franzosen in Eslohe in der Nähe der Pestkapelle verloren ging.

Keine gesicherte Schlussfolgerung
Ein Zusammenhang mit dem Raub des Kapellengeldes könnte bestehen, ist aber keine gesicherte Erkenntnis. Es konnten auch „schwarze Husaren“ gewesen sein, als Teil der Eskadronen, die in der Armee des Herzogs von Braunschweig den Feldzug in Westfalen gegen die Franzosen mitgemacht hatten. In verschiedenen Berichten aus dem Sauerland spielten sie immer wieder eine Rolle. Auch ist fragwürdig, warum die Soldaten ihre Geschosse zurückließen. Wurden sie zum eiligen Aufbruch gezwungen? Es bleiben Fragen, die unbeantwortet bleiben.

So auch die, ob die gefundene Silber-Münze, eine „Écu au bandeau“, nicht doch erst zu einem späteren Zeitpunkt hier verlorenging. Nach ihrer Prägung 1761 blieb sie zunächst im Umlauf. Unter Ludwig XV. und später Ludwig XVI. war Silber ein wertvolles Gut und definierte sich primär über den Silbergehalt und nicht nur über die Aufschrift. Trotz Sturzes der Monarchie in der Französischen Revolution (1789-1795) verschwand das „Königs-Geld“ nicht sofort, da die alten Silbermünzen Ludwigs XV. echtes Edelmetall enthielten. Es ist gut möglich, dass diese Münze zu einem späteren Zeitpunkt hier auf dem Acker nahe der Rochuskapelle verloren ging. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass es am 24. April 1813 war, als 130 Pferde des Königs von Westfalen (Jerome Bonaparte, der jüngste Bruder Napoleons) nebst zwei achtspännigen Wagen Eslohe in westlicher Richtung durchquerten, verfolgt von preußischen und russischen Einheiten.
Der vollständige Abzug der Franzosen aus dem Siebenjährigen Krieg erfolgte unmittelbar nach Bekanntgabe der Friedensbedingungen im Frühjahr 1763. Der Friedensvertrag zwischen Frankreich und Großbritannien, der am 10. Februar 1763 in Paris geschlossen wurde, regelte unter anderem die Räumung der besetzten Gebiete durch französische Truppen. Mit dem Friedensschluss von Hubertusburg am 15. Februar 1763 zwischen Preußen und Österreich endete der Krieg und es entfiel jegliche Grundlage für eine weitere Stationierung französischer Hilfstruppen im kurkölnischen Sauerland. Dennoch erschienen ihre Truppen nach einigen Jahrzehnten erneut in unserer Heimat.
Aber das ist eine ganz andere Geschichte…
01. Die genauen Fundstellen werden nicht genannt. Die Funde sind jedoch der Abteilung Archäologie Westfalen des LWL in Münster gemeldet und dort teilweise zur fachlichen Beurteilung hinterlegt. So ist ehrenamtlich ein wertvoller Beitrag zur Archäologie geleistet worden.
02. Elisabeth Fischer gnt. Wortmann, war gebürtig als Elisabeth Dömmecke aus Bremke. Sie wurde dort am 27.8.1686 geboren und ehelichte am 30.1.1721 den Hofbesitzer Everhard Fischer, gnt. Wortmann in Frielinghausen (dieser ist 1758 gestorben). Als Elisabeth am 16. Januar 1756 starb, war sie 70 Jahre alt. Aus der Eintragung des Pfarrers wird ein gewalttätiger Tod nicht erkennbar.
03. Das Mütte ist ein historisches Hohlmaß für Getreide. Ein Mütte waren cirka 4 Scheffel.
04. Auswertung des Esloher Sterbebuches: In den Jahren zuvor und nach 1761 waren die Todeszahlen geringer = (1757-1760: 18, 24, 21, 25) und (1762-1766: 23, 28, 13, 25, 14)
05. Dieser Ort liegt im äußersten Nordwesten der Gemeinde Welver.
06. Bei Straßenbauarbeiten wurden 1932 einige Gräber französischer Soldaten entdeckt, die bei diesem Gefecht gefallen waren.
07. aus: WOLL-Magazin „Schlacht bei Bredelar im Jahre 1761“, Ausgabe vom 21.02.2021, Beitrag von Britta Melgert https://woll-magazin.de/schlacht-bei-bredelar-im-jahre-1761/
08. aus: „Das Arnsberger Schloss in Flammen“ von Fritz Schumacher. Veröffentlichung durch den Sauerländer Heimatbund „De Suerländer“. Ein diesbezüglicher Hinweis ist in den Aufzeichnungen Reister Pfarrgeistlicher nicht zu finden.
09. Diese Hinweise entstammen aus meiner KI-Befragung und sind nicht historisch belegbar.
